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Trump gegen Fed: Dollar-Sturz

Angriffe der US-Regierung auf die Zentralbank-Unabhängigkeit verunsichern die Märkte, lassen den Dollar fallen und treiben Gold auf neue Höchststände.

Die wichtigsten Punkte im Überblick

  • Fed-Chef Powell wehrt sich gegen politischen Druck
  • Dollar verliert an Wert, Gold steigt auf Rekordhoch
  • Trump schlägt Deckelung für Kreditkartenzinsen vor
  • Geopolitische Spannungen mit Iran verschärfen Lage

Die Welt der globalen Finanzmärkte erlebt einen dramatischen Paukenschlag: Die Unabhängigkeit der mächtigsten Notenbank der Welt steht plötzlich offen zur Debatte. Was zunächst wie ein weiteres politisches Geplänkel klang, hat sich zu einer handfesten Krise ausgeweitet – mit spürbaren Folgen für Anleger weltweit.

Justizministerium gegen Powell: Der Showdown

Jerome Powell, Chef der US-Notenbank Federal Reserve, hat sich am Sonntag mit ungewöhnlich scharfen Worten gegen das Trump-Regierung gewandt. Der Grund: Das Justizministerium hatte ihm mit strafrechtlicher Verfolgung wegen eines Renovierungsprojekts am Fed-Hauptquartier gedroht. Powell nannte dies einen „Vorwand“, um politischen Einfluss auf die Zinspolitik zu gewinnen.

Die Reaktion der Märkte ließ nicht auf sich warten. Der Dollar rutschte am Montag gegen nahezu alle wichtigen Währungen ab, während Gold ein neues Rekordhoch von über 4.600 Dollar je Unze erreichte. S&P-500-Futures verloren zeitweise mehr als 0,5 Prozent. „Das ist eine weitere Delle in der Rüstung der wahrgenommenen und bevorzugten Unabhängigkeit zwischen Fed und Weißem Haus“, kommentierte Jordan Rizzuto von GammaRoad Capital Partners.

Die Nervosität ist berechtigt. Denn die Fähigkeit der Zentralbanken, ohne politische Einmischung über Zinsen zu entscheiden, gilt als Grundpfeiler moderner Wirtschaftspolitik. Für Investoren bildet dieses Vertrauen in US-Institutionen einen wesentlichen Teil dessen, was die USA als Ausgeber der weltweiten Reservewährung so attraktiv macht.

Trumps Zinsdruck: Zwischen Rhetorik und Realität

Präsident Trump selbst erklärte gegenüber NBC, er habe keine Kenntnis von den Ermittlungen des Justizministeriums. Gleichzeitig erneuerte er seine Attacken gegen Powell und forderte deutlich niedrigere Zinsen. Die Botschaft ist klar: Der Präsident will eine Fed, die nach seiner Pfeife tanzt.

„Trump zieht an den losen Fäden der Zentralbank-Unabhängigkeit“, analysiert Andrew Lilley von Barrenjoey. „Die Investoren werden darüber nicht glücklich sein, aber es zeigt auch, dass Trump eigentlich keine anderen Hebel hat. Der Leitzins wird bleiben, wo die Mehrheit des FOMC ihn haben will.“

Die Märkte preisen dennoch vorsichtig etwa drei Basispunkte mehr Zinssenkungen für dieses Jahr ein. Eine kleine Bewegung – aber sie signalisiert das Risiko, dass die Fed unter Druck zu aggressiveren Schritten gezwungen werden könnte.

Kreditkartenobergrenze schockt Banken

Als hätten die Finanzinstitute nicht schon genug Sorgen, legte Trump am Freitag nach: Er schlug eine einjährige Obergrenze für Kreditkartenzinsen von 10 Prozent ab dem 20. Januar vor. Die durchschnittliche Rate liegt derzeit bei knapp 20 Prozent – für Banken eine zentrale Einnahmequelle.

Die Reaktion an der Wall Street war eindeutig. Citigroup verlor am Montag rund 3 Prozent, JPMorgan Chase 1,2 Prozent. Besonders hart traf es spezialisierte Kreditkartenfirmen: American Express büßte 4 Prozent ein, während Synchrony Financial, Bread Financial und Capital One zwischen 6 und 10 Prozent einbrachen.

„Wenn Unternehmen das Risiko nicht richtig einpreisen können, werden sie einfach Kreditlinien kürzen oder den Zugang zu Krediten ganz streichen“, warnte Brian Jacobsen von Annex Wealth Management. Die Ironie: Verbraucher könnten am Ende zu teureren Alternativen wie Pfandleihhäusern oder Kurzzeitkreditgebern gedrängt werden.

Wall-Street-Analysten zeigen sich allerdings skeptisch, ob die Obergrenze überhaupt Realität wird. „Eine solche Zinsobergrenze kann nur durch den Kongress umgesetzt werden, nicht per Präsidialerlass“, schrieben TD Cowen-Analysten. Ähnliche Versuche seien in der Vergangenheit im Senat und Repräsentantenhaus gescheitert.

Quartalsergebnisse im Fokus

Ausgerechnet jetzt startet die Berichtssaison der großen US-Banken. JPMorgan Chase macht am Dienstag den Auftakt, gefolgt von Citigroup, Bank of America und Wells Fargo am Mittwoch sowie Goldman Sachs und Morgan Stanley am Donnerstag.

Investoren erwarten eigentlich positive Nachrichten: Ein Anstieg der Investmentbanking-Erlöse dürfte die Ergebnisse des vierten Quartals stützen, da Fusionen und Übernahmen wieder Fahrt aufnehmen. Insgesamt rechnen Analysten für den S&P 500 mit einem Gewinnwachstum von rund 9 Prozent im Vergleich zum Vorjahr.

Doch die neue Unsicherheit überschattet diese Aussichten. „Die bevorstehenden Bankergebnisse sollten eine frühe Momentaufnahme der Konsumentenkredite und der Kreditvergabe bieten“, sagte Rizzuto. „Und einen Hinweis darauf, ob Investoren sich Sorgen über steigende Kreditbelastungen machen müssen.“

Globale Nebenschauplätze verschärfen Lage

Als würde das innenpolitische Drama nicht reichen, eskaliert auch die geopolitische Lage. Trump erwägt nach dem gewaltsamen Vorgehen gegen Demonstranten im Iran verschiedene Reaktionsoptionen – einschließlich militärischer Schritte. Die Proteste stellen eine der größten Herausforderungen für die klerikale Herrschaft seit der Islamischen Revolution 1979 dar.

Der iranische Außenminister Abbas Araqchi betonte am Montag, die Situation sei „unter vollständiger Kontrolle“. Zugleich halte man Kommunikationskanäle mit den USA offen. Parlamentssprecher Mohammad Baqer Qalibaf warnte Washington eindringlich vor einer „Fehlkalkulation“ und drohte, im Falle eines Angriffs würden US-Basen und Schiffe zu „legitimen Zielen“.

Brent-Rohöl reagierte dennoch kaum auf die Spannungen und notierte am Montag knapp über 63 Dollar je Barrel. Saul Kavonic von MST Marquee warnte jedoch: „Der Markt unterschätzt das Risiko. Ein breiterer Konflikt könnte die Straße von Hormus betreffen.“

Was kommt als Nächstes?

Powells Amtszeit als Fed-Chef endet im Mai, und Trump hat bereits einen Nachfolger versprochen, der „an deutlich niedrigere Zinsen glaubt“. Doch Powells kämpferische Haltung wird zum Maßstab für jeden Nachfolger werden – und als Gradmesser dafür dienen, wie stark sich die Fed-Politik tatsächlich verschiebt.

„Die technokratische Fed, wie wir sie in den vergangenen Jahrzehnten verstanden haben, verschwindet zusehends aus dem Blickfeld“, sagte Richard Yetsenga, Chefökonom bei ANZ. Für die US-Finanzmärkte als Ganzes dürfte der gesamte politische Dreiklang der Fed zur Disposition stehen: Zinsen, Bilanz und Bankenregulierung.

Die entscheidende Inflationszahl für Dezember wird am Dienstag veröffentlicht – der letzte wichtige Datenpunkt vor der Fed-Sitzung am 27. und 28. Januar. Die Märkte erwarten, dass die Notenbank die Zinsen stabil hält, preisen aber mindestens zwei weitere Zinssenkungen um jeweils 0,25 Prozentpunkte bis Ende 2026 ein.

Damien Boey von Wilson Asset Management bringt die Lage auf den Punkt: „Gold hat sich gestärkt, Aktien haben gewackelt, und die Zinskurve ist etwas steiler geworden. Diese Bewegungen passen zum Lehrbuch für einen Angriff auf die Fed-Unabhängigkeit.“

Kein Wunder also, dass Anleger nervös werden. Die Frage ist nicht mehr, ob Trumps Druck Folgen hat – sondern nur noch, wie weitreichend diese sein werden.

Andreas Sommer

Mit über 40 Jahren Erfahrung im Bankwesen und Börsenjournalismus gehöre ich zu den etablierten Analysten im deutschsprachigen Raum. Nach mehr als zehn Jahren als Wertpapierberater bei der Deutschen Bank spezialisierte ich mich seit dem Börsencrash 1987 auf technische Analyse und charttechnische Methoden.

Als ehemaliger Chefredakteur mehrerer Börsenpublikationen entwickelte ich den "Aktienführer Neuer Markt" mit und führe heute einen Börsendienst, der sich auf wachstumsstarke Unternehmen fokussiert. Mein wöchentliches Markt-Barometer analysiert systematisch DAX, Dow Jones, Ölpreis, Währungen und Marktstimmung, um präzise Orientierung zu bieten.

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