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UK-Bausektor im freien Fall

Der britische Bausektor schrumpft im November mit dem schlechtesten PMI-Wert seit Mai 2020. Alle Teilbereiche brechen ein, Aufträge und Beschäftigung gehen stark zurück.

Die wichtigsten Punkte im Überblick

  • PMI fällt auf niedrigsten Stand seit Pandemiebeginn
  • Starker Auftragsrückgang und beschleunigter Stellenabbau
  • Alle Teilsegmente verzeichnen tiefste Einbrüche
  • Geschäftsoptimismus der Unternehmen auf Tiefststand

Der britische Bausektor steckt in der schwersten Krise seit über fünf Jahren. Im November stürzte der S&P Global UK Construction PMI auf 39,4 Punkte ab – der niedrigste Stand seit Mai 2020, als die Pandemie die Wirtschaft lahmlegte. Damit schrumpft die Branche bereits den elften Monat in Folge. Was zunächst nach einem vorübergehenden Abschwung aussah, entwickelt sich zur hartnäckigsten Talfahrt seit der Finanzkrise 2008/2009.

Besonders alarmierend: Alle drei Teilsegmente verzeichnen gleichzeitig ihre stärksten Rückgänge seit fünfeinhalb Jahren. Der Wohnungsbau brach auf 35,4 Punkte ein, Gewerbebau liegt bei 43,8 Punkten, während der Tiefbau mit 30,0 Punkten regelrecht einbricht. Diese synchrone Schwäche deutet auf systemische Probleme hin, die weit über saisonale Schwankungen hinausgehen.

Budget-Unsicherheit lähmt Investitionen

Die Ursachen für den dramatischen Einbruch sind vielschichtig. Unternehmen berichten von schwachem Kundenvertrauen, verzögerten Ausgabenentscheidungen und einem generellen Mangel an neuen Projekten. Die Unsicherheit im Vorfeld des Regierungsbudgets, das Finanzministerin Rachel Reeves am 26. November vorlegte, lähmte Investitionsentscheidungen über Wochen. Das Budget selbst brachte mit 26 Milliarden Pfund (35 Milliarden Dollar) an Steuererhöhungen wenig Erleichterung – im Gegenteil.

Die Auftragseingänge gaben im November dramatisch nach: 44 Prozent der befragten Unternehmen meldeten rückläufige Neuaufträge, während nur 17 Prozent Zuwächse verzeichneten. Dies markiert den stärksten Auftragsrückgang außerhalb der Pandemiezeit seit Anfang 2009. „Schwaches Kundenvertrauen und ein Mangel an neuen Projektanläufen belasteten die Aktivität massiv“, kommentierte Tim Moore, Wirtschaftsdirektor bei S&P Global Market Intelligence.

Beschäftigungsabbau beschleunigt sich

Die Personaldecke im Bausektor dünnt sich rapide aus. Im November beschleunigte sich der Stellenabbau auf das höchste Tempo seit August 2020. Bereits seit elf Monaten werden kontinuierlich Jobs gestrichen – ein Rekord seit der Finanzkrise. Auch die Beauftragung von Subunternehmern geht seit Dezember 2024 zurück, was auf eine nachhaltige Schwächung der gesamten Wertschöpfungskette hindeutet.

Unternehmen nennen erhöhte Lohnkosten und weniger Arbeit als Hauptgründe für den Personalabbau. Die Situation verschärft sich dadurch, dass nicht nur direkt Angestellte betroffen sind, sondern die gesamte Zulieferkette unter Druck gerät. Dies könnte langfristige Folgen für die Branchenkapazität haben, selbst wenn sich die Auftragslage wieder erholt.

Kostenbelastung trotz entspannter Lieferketten

Paradoxerweise verbesserte sich die Lieferantenleistung im November deutlich – so stark wie seit Juni 2024 nicht mehr. Die schwächere Nachfrage entlastete die Lieferketten, wobei einige Unternehmen weiterhin von Versandverzögerungen berichten. Die Einkaufsaktivität fiel gleichzeitig auf den niedrigsten Stand seit fünfeinhalb Jahren.

Trotz entspannter Lieferketten stiegen die Kostenbelastungen im November beschleunigt, wenn auch unter dem langfristigen Durchschnitt. Unternehmen meldeten höhere Preise für Elektrokomponenten, Kupferprodukte und Isoliermaterialien. Diese Kostensteigerungen bei gleichzeitig schrumpfenden Auftragsbüchern setzen die Margen unter massiven Druck.

Geschäftsoptimismus auf Tiefststand

Die Zukunftsaussichten trüben sich weiter ein. Der Geschäftsoptimismus fiel auf den niedrigsten Stand seit Dezember 2022. Nur 31 Prozent der Bauunternehmen erwarten in den kommenden zwölf Monaten eine Belebung der Aktivität, während 25 Prozent von einem weiteren Rückgang ausgehen. Diese verhaltene Stimmung spiegelt sich auch in anderen Konjunkturumfragen wider, die ähnliche Sorgen hinsichtlich Investitionen, Neueinstellungen und Nachfrage dokumentieren.

Der sektorübergreifende PMI, der Dienstleistungen, Industrie und Bau kombiniert, fiel im November auf 50,1 Punkte nach 51,4 Punkten im Oktober – knapp über der Wachstumsschwelle von 50 Punkten. Dies unterstreicht, dass die Baukrise nicht isoliert ist, sondern Teil einer breiteren konjunkturellen Schwäche.

Wohnungsbau besonders hart getroffen

Der Wohnungsbau, traditionell ein Rückgrat des britischen Bausektors, erlebt seine schwächste Phase seit den Pandemie-Lockdowns im Mai 2020. Die Subindizes zeigen: Gewerbebau verzeichnete mit 43,8 Punkten den stärksten Rückgang seit fünfeinhalb Jahren, während Tiefbauprojekte und Neuaufträge ebenfalls auf Niveaus fielen, die zuletzt während der Lockdowns erreicht wurden.

Die Investitionszurückhaltung vor dem Budget traf den Gewerbebau besonders hart, da Unternehmen Entscheidungen über größere Bauprojekte verschoben. Diese strukturelle Schwäche könnte mittelfristig die britische Wirtschaftsleistung belasten, da Infrastruktur- und Wohnbauprojekte wichtige Wachstumstreiber sind.

Kein Wunder also, dass Experten von der schwersten Branchenkrise seit der Finanzkrise sprechen. Die Frage bleibt: Kann die Regierung gegensteuern – oder wird die Talfahrt sich weiter beschleunigen?

Felix Baarz

Felix Baarz ist Wirtschaftsjournalist mit mehr als 15 Jahren Erfahrung in der Berichterstattung über internationale Finanzmärkte. Als gebürtiger Kölner begann er seine Laufbahn bei einer deutschen Fachpublikation, bevor er für sechs Jahre nach New York zog.

In New York berichtete er direkt aus dem Zentrum der globalen Finanzwelt über Entwicklungen an der Wall Street und wirtschaftspolitische Entscheidungen von internationaler Tragweite. Diese Zeit prägte seine analytische Herangehensweise an komplexe Wirtschaftsthemen.

Heute arbeitet Baarz als freier Journalist für führende deutschsprachige Wirtschafts- und Finanzmedien. Seine Schwerpunkte liegen auf der fundierten Analyse globaler Finanzmärkte und der verständlichen Aufbereitung wirtschaftspolitischer Zusammenhänge. Neben seiner schriftlichen Arbeit moderiert er Fachdiskussionen und nimmt an Expertenrunden teil.

Sein journalistischer Ansatz kombiniert tiefgreifende Recherche mit präziser Analyse, um Lesern Orientierung in einer sich wandelnden Wirtschaftswelt zu bieten.