Die US-Wirtschaft zeigt Risse: Während Präsident Donald Trump mit einem 200-Milliarden-Dollar-Programm den lahmenden Wohnungsmarkt beleben will, schwächelt ausgerechnet der Arbeitsmarkt – trotz vollmundiger Versprechen einer Rückkehr der Industrie. Die jüngsten Daten zeichnen das Bild einer Wirtschaft im Umbruch, in der alte Rezepte nicht mehr greifen.
Notfallplan für den Wohnungsmarkt
Trump verkündete am Donnerstag über sein soziales Netzwerk Truth Social eine drastische Maßnahme: Die staatlich kontrollierten Hypotheken-Riesen Fannie Mae und Freddie Mac sollen für 200 Milliarden Dollar Hypothekenanleihen kaufen. Ziel ist es, die Kreditkosten für Hauskäufer zu senken und den seit Jahren stagnierenden Immobilienmarkt anzukurbeln. „Ich widme dem Wohnungsmarkt besondere Aufmerksamkeit“, erklärte der Präsident.
Die Reaktion an den Börsen ließ nicht auf sich warten. Hypothekengeber wie loanDepot schossen um 24 Prozent nach oben, Rocket Companies gewannen 6,6 Prozent. Selbst Immobilienmakler-Plattformen wie Opendoor Technologies verteuerten sich um fast 19 Prozent. Der Philadelphia Housing Index legte um 4,8 Prozent zu – die Investoren wittern Morgenluft.
Doch kann die Regierung den Wohnungsmarkt tatsächlich retten? Die Lage ist vertrackt: Hypothekenzinsen um 6,2 Prozent und stark gestiegene Hauspreise halten potenzielle Käufer seit Jahren an der Seitenlinie. Brian Jacobsen, Chefstratege bei Annex Wealth Management, warnt: „Jedes bisschen hilft, die Hypothekenzinsen zu senken, aber das könnte sich in Sachen Erschwinglichkeit als kontraproduktiv erweisen. Es könnte einige Leute dazu bewegen, ihre Häuser zu verkaufen, aber es wird auch die Nachfrage nach Wohnraum erhöhen.“
Analysten von Jefferies schätzen, dass die Zinsen auf 5,5 bis 5,7 Prozent fallen müssten, um die Erschwinglichkeit wirklich zu verbessern und Käufer zurückzubringen. Die 200 Milliarden Dollar dürften dafür kaum ausreichen – zumal das eigentliche Problem laut Experten woanders liegt: „Das größte Problem beim Wohnungsbau ist das Angebot, nicht die Nachfrage“, betont Jacobsen. Die Lösung liege auf kommunaler Ebene bei Bauvorschriften und Zonierung, nicht auf Bundesebene.
Arbeitsmarkt sendet Warnsignale
Während Trump Milliarden in den Immobilienmarkt pumpt, offenbart der Dezember-Arbeitsmarktbericht eine beunruhigende Entwicklung: Die US-Wirtschaft schuf lediglich 50.000 neue Jobs – deutlich weniger als die erwarteten 60.000. Die Arbeitslosenquote sank zwar leicht auf 4,4 Prozent, doch das täuscht über die Realität hinweg.
Das eigentliche Drama spielt sich in der Industrie ab. Ausgerechnet der Fertigungssektor, den Trump mit seinen aggressiven Zöllen wiederbeleben wollte, verlor im Dezember weitere 8.000 Stellen. Seit April sind in der Produktion mehr als 70.000 Jobs weggefallen – der niedrigste Stand seit März 2022. Die von Trump beschworene „Rückkehr der Fabriken“ nach Amerika? Bislang Fehlanzeige.
Raphael Bostic, Präsident der Federal Reserve Bank of Atlanta, bringt es auf den Punkt: „Die Inflation ist immer noch zu hoch.“ Der Notenbanker sieht die hartnäckig hohen Preise als größeres Problem als die Schwäche am Arbeitsmarkt. Tatsächlich verharrt der Jobmarkt in einem „No hire, no fire“-Modus: Unternehmen entlassen kaum, stellen aber auch nicht ein. Die Unsicherheit über Trumps Handelspolitik und die Auswirkungen künstlicher Intelligenz lähmen die Personalabteilungen.
Zölle verfehlen ihr Ziel
Die Ironie der Situation ist kaum zu übersehen. Trump hatte versprochen, mit seinen Strafzöllen amerikanische Arbeitsplätze zurückzuholen. Tatsächlich spült die neue Handelspolitik monatlich rund 30 Milliarden Dollar in die Staatskasse – verteilt auf US-Konsumenten, Importeure und ausländische Exporteure. Doch die erhoffte Job-Renaissance in der Industrie bleibt aus.
Im Gegenteil: Die Zahl der Industriejobs ist heute niedriger als während weiter Teile von Trumps erster Amtszeit. Der produzierende Sektor kämpft mit strukturellen Problemen, die sich nicht durch Handelspolitik lösen lassen. Die US-Wirtschaft ist auf Dienstleistungen ausgerichtet, die alternde Bevölkerung braucht Pflege und Betreuung, nicht Fabrikarbeit. Und amerikanische Arbeiter sind teuer, was Unternehmen dazu zwingt, in Automatisierung statt Personalaufbau zu investieren.
Laura Ullrich vom Indeed Hiring Lab warnt: „Stark konzentriertes Jobwachstum hilft nur dabei, Arbeitssuchende weiter an die Seitenlinie zu drängen.“ Wer nicht in den wenigen wachsenden Sektoren – vor allem Gesundheitswesen und soziale Dienste – unterkommen kann, steht vor einer verlängerten Jobsuche. Die Zahl der Langzeitarbeitslosen, die seit mehr als sechs Monaten suchen, steigt bedenklich.
Fed bleibt abwartend
Die schwachen Arbeitsmarktdaten geben der Federal Reserve Spielraum, ihre Zinsen zunächst stabil zu halten. Die Wahrscheinlichkeit, dass die Notenbank Ende Januar die Leitzinsen unverändert lässt, liegt laut CME FedWatch Tool bei 95 Prozent – vor einem Monat waren es noch 68 Prozent.
Bostic formuliert die Priorität der Fed klar: „Man muss die Inflation unter Kontrolle bekommen, und wir müssen laserfokussiert sicherstellen, dass alles, was wir tun, dazu beiträgt.“ Die Herausforderung für die Notenbank: Der Arbeitsmarkt ist nicht mehr zyklisch, sondern strukturell geschwächt. Zinssenkungen allein werden kaum neue Jobs schaffen, wenn Unternehmen aus grundsätzlichen Erwägungen nicht einstellen wollen.
Der Dollar profitierte von den Signalen der Fed und gewann 0,31 Prozent auf 99,18 Punkte. Gegenüber dem Yen kletterte die US-Währung auf ein Jahreshoch von 158,18 – der zweite Wochengewinn in Folge. Die Märkte rechnen fest damit, dass die amerikanischen Zinsen vorerst auf ihrem aktuellen Niveau von 3,50 bis 3,75 Prozent verharren.
Internationale Nebenschauplätze
Während sich Washington auf den heimischen Markt konzentriert, zeigen andere Schauplätze, wie fragil die globale Wirtschaft geworden ist. Argentinien hat überraschend seine Währungsswap-Linie mit den USA vollständig zurückgezahlt – nur zwei Monate nach Unterzeichnung der Vereinbarung. Von den vereinbarten 20 Milliarden Dollar wurden lediglich 2,5 Milliarden genutzt, um IWF-Schulden zu begleichen.
US-Finanzminister Scott Bessent zeigte sich zufrieden: „Wir freuen uns darauf, unsere enthusiastische Unterstützung für Präsident Milei und Argentinien fortzusetzen.“ Die schnelle Rückzahlung unterstreicht die verbesserte Finanzlage des südamerikanischen Landes unter dem libertären Präsidenten Javier Milei, einem Trump-Verbündeten.
Kanada hingegen kämpft mit eigenen Problemen. Der dortige Arbeitsmarkt stagnierte im Dezember mit nur 8.200 neuen Jobs, während die Arbeitslosenquote auf 6,8 Prozent kletterte. Besonders hart trifft es junge Kanadier: Ihre Arbeitslosenrate erreichte 13,3 Prozent. Die Unsicherheit über mögliche US-Zölle lähmt auch nördlich der Grenze die Wirtschaft.
Was kommt als Nächstes?
Die US-Wirtschaft steht an einem Scheideweg. Trumps Immobilien-Stimulus mag kurzfristig für Euphorie an den Börsen sorgen, doch die strukturellen Probleme bleiben ungelöst. Der Arbeitsmarkt schwächelt, die Inflation hartnäckig, und die versprochene industrielle Renaissance lässt auf sich warten.
Investoren warten zudem gespannt auf eine Entscheidung des Supreme Court zu Trumps Zöllen. Das Gericht könnte noch in den kommenden Tagen urteilen, ob die unter nationalen Sicherheitsgesetzen verhängten Strafzölle rechtmäßig sind. Ein negatives Urteil würde Trumps Handelsstrategie fundamental erschüttern.
Die Frage bleibt: Können 200 Milliarden Dollar den Wohnungsmarkt retten, wenn die zugrunde liegenden Probleme – knappes Angebot, hohe Preise, strukturelle Hürden – unberührt bleiben? Und kann eine Wirtschaft florieren, wenn sie sich mehr und mehr auf wenige Sektoren konzentriert, während traditionelle Industriezweige schrumpfen? Die nächsten Monate werden zeigen, ob Trumps Wirtschaftspolitik aufgeht – oder ob die USA vor einer schmerzhaften Neuorientierung stehen.
