Während Bloom Energy von der KI-Infrastruktur-Welle profitiert wie kaum ein anderer Wasserstoff-Wert, kämpft Nel ASA mit einem dramatischen Auftragseinbruch. Dazwischen: ITM Power in der Konsolidierung, SFC Energy mit einem historischen Rekordauftrag aus der Ukraine und PowerCell Sweden mit stillen Insider-Käufen. Fünf Aktien, fünf völlig unterschiedliche Geschichten — und ein Sektor, der tief gespalten bleibt.
Bloom Energy: KI-Fantasie treibt die Bewertung in neue Sphären
UBS hat das Kursziel für Bloom Energy am Montag auf 322 US-Dollar angehoben — zuvor lagen die Analysten bei 251 Dollar. Die Kaufempfehlung bleibt bestehen. Das Signal ist eindeutig: Die Investmentbank sieht in Blooms Festoxid-Brennstoffzellen eine Schlüsseltechnologie für die Stromversorgung von KI-Rechenzentren, deren Energiehunger bestehende Netze zunehmend überfordert.
UBS steht nicht allein. Insgesamt empfehlen 20 Analysten die Aktie zum Kauf. BTIG setzt das Ziel bei 295 Dollar und verweist auf die ausgeweitete Partnerschaft mit Oracle. Barclays liegt bei 254 Dollar, TD Cowen bei 235 Dollar.
Die fundamentale Basis ist beeindruckend: Eine zehnjährige Hardware- und Servicevereinbarung mit der Nebius Group über 2,6 Milliarden Dollar sichert langfristige Einnahmen. Die Umsatzprognose für das Gesamtjahr 2026 wurde auf 3,4 bis 3,8 Milliarden Dollar angehoben. Seit Jahresbeginn hat die Aktie rund 228 Prozent zugelegt.
Ein Risikofaktor bleibt die regulatorische Prüfung der FERC zur Green-Chile-Seitenpipeline, die für das Jupiter-Projekt relevant ist. BMO Capital Markets erwartet jedoch keine unmittelbaren Auswirkungen auf die Jahresprognose.
ITM Power: Gewinnmitnahmen nach spektakulärem Lauf
Von rund 30 Pence im Mai 2025 auf zeitweise über 150 Pence — ITM Powers Kursanstieg war atemberaubend. Jetzt folgt die Abkühlung. An einem einzelnen Handelstag fiel der Kurs auf 143,30 Pence bei einem Volumen von 13,2 Millionen Aktien, das 168 Prozent über dem Tagesdurchschnitt lag. Auf der Plattform von AJ Bell war ITM zuletzt die meistverkaufte Aktie. Ein klassisches Bild nach überhitzten Rallys.
Zuletzt schloss die Aktie bei 180 Pence in London, nachdem sie ein 52-Wochen-Hoch von 189,40 Pence berührt hatte. Die Marktkapitalisierung liegt bei rund 1,24 Milliarden Pfund.
Die operative Entwicklung stützt den Kurs: Für das Geschäftsjahr 2026 erwartet das Unternehmen einen Umsatz von 40 bis 43 Millionen Pfund — ein Plus von 35 Prozent gegenüber dem Vorjahr. Die erste Jahreshälfte lieferte bereits einen Rekordumsatz von 18 Millionen Pfund.
Strategisch eröffnet die Zusammenarbeit mit Rheinmetall im Rahmen der Giga-PtX-Initiative einen ganz neuen Markt. Das Projekt zielt auf Hunderte dezentraler Anlagen zur Produktion synthetischer Kraftstoffe für NATO-Streitkräfte in Europa. Jefferies hob das Kursziel von 115 auf 200 Pence an. Morgan Stanley erwartet den EBITDA-Breakeven bereits im Geschäftsjahr 2028 — ein Jahr früher als bisher prognostiziert.
Ein weiterer potenzieller Katalysator: Great British Energy, das staatseigene Energieunternehmen, plant eine Beteiligung von knapp über 10 Prozent. Dazu kommen zugesagte Zuschüsse von 46,5 Millionen Pfund, deren finale Genehmigung im Juni erwartet wird.
Nel ASA: Neue Technologie, leere Auftragsbücher
Die Zahlen sprechen eine harte Sprache. Im ersten Quartal 2026 brach der Auftragseingang um 73 Prozent auf lediglich 85 Millionen Norwegische Kronen ein. Die Erlöse sanken um fünf Prozent auf 148 Millionen NOK. Der Auftragsbestand schrumpfte um 24 Prozent auf 1,113 Milliarden NOK.
Dabei hat Nel technologisch geliefert. Nach mehr als acht Jahren Entwicklung und erfolgreichen Prototypentests in der Herøya-Anlage ist die neue Druckelektrolyse-Plattform kommerziell einsatzbereit. Das modulare System soll die Investitionskosten um bis zu 60 Prozent senken — ein potenzieller Gamechanger, wenn die Aufträge folgen.
Die Aktie notiert bei 0,33 Euro und liegt damit rund sieben Prozent unter dem im Mai gesetzten 52-Wochen-Hoch. Seit Jahresbeginn steht ein Plus von knapp 73 Prozent. Die Analysten bleiben skeptisch: Keiner bewertet die Aktie mit Kaufen, sieben empfehlen den Verkauf. Das durchschnittliche Kursziel liegt bei 2,12 Kronen.
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- Kassenbestand zum Quartalsende: 1,443 Milliarden NOK — solide genug, um die Durststrecke zu überbrücken
- EBITDA verbesserte sich im Jahresvergleich trotz schwächerer Erlöse
- Erste Auftragssignale nach dem Quartal: ein 7-Millionen-Dollar-Auftrag für PEM-Container-Einheiten in den USA und ein Q2-Vertrag über rund 70 Millionen Kronen
Das Management erwartet im laufenden Jahr mehr finale Investitionsentscheidungen bei Großprojekten als 2025. Die nächste Gewinnveröffentlichung steht im Juli an.
PowerCell Sweden: Stille Insider-Käufe in der Schwächephase
Während der Kurs seit dem 52-Wochen-Hoch bei 4,37 Euro im November 2025 rund 30 Prozent verloren hat, kaufen Insider beharrlich zu. Alle vier jüngsten Nettotransaktionen waren Käufe. Ein Signal, das Aufmerksamkeit verdient — gerade weil es gegen den Markttrend läuft.
Aktuell notiert die Aktie bei 3,05 Euro mit einem Wochenplus von 7,54 Prozent. Das Jahresplus liegt bei knapp elf Prozent.
Das erste Quartal 2026 brachte einen Dämpfer: Geringere IP- und Lizenzeinnahmen drückten Erlöse und Ergebnis. Die Bruttomarge verbesserte sich allerdings dank eines früheren Deals mit Bosch. Marine bleibt das Kernsegment mit starker Nachfrage, die Stromerzeugung entwickelt sich zur zweiten Säule.
Im Gesamtjahr 2025 hatte PowerCell ein positives EBITDA erzielt, organisch 24 Prozent zugelegt und die Margen auf Rekordniveau verbessert. Jefferies hat die Abdeckung mit einer Halteempfehlung und einem Kursziel von 36 SEK aufgenommen. Die Erwartung: Eine frühe EBITDA-Inflexion durch disziplinierte Kosten und operative Hebelwirkung.
SFC Energy: 42,7-Millionen-Euro-Auftrag aus der Ukraine
Der größte Auftrag der Unternehmensgeschichte: SFC Energy liefert Brennstoffzellensysteme an die Ukraine im Volumen von rund 42,7 Millionen Euro. Portable, zuverlässige Energiesysteme in Konfliktgebieten — diese geopolitische Nachfragekomponente unterscheidet SFC fundamental von rein auf erneuerbare Energien ausgerichteten Wettbewerbern.
Die Aktie hat seit Jahresbeginn rund 73 Prozent zugelegt, gab in der vergangenen Woche jedoch gut zehn Prozent ab und schloss gestern bei 21,95 Euro. Das 52-Wochen-Hoch bei 24,40 Euro liegt nur wenige Tage zurück.
Im Zuge des Großauftrags hob das Unternehmen die Umsatzprognose für 2026 auf 163 bis 175 Millionen Euro an. Der Q1-Umsatz sank zwar um zwölf Prozent, weil Kapazitäten für die Ukraine-Lieferung umgeschichtet wurden. Die Profitabilität verbesserte sich dennoch — ein Zeichen operativer Effizienzgewinne.
Fünf Analysten empfehlen die Aktie zum Kauf, keiner rät zum Verkauf. Das durchschnittliche Zwölf-Monats-Kursziel liegt bei 26,40 Euro. Das Unternehmen soll im kommenden Jahr einen Gewinn je Aktie von 0,50 Euro erzielen — nach einem Nettoverlust von 0,035 Euro im Vorjahr.
Wasserstoff-Sektor zwischen KI-Boom und Auftragssorgen
Die Kluft im Sektor vertieft sich. Auf der einen Seite steht Bloom Energy als milliardenschwerer Profiteur der KI-Infrastrukturwelle mit breiter Analystenunterstützung und einer Bewertung, die den Rest des Sektors in den Schatten stellt.
Auf der anderen Seite ringt Nel ASA mit einem Auftragseinbruch, der die technologischen Fortschritte überschattet. Die nächsten Quartale werden zeigen, ob die neue Druckelektrolyse-Plattform die Auftragslücke schließen kann.
Dazwischen positionieren sich drei Werte mit jeweils eigenem Profil:
- ITM Power steht vor der finalen Investitionsentscheidung zur Chronos-Fertigungslinie im Juni — ein harter Meilenstein. Mit fast 200 Millionen Pfund Cash und ohne Schulden ist die Bilanz solide. Am 15. September folgen die Jahresergebnisse.
- SFC Energy hat mit dem Ukraine-Auftrag einen geopolitischen Wachstumspfad eröffnet, den kein anderer Wasserstoff-Wert in dieser Form bietet.
- PowerCell Sweden setzt auf stilles Wachstum in den Segmenten Marine und Stromerzeugung — die Insider-Käufe deuten darauf hin, dass zumindest das Management an die eigene Story glaubt.
Die entscheidende Frage für die zweite Jahreshälfte: Gelingt den kleineren Playern der Anschluss an Bloom Energys Dynamik — oder zerfällt der Wasserstoff-Sektor endgültig in zwei Lager?
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