TUI-Chef Sebastian Ebel erwartet nach dem Unfall der „Mein Schiff 3“ keine langfristigen Folgen für das Kreuzfahrtgeschäft. Medienberichten zufolge verwies er gestern auf eine unverändert hohe Nachfrage und erneute Buchungen vieler betroffener Gäste. Für Anleger stehen damit zwei Fragen nebeneinander: Wie belastbar bleibt die Nachfrage, und wie stark beeinträchtigen die Reparaturen weitere Reisen?
Reparaturen betreffen auch Sicherheitsausrüstung
Die „Mein Schiff 3“ war am 25. Oktober beim Auslaufen in Bremerhaven mit Containerschiffen kollidiert. Nach Angaben von TUI Cruises gab es keine Verletzten. Die geplante Kanarenreise wurde abgesagt.
Am Donnerstag erklärte die Reederei, dass die Schäden auch lebensrettende Ausrüstung beträfen. Das Schiff sollte heute zur Reparatur an die Lloyd Werft Bremerhaven wechseln. Nach ersten Schätzungen entstand ein Schaden in siebenstelliger Höhe.
Die Absage ist damit bereits eine konkrete betriebliche Folge. Über mögliche Auswirkungen auf nachfolgende Reisen wollte TUI Cruises nach weiterer Prüfung informieren. Mehr Klarheit erwartete die Reederei für Anfang der kommenden Woche. Ebels Aussage zur Nachfrage beantwortet diese operative Frage nicht: Buchungsbereitschaft und Einsatzfähigkeit des beschädigten Schiffs sind getrennt zu betrachten.
Analysten begrenzen erwartete Ergebnisbelastung
Die Analysten von mwb research bestätigten am Dienstag ihre Kaufempfehlung für TUI und das Kursziel von 13,50 Euro. Den Umsatzverlust bei TUI Cruises schätzten sie auf 10 bis 12 Millionen Euro. Es handelte sich um eine Bestätigung der bestehenden Einschätzung, nicht um eine neue Hochstufung.
Für die Bewertung ist die Unterscheidung zwischen entgangenem Umsatz und Ergebnisbelastung wichtig. Die Analysten behandeln den Reiseausfall nicht als gleich hohen Verlust für TUI. Ihre Einschätzung spricht für begrenzte finanzielle Folgen, bleibt aber eine Schätzung.
Den nicht erstatteten EBIT-Effekt für TUI bezifferte mwb research auf 3 bis 5 Millionen Euro. Diese Größenordnung ist somit keine vom Unternehmen gemeldete Ergebnisbelastung.
Ebels Aussagen und die Analysteneinschätzung stützen dieselbe grundsätzliche Einordnung: Der Unfall muss das Kreuzfahrtgeschäft nicht dauerhaft schwächen. Die konkrete Reichweite des Reiseausfalls bleibt davon jedoch getrennt.
Für Anleger ist deshalb die angekündigte Information zu den Folgereisen der nächste wichtige Anhaltspunkt. Sie kann zeigen, ob es bei der bereits abgesagten Reise bleibt oder weitere betriebliche Einschränkungen hinzukommen.
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