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Trump verkündet Fed-Chef: Warsh-Wahl schockt Märkte

Die erwartete Ernennung des ehemaligen Fed-Gouverneurs Kevin Warsh durch Donald Trump löst Turbulenzen an den Märkten aus. Seine Forderung nach einer kleineren Fed-Bilanz könnte die Ära billiger Liquidität beenden.

Die wichtigsten Punkte im Überblick

  • Bitcoin stürzt auf Zweimonatstief ab
  • Warsh fordert Regimewechsel und kleinere Fed-Bilanz
  • Politische Spannungen um Fed-Unabhängigkeit erreichen Höhepunkt
  • Aktienmärkte geraten unter Druck, Dollar gewinnt

Die Spannung hat ein Ende: US-Präsident Donald Trump will am Freitag seinen Nachfolger für Fed-Chef Jerome Powell bekanntgeben – und alle Zeichen deuten auf Kevin Warsh. Die Märkte reagieren nervös auf diese Personalie, denn der frühere Fed-Gouverneur könnte eine ganz andere Geldpolitik verfolgen als von Trump gewünscht. Bitcoin stürzt ab, der Dollar legt zu und Anleger fragen sich: Kommt jetzt die Zinswende, die niemand erwartet hat?

Überraschende Kehrtwende bei der Fed-Besetzung

„Ich werde morgen früh den Fed-Chef verkünden“, sagte Trump am Donnerstagabend im Kennedy Center. Eine Person, die „nicht allzu überraschend“ sein werde und die „von jedem in der Finanzwelt respektiert“ werde. Bloomberg News berichtete später unter Berufung auf informierte Personen, das Weiße Haus bereite sich darauf vor, Warsh zu nominieren.

Der 55-jährige Warsh hatte Trump am Donnerstag im Weißen Haus getroffen – ein Treffen, das nach Angaben von mit der Angelegenheit vertrauten Personen positiv verlief. Schon 2018 stand Warsh auf Trumps Kandidatenliste, damals entschied sich der Präsident jedoch für Powell – eine Entscheidung, die er seitdem öffentlich und lautstark bereut hat.

Die Wahl ist brisant: Warsh fordert einen „Regimewechsel“ bei der Zentralbank und will vor allem eines – eine deutlich kleinere Fed-Bilanz. Das steht in direktem Widerspruch zu Trumps Forderung nach tiefen Zinssenkungen und lockerer Geldpolitik. „Warsh ist dafür bekannt, niedrigere Zinsen zu befürworten“, sagt Damien Boey, Portfolio-Stratege bei Wilson Asset Management. „Aber der Kompromiss, den er eingeht, ist eine kleinere Fed-Bilanz. Die Märkte fragen sich gerade: Wie sähe eine Welt mit einer geschrumpften Fed-Bilanz aus?“

Märkte im Panikmodus – Bitcoin auf Talfahrt

Die Reaktion ließ nicht lange auf sich warten. Bitcoin stürzte am Freitag auf ein Zweimonatstief von 82.300 Dollar ab, ein Minus von 2,5 Prozent. Damit droht der Kryptowährung die vierte Verlustmonatserie in Folge – die längste seit acht Jahren. Ethereum verlor sogar 2,9 Prozent und fiel auf 2.735 Dollar.

Der Grund: Eine kleinere Fed-Bilanz würde bedeuten, dass weniger Liquidität im Finanzsystem zirkuliert. Bitcoin und andere Kryptowährungen profitierten jahrelang davon, dass die Fed die Märkte mit billigem Geld flutete. „Wenn man anfängt, davon zu sprechen, den Teppich darunter wegzuziehen, verkaufen all jene Assets, die als Absicherung gegen Bilanzexpansion dienten – Gold, Krypto und natürlich auch Anleihen“, erklärt Boey.

Auch die Aktienmärkte gerieten unter Druck. S&P-500-Futures rutschten um 0,4 Prozent ab, Nasdaq-Futures verloren 0,5 Prozent. MSCI’s breiter Asien-Pazifik-Index brach zeitweise um 1,3 Prozent ein. Der Dollar hingegen legte zu und machte einen Teil seiner wochenlangen Verluste wieder wett.

Politischer Druck auf die Fed erreicht Höhepunkt

Trump hat in den vergangenen Monaten einen beispiellosen Feldzug gegen die Fed-Unabhängigkeit geführt. Er versuchte, Fed-Gouverneurin Lisa Cook zu entlassen – ein Fall, der nun vor dem Supreme Court liegt. Das Justizministerium eröffnete eine Untersuchung gegen Powell wegen angeblicher Kostenüberschreitungen bei Renovierungsarbeiten am Fed-Hauptquartier – eine Maßnahme, die Powell als „Vorwand“ bezeichnete, um ihn geldpolitisch unter Druck zu setzen.

Powells Amtszeit als Fed-Chef endet im Mai, doch sein Mandat als Mitglied des Board of Governors läuft bis 2028. Angesichts des politischen Drucks könnte Powell den ungewöhnlichen Schritt gehen und auch nach Mai im Board bleiben – was Trump einen weiteren freien Sitz verwehren und die Führung unter einem neuen Chef verkomplizieren würde.

Die Nominierung muss vom Senat bestätigt werden – und hier lauert bereits die nächste Hürde. Senator Thom Tillis aus North Carolina drohte, alle Fed-Nominierungen zu blockieren, bis die Justizministerium-Untersuchung beendet ist. „Wir könnten letztlich eine Fed bekommen, die am Rande hawkisher wird“, sagt Sonu Varghese, globaler Makro-Stratege bei Carson Group.

Warsh – der Mann zwischen den Fronten

Kevin Warsh ist kein Unbekannter in der Finanzwelt. Von 2006 bis 2011 war er Fed-Gouverneur und in der Finanzkrise 2008 die wichtigste Verbindungsperson zur Wall Street. Danach arbeitete er als Partner im Büro, das das Vermögen der Investmentlegende Stanley Druckenmiller verwaltet. Familiäre Verbindungen zu Trump-Unterstützer Ron Lauder machen ihn zum Vertrauten des Präsidenten.

Als Anwalt und Distinguished Visiting Fellow am Hoover-Institut der Stanford University fordert Warsh eine grundlegende Überholung der Zentralbank. Er will die Bilanz verkleinern und Bankenregulierung lockern. Sein Argument: Eine kleinere Bilanz würde es der Fed ermöglichen, „überschüssige Liquidität“ aus den Finanzmärkten in die Realwirtschaft „umzuverteilen“, indem der Leitzins gesenkt wird.

Bei der aktuellen Fed stößt diese Argumentation auf taube Ohren. Die Notenbank senkte die Zinsen 2025 dreimal, hielt sie diese Woche aber im Bereich von 3,50 bis 3,75 Prozent stabil. Die Bilanzschrumpfung wurde kürzlich gestoppt – in Einklang mit der Strategie, die Bankreserven großzügig zu halten.

„Wenn die Nominierung tatsächlich Warsh ist, könnte die Fed am Rande hawkischer werden“, warnt Varghese. Rodrigo Catril, Senior-FX-Stratege bei National Australia Bank, sieht das positiver: „Warsh ist ein angesehener Ökonom und verteidigte in einer Rede im April letzten Jahres vehement die Fed-Unabhängigkeit. Er kritisierte aber auch, dass die Fed und andere Zentralbanken nicht bei ihren Mandaten bleiben.“

Drei weitere Kandidaten im Rennen

Noch am Mittwoch galt Rick Rieder, Chefanlagestratege für festverzinsliche Anlagen bei BlackRock, als Favorit. Rieder hätte als Fed-Außenseiter ein frisches Gesicht in eine Institution gebracht, die Trump politischer Voreingenommenheit bezichtigt. Seine Chancen sind nun rapide gesunken – Wettmärkte wie Polymarket und Kalshi sehen Warsh mit über 80 Prozent Wahrscheinlichkeit vorn.

Fed-Gouverneur Christopher Waller gehört ebenfalls zu den Finalisten. Er war einer von zwei Notenbankern, die diese Woche gegen die Zinspause stimmten. Waller war der erste Fed-Vertreter, der wirtschaftlich für niedrigere Zinsen argumentierte – mit der Begründung, Zölle würden keine Inflation verursachen und die Wirtschaft brauche Unterstützung. Diese Argumente überzeugten viele Kollegen und halfen, die Zinssenkungen 2025 abzusichern.

Kevin Hassett, Wirtschaftsberater im Weißen Haus und früher Spitzenreiter, gilt nach Trumps Aussage, er wolle ihn lieber in seiner aktuellen Position behalten, als unwahrscheinlich. Hassett ist ein unverhohlener Cheerleader für Trumps unorthodoxe Politik, einschließlich hoher Zölle und Einwanderungsbeschränkungen.

Globale Auswirkungen bereits spürbar

Die Unsicherheit um die Fed-Führung belastet bereits die Weltwirtschaft. Kanada meldete für November ein sprunghaft gestiegenes Handelsdefizit von 2,2 Milliarden kanadischen Dollar – ein deutlicher Anstieg gegenüber 395 Millionen im Oktober. Exporte in die USA, die über 68 Prozent der kanadischen Gesamtausfuhren ausmachen, brachen ein. Vor einem Jahr lag dieser Anteil noch bei 76 Prozent.

„Sehen wir Ergebnisse über Nacht? Nein“, sagt Stuart Bergman, Chefökonom bei Export Development Canada. „Aber die Dynamik bewegt sich in die richtige Richtung.“ Kanadische Exporteure suchen fieberhaft nach neuen Märkten, nachdem Trumps Zölle auf Stahl, Autos, Aluminium und Holz die kritischen Sektoren hart getroffen haben.

Khoon Goh, Asien-Forschungsleiter bei ANZ, sieht in einer möglichen Warsh-Ernennung einen unabhängigen Kopf: „Jemand, der nicht als unterwürfig gegenüber Trumps Wünschen angesehen wird.“ Doch er warnt: „Kein kluger Marktteilnehmer will große Positionen ins Wochenende tragen“ – zu unberechenbar seien Trumps Überraschungen geworden.

Die Ankündigung am Freitag wird zeigen, ob Trump tatsächlich Warsh nominiert und ob die Märkte die Wahl als Befreiungsschlag oder als nächste Unsicherheit werten. Eines ist sicher: Die Ära billiger Liquidität könnte schneller enden als gedacht.

Eduard Altmann

Eduard Altmann ist Finanzexperte mit über 25 Jahren Erfahrung an den globalen Finanzmärkten. Als Analyst und Autor beim VNR Verlag für die Deutsche Wirtschaft spezialisiert er sich auf Aktienmärkte, Gold, Silber, Rohstoffe und den Euro.

Altmann ist überzeugter Verfechter des Value-Investing und identifiziert unterbewertete Unternehmen mit hohem Wachstumspotenzial. Sein Börsendienst "Megatrend-Depot" vermittelt praxisnahe Strategien erfolgreicher Value-Investoren. Mit seinem Motto "Manage dein Vermögen selbst" inspiriert er Anleger zur eigenverantwortlichen Vermögensverwaltung.

Seine Analysen basieren auf der fortschrittlichen Gann-Strategie, die präzise Vorhersagen für Rohstoffmärkte ermöglicht. Diese technische Analysemethode kombiniert historische Daten mit Zyklusanalysen und macht seine Marktprognosen besonders treffsicher.

Durch zahlreiche Publikationen und verständliche Erklärungen komplexer Finanzthemen unterstützt Altmann sowohl Einsteiger als auch erfahrene Investoren bei fundierten Anlageentscheidungen. Seine Arbeit verbindet theoretische Expertise mit praktischen Empfehlungen für den strategischen Vermögensaufbau.