Rekordumsatz, Rekordgewinn, eine angehobene Jahresprognose — und trotzdem fällt die ADR-Aktie von TSMC im vorbörslichen US-Handel um mehr als vier Prozent. Was auf den ersten Blick widersprüchlich wirkt, hat einen einfachen Grund: Die Messlatte lag bereits extrem hoch, und der Markt nutzt die Zahlen zum Kasse machen.
Rekordzahlen im Detail
Im zweiten Quartal 2026 setzte der weltgrößte Chip-Auftragsfertiger rund 1,27 Billionen Taiwan-Dollar um, ein Plus von etwa 36 Prozent gegenüber dem Vorjahr. Der Nettogewinn kletterte auf rund 707 Milliarden Taiwan-Dollar, das verwässerte Ergebnis je Aktie lag bei etwa 27,3 Taiwan-Dollar. Auch die Profitabilität bleibt beeindruckend: Die Bruttomarge erreichte rund 67,7 Prozent, die operative Marge etwa 60,3 Prozent.
Getragen wird das Geschäft weiterhin von der fortschrittlichsten Fertigung. Technologien ab 7 Nanometer und darunter machten zusammen rund 77 Prozent des gesamten Wafer-Umsatzes aus, mit 3-Nanometer-Chips als wichtigstem Wachstumstreiber neben der etablierten 5-Nanometer-Klasse.
Nachfrage übersteigt Angebot
TSMC-Chef Che-Chia Wei brachte es in Hsinchu auf den Punkt: Die Nachfrage nach Chips für KI-Anwendungen übersteige das Angebot bei Weitem. Der Konzern reagiert darauf mit einer weiteren Aufstockung seines Investitionsziels — mehr, als bislang bekannt war — und hob parallel die Umsatzprognose für das laufende Jahr an. Für ein Unternehmen, das wegen des KI-Booms längst zu den wertvollsten der Welt zählt, ist das ein deutliches Signal: Der Ausbau der Kapazitäten hat oberste Priorität.
Warum die Aktie trotzdem fällt
An der Wall Street überwiegt derzeit die Zinsangst. Die Rendite zehnjähriger US-Staatsanleihen zog auf 4,59 Prozent an, nachdem robuste Konjunkturdaten die Erwartung an eine baldige Zinssenkung dämpften. Steigende Zinsen drücken besonders auf Wachstumswerte wie Chiphersteller, deren Bewertung stark von künftigen, abgezinsten Gewinnen abhängt.
Ein Fondsmanager brachte die Marktstimmung auf den Punkt: Die Erwartungen an TSMC seien schlicht „außerordentlich hoch“ gewesen — Anleger nutzen die Zahlen nun zur Gewinnmitnahme. Der gesamte Halbleitersektor gerät dadurch unter Druck: Micron verliert vorbörslich 5,5 Prozent, AMD 3,7 Prozent und Intel 3,4 Prozent. Noch heftiger trifft es Speicherhersteller wie Sandisk und Western Digital, die bereits am Vortag stark abverkauft worden waren.
Für TSMC selbst ändert das wenig an der fundamentalen Lage. Die Kapazitäten sind knapp, die Nachfrage nach fortschrittlichen Chips bleibt ungebrochen hoch — und genau deshalb erhöht der Konzern jetzt seine Investitionen, statt auf bessere Zeiten zu warten.
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