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Türkei hält an hartem Wirtschaftskurs fest

Die türkische Regierung bekräftigt ihren harten Kurs zur Inflationsbekämpfung, obwohl die Privatwirtschaft auf unerwünschte Nebenwirkungen hinweist. Das Programm bleibt dynamisch, zielt aber weiter auf Stabilisierung ab.

Die wichtigsten Punkte im Überblick

  • Inflationsbekämpfung bleibt oberste wirtschaftspolitische Priorität
  • Wachsende Kritik aus der Finanz- und Geschäftswelt
  • Ambitionierte Inflationsziele trotz externer Belastungen
  • Programm markiert historische Kehrtwende der Geldpolitik

Die türkische Regierung bekräftigt ihren strikten wirtschaftspolitischen Kurs zur Inflationsbekämpfung – trotz wachsender Kritik aus der Privatwirtschaft. Vizepräsident Cevdet Yilmaz stellte am Donnerstag in Istanbul klar: „Es gibt keinen Plan, unser Programm zu pausieren.“ Die Aussage kommt zu einem kritischen Zeitpunkt, an dem die restriktive Geld- und Fiskalpolitik das Land seit über zwei Jahren im Griff hält.

Die straffe Wirtschaftspolitik zeigt erste Wirkung, fordert jedoch ihren Tribut. Die Inflation ist zwar von ihren Höchstständen zurückgegangen, verharrt aber mit 31 Prozent auf einem Niveau, das Unternehmen und Haushalte durch hohe Finanzierungs- und Kreditkosten massiv belastet. Yilmaz räumte ein, dass das Programm „dynamisch“ sei und Anpassungen vorgenommen werden könnten – allerdings nur mit dem Ziel, Produktion, Investitionen und Exporte zu stärken, während der Konsum gedämpft werden soll.

Kritik aus der Finanzbranche wächst

Die Geduld der Wirtschaft schwindet. Hakan Aran, CEO der Is Bank, warnte im vergangenen Monat eindringlich, dass eine ausschließliche Fokussierung auf ein einziges Ziel – die Inflation – unerwünschte Nebenwirkungen erzeugen könnte. Seine Anregung einer „Pause und Neustart“, sobald bestimmte Ziele erreicht seien, stieß auf breite Resonanz in der türkischen Geschäftswelt.

Die Zentralbank hatte die Leitzinsen 2024 auf bis zu 50 Prozent angehoben, bevor sie im vergangenen Jahr eine vorsichtige Lockerung auf 38 Prozent vornahm. Yilmaz betonte, dass das entscheidende Kriterium die Realzinsen seien: „Eine Zinssenkung parallel zum Rückgang der Inflation beeinflusst die Realzinsen nicht, daher erwarten wir keine Kapitalflucht aus der Lira.“

Ambitionierte Inflationsziele trotz Gegenwind

Die Regierung erwartet Verbesserungen bei der Inflationsentwicklung im ersten Quartal, die sich in den Markterwartungen für eine Jahresendinflation von rund 23 Prozent widerspiegeln sollten. Das offizielle Ziel ist jedoch deutlich ehrgeiziger: 16 Prozent bis Jahresende, in einer Bandbreite zwischen 13 und 19 Prozent, mit einer weiteren Absenkung auf 9 Prozent im Jahr 2027.

Diese Ziele erscheinen angesichts der anhaltenden Belastungen durch erhöhte Lebensmittelpreise, die durch landwirtschaftliche Frostschäden und Dürre verursacht wurden, ambitioniert. Yilmaz hob hervor, dass die Inflation trotz dieser Belastungen um fast 45 Prozentpunkte gefallen sei. Der Agrarsektor soll in diesem Jahr Wachstum unterstützen und zur Preisdämpfung beitragen – eine Hoffnung, von der die Zielerreichung maßgeblich abhängt.

Wirtschaftsprogramm als historische Kehrtwende

Das 2023 eingeführte Wirtschaftsprogramm markiert eine radikale Abkehr von Jahren unorthodoxer Geldpolitik, die durch niedrige Zinsen Wachstum fördern sollte, aber letztlich zu galoppierender Inflation und einem dramatischen Wertverfall der Lira führte. Das aktuelle Programm zielt darauf ab, hohe Inflationserwartungen zu durchbrechen und gleichzeitig Produktion sowie Exporte zu stärken, um die chronischen Leistungsbilanzdefizite anzugehen.

Yilmaz machte deutlich, dass die Regierung keinen raschen Inflationsrückgang anstrebt, der Wachstum, Beschäftigung und soziale Stabilität gefährden könnte. Stattdessen will man die Mechanismen zur selektiven Unternehmensunterstützung verstärken und gleichzeitig die allgemeinen Finanzierungsbedingungen verbessern – ein Balanceakt zwischen makroökonomischer Stabilisierung und Rücksicht auf die reale Wirtschaft.

Internationale Märkte unter Druck

Während die Türkei an ihrem Kurs festhält, zeigen sich an den internationalen Märkten nervöse Reaktionen. Der US-Dollar legte zu Wochenbeginn zu, da Händler auf den US-Arbeitsmarktbericht und eine bevorstehende Entscheidung des Obersten Gerichtshofs zu Präsident Trumps Notfall-Zollbefugnissen warteten. Der Dollar-Index stieg den dritten Tag in Folge und erreichte 98,883 – ein Signal für die angespannte Stimmung an den globalen Finanzmärkten.

Die Marktteilnehmer rechnen mit einer 89-prozentigen Wahrscheinlichkeit, dass die US-Notenbank ihre Zinsen bei der nächsten Sitzung Ende Januar unverändert lässt. Doch die eigentliche Brisanz liegt in der möglichen Gerichtsentscheidung über Trumps Zollbefugnisse: Sollte das Gericht gegen ihn entscheiden, könnten Unternehmen möglicherweise rund 150 Milliarden Dollar an bereits gezahlten Zöllen zurückfordern – eine Entwicklung, die Handelspolitik und Märkte gleichermaßen durcheinanderbringen würde.

Andreas Sommer

Mit über 40 Jahren Erfahrung im Bankwesen und Börsenjournalismus gehöre ich zu den etablierten Analysten im deutschsprachigen Raum. Nach mehr als zehn Jahren als Wertpapierberater bei der Deutschen Bank spezialisierte ich mich seit dem Börsencrash 1987 auf technische Analyse und charttechnische Methoden.

Als ehemaliger Chefredakteur mehrerer Börsenpublikationen entwickelte ich den "Aktienführer Neuer Markt" mit und führe heute einen Börsendienst, der sich auf wachstumsstarke Unternehmen fokussiert. Mein wöchentliches Markt-Barometer analysiert systematisch DAX, Dow Jones, Ölpreis, Währungen und Marktstimmung, um präzise Orientierung zu bieten.

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