Am Montag läuft für Ubtech Robotics eine kritische Frist ab. Das Unternehmen greift nach dem Präzisionshersteller Zhejiang Fenglong Electric. Der 237 Millionen US-Dollar schwere Deal bildet das Herzstück eines radikalen Umbaus der Lieferkette.
Die strategische Logik ist simpel. Ubtech will die Fertigung von Motoren und Hydraulikkomponenten ins eigene Haus holen und fast die gesamte Lieferkette in China lokalisieren. Das Management rechnet dadurch mit massiven jährlichen Kostensenkungen.
Das Endziel ist ambitioniert. Der Stückpreis des Roboters Walker S2 soll bis 2027 von derzeit 80.000 auf rund 20.000 US-Dollar sinken. Ein erfolgreicher Abschluss der Übernahme gilt als Bewährungsprobe für diesen Fahrplan.
An der Börse griffen Investoren vor dem Wochenende zu. Am Freitag kletterte die Aktie um fast sieben Prozent auf 12,81 Euro und schob sich damit knapp über die 50-Tage-Linie. Seit Jahresbeginn steht allerdings noch ein zweistelliges Minus auf der Anzeigetafel. Analysten verweisen auf ein hohes Umsatz-Multiple und ausstehende Forderungen als Bremsklötze.
Millionen für KI-Talente
Parallel dazu treibt das Unternehmen eine beispiellose Personaloffensive voran. Ubtech sucht weltweit einen Chef-Wissenschaftler für „Embodied Intelligence“. Das gebotene Jahresgehalt sprengt selbst für chinesische Verhältnisse den Rahmen: umgerechnet bis zu 18 Millionen US-Dollar. Der neue Forschungsleiter soll Kernabteilungen für Roboter-Fundamentmodelle und Feinmotorik-Lernen steuern.
Volle Kassen für den Preiskampf
Finanziert wird der Expansionskurs durch ein starkes Geschäftsjahr 2025. Der Umsatz mit humanoiden Robotern explodierte auf umgerechnet 119 Millionen US-Dollar und bildet nun das größte Geschäftsfeld. Im gleichen Schritt schrumpfte der Nettoverlust spürbar. Mit Barreserven von fast fünf Milliarden Renminbi verfügt der Konzern über reichlich Kapital für die teure Talentsuche.
Der Druck im Sektor wächst indes rasant. Tesla plant den Produktionsstart seines Optimus 3 für den Sommer 2026. Ubtech-CEO Zhou Jian hält mit aggressiven Zielen dagegen und will die Auslieferungen im laufenden Jahr auf 5.000 humanoide Roboter fast verfünffachen. Die dafür nötige Produktionskapazität hat das Unternehmen bereits aufgebaut.
