Die Renditen US-amerikanischer Staatsanleihen haben neue Mehrjahreshochs erreicht, weil robuste Wirtschaftsdaten und harte Signale der Federal Reserve die Erwartung weiterer Zinsschritte schüren. Am Donnerstag stieg die Rendite der richtungsweisenden zehnjährigen US-Staatsanleihe um 5,0 Basispunkte auf 5,16 Prozent. Damit markierte das Papier den höchsten Schlussstand seit Juli 2007.
Hinter der jüngsten Verkaufswelle an den Anleihemärkten steht vor allem die Neubewertung des geldpolitischen Kurses. Eine Untersuchung zeigt, dass rund 90 Prozent des Zinsanstiegs seit August 2020 auf wenige Tage rund um Notenbankreden und Arbeitsmarktdaten entfielen.
Feste Konjunkturdaten heizen Zinsdebatte an
Zusätzlichen Schub erhielten die Renditen durch überraschend starke US-Einkaufsmanagerindizes für Industrie und Dienstleistungen. Diese Zahlen untermauern das Bild einer widerstandsfähigen Konjunktur, die der US-Notenbank Spielraum für eine straffere Geldpolitik verschafft.
Die Fed hatte ihren Leitzins am 16. September auf eine Spanne von 3,75 bis 4,00 Prozent angehoben. Notenbankvertreter stellten kurz darauf weitere Schritte in Aussicht: Fed-Gouverneur Michael Barr kündigte Anpassungen an, während New-York-Fed-Chef John Williams eine Anhebung bis zum Jahresende als vernünftig bezeichnete.
Am Terminmarkt wird eine weitere Straffung bereits fest einkalkuliert. Die Wahrscheinlichkeit für eine Zinsanhebung im Oktober liegt nach aktuellen Marktdaten zwischen 70 und 77 Prozent.
Druck auf Aktien und Immobilienfinanzierung
Der Zinsanstieg erfasst das gesamte Laufzeitenspektrum. Die Rendite der dreißigjährigen US-Staatsanleihe kletterte zeitweise auf bis zu 5,44 Prozent – den höchsten Wert seit 2004. Auch die zweijährige Anleihe notierte mit 4,90 Prozent auf einem erhöhten Niveau.
Die steigenden Renditen verändern das Kräfteverhältnis zu den Aktienmärkten spürbar. Sichere Staatsanleihen bieten inzwischen Renditen, die mit den erwarteten Gewinnrenditen führender Aktienindizes konkurrieren. Das belastet vor allem hoch bewertete Technologiekonzerne, deren Bewertung stark von künftigen Erträgen abhängt.
In der Realwirtschaft schlagen die höheren Kapitalmarktzinsen unmittelbar durch. Die Zinsen für dreißigjährige Festhypotheken in den USA stiegen zuletzt auf 7,12 Prozent.
Am 30. September rückt die Veröffentlichung des US-Kernpreisindex PCE in den Mittelpunkt. Lag die Teuerungsrate im Vormonat im Jahresvergleich noch bei 3,3 Prozent, würde ein erneut hoher Wert die Erwartungen für die Zinssitzung im Oktober festigen.
