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Uran-Fund in der Ukraine, Ölpreis-Poker um Hormuz — Gold sucht Halt

Gold und Silber kämpfen mit Zinsängsten, während Öl auf Hormuz-Entspannung hofft. Uran profitiert von Tech-Deals.

Die wichtigsten Punkte im Überblick

  • Gold unter 4.530 Dollar gefallen
  • Silber durch Zinsangst belastet
  • Brent-Öl fällt auf 103 Dollar
  • Uran nahe Zweimonatshoch

Verarmtes Uran in russischen Drohnentrümmern, ein US-Iran-Deal auf Messers Schneide und eine Fed, die an der Zinsschraube drehen könnte: Der Rohstoffmarkt spielt an diesem Freitag gleich mehrere Partien gleichzeitig. Während Energierohstoffe zwischen Kriegsprämie und Diplomatie-Hoffnung pendeln, ringen Edelmetalle mit steigenden Renditen. Uran wiederum folgt seiner ganz eigenen Logik.

Gold: Die 4.500-Dollar-Marke als Schlachtfeld

Gold notiert bei 4.522,60 USD je Feinunze — ein Minus von 0,48 % gegenüber dem Vortag. Kurzfristig volatil, mittelfristig aber weiterhin auf historisch hohem Niveau. Der Rücksetzer relativiert sich schnell, wenn man bedenkt, dass das Edelmetall im Januar noch die 5.400-Dollar-Marke touchiert hatte.

Die Belastungsfaktoren sind klar identifizierbar. Die Protokolle der jüngsten Fed-Sitzung zeigen, dass eine Mehrheit der Notenbanker eine Zinserhöhung in diesem Jahr für möglich hält, sollte die Inflation über dem 2-Prozent-Ziel verharren. Steigende US-Staatsanleiherenditen — die 10-jährige Benchmark nahe einem Jahreshoch — erhöhen die Opportunitätskosten für nicht verzinsliches Edelmetall. Ein festerer Dollar macht Gold zudem für internationale Käufer teurer.

Gleichzeitig stützt die Nachricht aus Teheran: Irans Oberster Führer ordnete an, dass iranisches Uran auf iranischem Boden verbleiben solle. Die Aussicht auf einen anhaltenden Konflikt treibt die Ölpreise und damit die Inflationssorgen — ein Umfeld, das Gold eigentlich nützen sollte. Zwischen diesen Kräften pendelt der Preis derzeit seitwärts.

JP Morgan senkte die durchschnittliche Jahresprognose 2026 am 18. Mai auf 5.243 USD je Unze. Andere Häuser sehen den Jahresdurchschnitt zwischen 4.900 und 5.600 USD, mit Jahresendzielen teils deutlich darüber. Die Akkumulation durch Zentralbanken — insbesondere aus China und Schwellenländern — bleibt ein struktureller Stützpfeiler.

Silber: Strukturelles Defizit trifft auf Zinsangst

Silber zeigt sich widerstandsfähiger als Gold. Am Donnerstag legte der Preis auf 76,60 USD je Feinunze zu — ein Plus von knapp einem Prozent. Auf Monatssicht liegt das Metall allerdings leicht im Minus, während es auf Jahressicht mehr als verdoppelt hat.

Seit Ausbruch des Hormuz-Konflikts ist Silber trotz dieser Stärke um fast 20 % gefallen. Die Furcht vor einem energiegetriebenen Inflationsschock, der die Notenbanken zu aggressiverer Straffung zwingen könnte, lastet schwer. Nach dem Allzeithoch bei 121 USD im Januar folgte eine scharfe Korrektur. Das März-Tief bei 61 USD bildet zusammen mit der steigenden 200-Tage-Linie eine technische Unterstützungszone.

Die fundamentale Seite spricht mittelfristig für Silber:

  • Industrielle Anwendungen machen über 50 % der Gesamtnachfrage aus
  • Allein die Solarzellenproduktion verbraucht jährlich rund 230 Millionen Unzen
  • Fünf aufeinanderfolgende Jahre mit Angebotsdefiziten stützen das Preisniveau strukturell
  • Der Ausbau erneuerbarer Energien schafft langfristige Nachfrage

Die durchschnittliche Analystenprognose für 2026 liegt bei 79,57 USD je Feinunze. Die enorme Spannweite der LBMA-Schätzung — 42 bis 165 USD — unterstreicht die außergewöhnliche Unsicherheit.

Brent Crude: Hormuz-Prämie schmilzt, verschwindet aber nicht

Brent Crude gab heute auf 102,99 USD je Barrel nach, ein Rückgang von 1,80 % gegenüber dem Vortag. Innerhalb einer Woche summiert sich das Minus auf 5,74 %. Auf Jahressicht liegt der Preis mit einem Plus von knapp 70 % dennoch auf einem völlig anderen Niveau als noch vor zwölf Monaten.

Die Preisachterbahn der vergangenen Tage zeigt, wie stark die Diplomatie den Markt bewegt. Am Mittwoch fielen Brent-Futures im Nachmittagshandel um mehr als 2 %, nachdem sie zuvor um bis zu 3 % gestiegen waren. US-Außenminister Marco Rubio sprach von „einigen ermutigenden Zeichen“ für ein Abkommen mit dem Iran. Gleichzeitig kündigte Teheran die Schaffung einer „Persian Gulf Strait Authority“ an und erklärte, eine „kontrollierte Meereszone“ in der Straße von Hormuz durchzusetzen.

Der Rückblick auf April verdeutlicht die Dimension der Krise: Am 7. April hatte Brent ein Hoch von 138 USD erreicht, der Monatsdurchschnitt lag bei 117 USD. Die de-facto-Schließung der Meerenge hatte das globale Ölangebot massiv verknappt.

Die EIA erwartet, dass die globalen Ölvorräte im zweiten Quartal um durchschnittlich 8,5 Millionen Barrel pro Tag fallen — ein Tempo, das Brent-Preise um 106 USD im Mai und Juni stützt. Erst mit steigender Produktion im Nahen Osten sollen die Preise bis zum vierten Quartal auf 89 USD sinken.

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Rohöl WTI: Friedenssignale drücken unter die 100-Dollar-Schwelle

WTI konsolidiert in einem symmetrischen Dreiecksmuster. Nachdem der Preis vom Widerstandsbereich nahe 100 USD zurückgefallen ist, testet er bei rund 97 USD die Unterseite des Dreiecks. Die Tagesspanne reicht von 95,79 bis 102,61 USD.

Am Mittwoch hatte eine einzige Aussage den Markt erschüttert: Präsident Trumps Hinweis, die USA befänden sich in den „Endphasen“ der Verhandlungen mit dem Iran, löste Spekulationen über eine baldige Wiedereröffnung der Straße von Hormuz aus. WTI schloss an diesem Tag 5,66 % im Minus.

Die strategische Seite lieferte anschließend neuen Zündstoff. In der vergangenen Woche wurden fast 10 Millionen Barrel aus der US-Strategischen Petroleumreserve entnommen — die größte Freisetzung in der Geschichte. WTI-Futures stiegen daraufhin um rund 3 % auf über 101 USD und holten damit einen Teil der vorherigen Verluste auf.

Jede echte De-Eskalation im Nahen Osten würde eine erhebliche Risikoprämie aus den Ölpreisen nehmen. Berichte über einen Vertragsentwurf zwischen den USA und dem Iran, der eine mögliche Wiedereröffnung der Meerenge beinhaltet, dämpfen die Versorgungssorgen bereits spürbar. Die Frage ist, wie viel Friedensdividende der Markt schon eingepreist hat.

Uran: Militärfund trifft auf Kernenergie-Renaissance

Die ukrainische Sicherheitsbehörde SBU hat am 20. Mai erhöhte Strahlungswerte an Trümmern einer russischen Angriffswaffe in der Region Tschernihiw öffentlich gemacht. Betroffen sind Fragmente einer R-60-Luft-Luft-Rakete, die an einer modifizierten Geran-2-Drohne angebracht gewesen sein soll. In der Nähe der Trümmer wurde ein Gamma-Strahlungswert von 12 Mikrosievert pro Stunde gemessen. Untersuchungen sollen Uran-235 und Uran-238 in den Gefechtskopfbestandteilen nachgewiesen haben. Eine unabhängige Bestätigung steht aus.

Verarmtes Uran in Munition ist international umstritten, fällt aber nicht unter dieselben Verbote wie chemische Waffen. Der Fund fügt dem geopolitischen Bild eine neue Dimension hinzu, ohne den strukturellen Bullenmarkt für den Rohstoff zu gefährden.

Auf der Preisseite notierte Uran zuletzt bei 86,30 USD je Pfund — nahe einem Zweimonatshoch. Die Treiber sind handfest: Meta unterzeichnete Vereinbarungen für bis zu 7,8 Gigawatt Kernkraftkapazität zur Versorgung von KI-Rechenzentren. Microsoft sicherte sich Verträge zur Erneuerung alter Reaktoren für über 800 Megawatt. Die US-Regierung reduzierte Regulierungshürden für Uranumwandler und -anreicherer und vergab frische Verträge über milliardenschwere Investitionen, darunter eine Partnerschaft mit Cameco.

Zwei Geschwindigkeiten, ein Markt

Der Rohstoffmarkt an diesem Freitag lässt sich in zwei Lager teilen. Energierohstoffe reagieren seismographisch auf jede Schlagzeile aus dem US-Iran-Verhandlungskanal. Brent und WTI bleiben weit über dem Vorkriegsniveau, gestützt durch Angebotsknappheit und den historischen Abbau der US-Reserven.

Edelmetalle stehen im Kreuzfeuer: Geopolitische Unsicherheit stützt als Safe-Haven-Nachfrage, steigende Renditen und ein starker Dollar belasten. Der Markt hat eine Fed-Zinserhöhung bis Oktober mit einer Wahrscheinlichkeit von rund 55 % eingepreist — ein Szenario, das für Gold und Silber zusätzlichen Gegenwind bedeutet.

Uran entkoppelt sich zunehmend vom Rest des Rohstoffsektors. Die Preise für Yellowcake liegen seit Jahresbeginn fest höher, getragen von einer wachsenden Zahl konkreter Verträge zwischen Tech-Konzernen und Kernkraftbetreibern.

Hormuz als Dreh- und Angelpunkt — aber nicht als einziger

Die kommenden Handelstage hängen maßgeblich davon ab, ob die US-Iran-Gespräche tatsächlich einen Durchbruch bringen. Ein Abkommen könnte die Öl-Risikoprämie schlagartig reduzieren. Händler wägen De-Eskalationssignale gegen längerfristige Überangebotsrisiken durch OPEC+-Anpassungen und den angekündigten Austritt der VAE aus dem Kartell ab.

Für Gold bleiben die Jahresendziele der Analysten optimistisch — zwischen 5.400 und 6.000 USD. Silber profitiert strukturell von der Energiewende, bleibt kurzfristig aber anfällig für Gewinnmitnahmen bei Dollar-Stärke. Die Internationale Energieagentur schätzt, dass sich der globale Uranverbrauch bis 2040 verdoppeln wird. Für die Kernkraftbetreiber spielt der Uranpreis eine untergeordnete Rolle: Brennstoffkosten machen nur rund drei Prozent der Gesamtbetriebskosten aus. Die Nachfrage dürfte also selbst bei deutlich höheren Preisen kaum nachlassen.

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