Starke Expansion auf der einen Seite, geopolitische Belastungen auf der anderen. Bei TUI klaffen Anspruch und Realität derzeit weit auseinander. Der Touristikkonzern eröffnet am laufenden Band neue Hotels in Asien. Eine angepasste Gewinnprognose trübt das Bild allerdings spürbar.
Nahost-Konflikt kostet Millionen
Eigentlich wollte TUI im Geschäftsjahr 2026 kräftig wachsen und peilte ein operatives Ergebnis von rund 1,4 Milliarden Euro an. Die Eskalation im Nahen Osten machte diesem Plan einen Strich durch die Rechnung, da Kunden zögerlicher buchten oder stornierten.
Allein im März verbuchte das Unternehmen kriegsbedingte Belastungen von rund 40 Millionen Euro. Die Konsequenz: Das Management kappte im April die Prognose. Das bereinigte EBIT soll nun zwischen 1,1 und 1,4 Milliarden Euro liegen. Die Umsatzprognose setzte der Konzern sogar komplett aus.
Flucht nach Asien
Parallel zur finanziellen Vollbremsung läuft die operative Maschinerie auf Hochtouren. TUI erweitert das eigene Hotelportfolio massiv. Seit dem Frühjahr eröffnete der Konzern sieben neue Anlagen.
Dabei rückt Asien stark in den Fokus. Im Mai feierte die Marke TUI Blue ihren Markteintritt in Bhutan. Wenig später öffnete ein weiteres Haus in Shanghai seine Türen. Für den August steht bereits die nächste Einweihung in Vietnam im Kalender. Weitere Projekte in Thailand und Singapur befinden sich im Bau. TUI setzt verstärkt auf diese margenstarken Eigenmarken. Sie sollen das wacklige Europageschäft ausgleichen.
Rückenwind aus Berlin
Unerwartete Hilfe erhält der Konzern aus der Heimat. Die Bundesregierung senkt ab November 2026 die Gebühren für den Reisesicherungsfonds drastisch.
Die Entgelte halbieren sich auf 0,25 Prozent der absicherungspflichtigen Umsätze. Branchenkenner schätzen die jährliche Ersparnis für die Reiseanbieter auf 70 Millionen Euro. Auch die geforderten Sicherheiten sinken deutlich. Das spült branchenweit geschätzte 560 Millionen Euro an frischer Liquidität in die Kassen. Ein willkommener Puffer für TUI.
Kerosin-Absicherung als Stütze
An der Börse bleibt die Stimmung verhalten, denn die TUI-Aktie verlor seit Jahresbeginn fast ein Fünftel ihres Wertes. Aktuell pendelt das Papier um die Marke von 7,20 Euro.
Für den anlaufenden Sommer steht das Kerngeschäft auf dem Prüfstand. Die neuen Hotels müssen schnell Auslastung finden. Immerhin hat das Management bei den Treibstoffkosten vorgearbeitet. TUI hat 83 Prozent des benötigten Kerosins für die aktuelle Sommersaison preislich abgesichert. Für den kommenden Winter liegt diese Quote bereits bei 62 Prozent.
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