Rekordziele der Analysten treffen auf einen unruhigen Markt. Die TSMC-Aktie fiel zuletzt im Sog eines breiten Halbleiter-Ausverkaufs. Aktuell notiert das Papier bei 379,00 Euro. Damit liegt der Kurs knapp zehn Prozent unter dem Juli-Hoch.
Analysten im Bullenmodus
Große Investmentbanken überbieten sich derzeit mit Prognosen. Citi hob das Kursziel von 2.875 auf 3.800 Neue Taiwan-Dollar an. Die Bank verweist auf den riesigen Hunger nach KI-Chips. Auch JPMorgan sieht weiteres Potenzial. Die Analysten erwarten eine Bruttomarge von fast 70 Prozent im zweiten Quartal.
Parallel dazu strauchelt der breite Markt. Der Branchenindex SOX brach am Dienstag um rund sechs Prozent ein. TSMC verlor auf Wochensicht knapp drei Prozent. Dennoch steht seit Jahresbeginn ein sattes Plus von fast 39 Prozent auf der Kurstafel.
Drei Bremsklötze für die Marge
Für das zweite Halbjahr rechnet das Management mit Gegenwind. Drei Faktoren belasten die Profitabilität. Erstens kostet der Hochlauf der neuen 2-Nanometer-Produktion viel Geld. Das drückt die Bruttomarge anfangs um bis zu drei Prozent.
Zweitens belasten die Fabriken im Ausland. Besonders das Großprojekt im US-Bundesstaat Arizona zehrt am Gewinn. Hier rechnet TSMC 2026 mit einem weiteren Margenrückgang von rund drei Prozent. In den Folgejahren könnte dieser Effekt sogar wachsen. Der Grund: fehlende Skaleneffekte und höhere Betriebskosten.
Schließlich treiben geopolitische Spannungen im Nahen Osten die Kosten. Wichtige Chemikalien und Rohstoffe werden spürbar teurer.
Offensive Preispolitik als Schutzschild
TSMC reagiert auf diese Kostenflut mit schierer Marktmacht. Der Konzern kontrolliert 72 Prozent des globalen Foundry-Marktes. Diese Position nutzt das Unternehmen für drastische Preiserhöhungen. Bis Jahresende steigen die Preise für 3-Nanometer-Wafer um 15 Prozent.
Die kommende 2-Nanometer-Generation wird noch teurer. Ein Wafer soll knapp 30.000 US-Dollar kosten. Analysten kalkulieren dadurch mit einem Gewinn-Plus von über zehn Prozent je Aktie.
Auch die Kapazitäten wachsen rasant. Citi-Experten erwarten bis 2028 eine massive Ausweitung der Spitzenproduktion. Dafür hebt TSMC die Investitionsbudgets für die kommenden Jahre deutlich an. Bis zu 80 Milliarden US-Dollar fließen in den Ausbau.
Im Juli präsentiert TSMC die neuen Quartalszahlen. Investoren achten dabei auf die aktualisierten Investitionspläne für das laufende Jahr. Ein weiterer Fokus liegt auf der sogenannten Glass-Core-Substrate-Technologie. Goldman Sachs rechnet zwar erst ab 2030 mit einem Standard-Einsatz in der Industrie. Dennoch könnten konkrete Updates zu Partnerschaften mit Firmen wie Innolux oder Ibiden dem Aktienkurs neue Impulse liefern.
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