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US-Arbeitsmarkt trotzt Unsicherheiten

US-Arbeitsmarkt zeigt sich robust mit 115.000 neuen Stellen, während Kanada einen deutlichen Anstieg der Arbeitslosigkeit verzeichnet.

Die wichtigsten Punkte im Überblick

  • 115.000 neue Stellen in den USA
  • Kanada verliert 17.700 Arbeitsplätze
  • Fed hält an Zinspause fest
  • Ölpreise über 100 Dollar belasten

Der globale Arbeitsmarkt sendet widersprüchliche Signale. Während die USA mit soliden Jobdaten überraschen, kämpft Kanada mit einem Sechsmonatshoch bei der Arbeitslosigkeit — und die Finanzmärkte tanzen trotz Ölpreisen über 100 Dollar an der Grenze zu Rekordhochs.

Goldilocks in den USA, Gegenwind in Kanada

115.000 neue Stellen im April — fast doppelt so viele wie von Ökonomen erwartet. Der US-Arbeitsmarkt hat erneut positiv überrascht und die Rezessionsängste, die Anfang 2026 die Runde machten, weiter zurückgedrängt. Die Arbeitslosenquote verharrte bei 4,3 Prozent, die Stundenlöhne stiegen moderat um 0,2 Prozent.

„Ein Goldilocks-Bericht“, kommentierte Adam Sarhan von 50 Park Investments: nicht zu heiß, um neue Inflationssorgen zu schüren, aber stark genug, um Stagflationsängste zu zerstreuen. Der S&P 500 legte 0,5 Prozent zu, der Nasdaq stieg um 0,6 Prozent. Die Rendite zehnjähriger US-Staatsanleihen fiel um vier Basispunkte auf 4,35 Prozent.

Ein Wermutstropfen bleibt. Der Dreimonatsdurchschnitt liegt laut Investmentstratege Stephen Kolano bei nur 48.000 Stellen — ein rückläufiger Trend, der hinter der positiven Schlagzeile lauert. Und die Zahl der angekündigten Entlassungen überstieg in der gleichen Woche 83.000 — getrieben von KI-bedingten Effizienzkürzungen und steigenden Inputkosten.

Ganz anders das Bild in Kanada. Dort verlor die Wirtschaft im April netto 17.700 Stellen, die Arbeitslosenquote kletterte auf 6,9 Prozent. Besonders schmerzhaft: Der Rückgang konzentrierte sich ausschließlich auf Vollzeitstellen, von denen allein im April fast 47.000 wegfielen. US-Zölle und die anhaltende Unsicherheit um den nordamerikanischen Freihandel belasten den Arbeitsmarkt seit über einem Jahr. Der kanadische Dollar gab daraufhin 0,6 Prozent nach.

Fed bleibt auf der Bremse — vorerst

Für die US-Notenbank liefern die Daten wenig Spielraum für Zinssenkungen. Die Fed hatte vergangene Woche ihren Leitzins unverändert bei 3,50 bis 3,75 Prozent belassen und auf Inflationsrisiken verwiesen — bei einer Teuerungsrate von 3,3 Prozent kein überraschender Schritt. Die Terminmärkte preisen inzwischen stabile Zinsen bis weit in das Jahr 2027 ein.

Tim Holland von Orion Advisor Solutions bringt die Lage auf den Punkt: Die besseren Jobdaten stützen zwar die Wirtschaft, liefern der Fed aber kein Argument für Lockerungen. Zumal die Notenbank Mitte Juni erstmals unter dem neuen Vorsitzenden Kevin Warsh tagen wird — ein Machtwechsel, der an den Märkten genau beobachtet wird.

Die Parallele zu Kolumbien ist bemerkenswert. Dort stemmt sich Notenbankrat César Giraldo ebenfalls gegen weitere Zinserhöhungen — allerdings aus entgegengesetzter Richtung. Er argumentiert, dass die Inflation bei 5,6 Prozent nicht durch geldpolitische Straffung auf ein Niveau von 11,25 Prozent zu bekämpfen sei, da die Preistreiber hauptsächlich aus höheren Ölpreisen und Lieferkettenstörungen stammten. Ein Argument, das auch in den USA mitschwingt, wenn Analysten auf die Auswirkungen des Nahost-Konflikts auf Energiepreise hinweisen.

Ölpreise und Zölle als Joker

Öl über 100 Dollar je Barrel ist der gemeinsame Nenner, der alle Märkte verbindet. Die andauernden US-iranischen Spannungen im Golf und die blockierte Straße von Hormus lasten auf den Energiemärkten — und damit indirekt auf Inflation, Unternehmensgewinnen und Verbrauchervertrauen weltweit. CFRA-Stratege Sam Stovall warnte: Je länger erhöhte Ölpreise anhalten, desto größer das Risiko für das Konsumentenvertrauen.

Dazu kommt der Handelsstreit mit der EU. US-Handelsbeauftragter Jamieson Greer stellte Brüssel am Freitag ein klares Ultimatum: Bis zum 4. Juli müssen die vereinbarten Handelszugeständnisse — Nullzölle auf Industriegüter, zollfreier Zugang für bestimmte Agrarprodukte, Abbau nichttarifärer Handelshemmnisse — umgesetzt sein. Andernfalls kehren die USA zur alten, höheren Zollstruktur zurück. „Sieben, acht Monate später hat die EU keinen einzigen Teil ihrer Verpflichtungen erfüllt“, kritisierte Greer.

Märkte im Aufwind — trotz allem

Angesichts dieser Gemengelage könnte man eine breitere Risikoscheu erwarten. Stattdessen verzeichnen globale Aktienfonds die siebte Zufluss-Woche in Folge. Der MSCI World erreichte mit 1.108,94 Punkten ein Rekordhoch, getragen von einem starken Berichtssatz: Laut LSEG-Daten stiegen die Gewinne im ersten Quartal um 22 Prozent gegenüber dem Vorjahr und übertrafen die Analystenschätzungen um rund 6 Prozent.

Asiatische Aktienfonds zogen 3,35 Milliarden Dollar an, europäische 1,56 Milliarden. Technologiefonds sammelten netto 2,83 Milliarden ein, während Gesundheitsfonds 2,05 Milliarden verloren — eine Bewegung, die RBC Capital Markets veranlasste, den Sektor von Übergewichten auf Marktgewichten zu senken.

RBC erhöhte gleichzeitig sein S&P-500-Zwölfmonatsziel auf 7.900 Punkte. Das Modell kalkuliert bewusst eine „Zwei-Geschwindigkeiten-Wirtschaft“ ein: KI-nahe Unternehmen treiben die Gewinne, während der Rest des Index unter den Folgen des Nahostkonflikts leidet. Rund 7,5 Prozent Abschlag auf nicht-KI-Gewinne — und trotzdem sieht RBC weiteres Aufwärtspotenzial.

Die eigentliche Frage für die zweite Jahreshälfte lautet: Reicht die Resilienz des Arbeitsmarkts aus, um einen Ölpreisschock abzufedern, falls die Straße von Hormus länger blockiert bleibt? Die Antwort darauf dürfte die Zinspfade von Washington bis Bogotá bestimmen.

Eduard Altmann

Eduard Altmann ist Finanzexperte mit über 25 Jahren Erfahrung an den globalen Finanzmärkten. Als Analyst und Autor beim VNR Verlag für die Deutsche Wirtschaft spezialisiert er sich auf Aktienmärkte, Gold, Silber, Rohstoffe und den Euro.

Altmann ist überzeugter Verfechter des Value-Investing und identifiziert unterbewertete Unternehmen mit hohem Wachstumspotenzial. Sein Börsendienst "Megatrend-Depot" vermittelt praxisnahe Strategien erfolgreicher Value-Investoren. Mit seinem Motto "Manage dein Vermögen selbst" inspiriert er Anleger zur eigenverantwortlichen Vermögensverwaltung.

Seine Analysen basieren auf der fortschrittlichen Gann-Strategie, die präzise Vorhersagen für Rohstoffmärkte ermöglicht. Diese technische Analysemethode kombiniert historische Daten mit Zyklusanalysen und macht seine Marktprognosen besonders treffsicher.

Durch zahlreiche Publikationen und verständliche Erklärungen komplexer Finanzthemen unterstützt Altmann sowohl Einsteiger als auch erfahrene Investoren bei fundierten Anlageentscheidungen. Seine Arbeit verbindet theoretische Expertise mit praktischen Empfehlungen für den strategischen Vermögensaufbau.