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Trump droht Fed mit Anklage

Die Trump-Regierung droht Fed-Chef Powell mit strafrechtlicher Verfolgung, was die Unabhängigkeit der US-Notenbank infrage stellt und die Finanzmärkte verunsichert.

Die wichtigsten Punkte im Überblick

  • Beispiellose Drohung gegen Fed-Chef Jerome Powell
  • Finanzmärkte reagieren mit Kursverlusten und Goldflucht
  • Geopolitische Spannungen im Iran verschärfen Risiken
  • Wirtschaftsdaten aus Australien und Großbritannien im Fokus

Die Unabhängigkeit der US-Notenbank steht auf dem Spiel – und die Märkte reagieren nervös. Was wie ein Konflikt um Baukosten begann, entpuppt sich als beispiellose Machtprobe zwischen Präsident Donald Trump und Fed-Chef Jerome Powell. Doch während Washington eskaliert, geraten auch andere globale Brennpunkte in den Fokus der Investoren.

Beispiellose Eskalation im Machtkampf

Die Trump-Regierung hat Fed-Chef Jerome Powell mit strafrechtlicher Verfolgung gedroht – ein Schritt ohne Präzedenzfall in der Geschichte der US-Notenbank. Angeblich geht es um Powells Aussage vor dem Kongress über Kostenüberschreitungen bei einem 2,5 Milliarden Dollar teuren Renovierungsprojekt der Fed-Zentrale. Powell selbst weist dies als Vorwand zurück: „Dies ist kein Streit über meine Aussage oder Gebäuderenovierungen. Es ist eine Folge davon, dass die Federal Reserve Zinssätze auf Basis unserer besten Einschätzung festlegt – und nicht nach den Präferenzen des Präsidenten.“

Das Justizministerium stellte am Freitag Vorladungen für eine Grand Jury zu, die eine Anklage androhen. Trump selbst behauptet, nichts von den Ermittlungen gewusst zu haben: „Ich weiß nichts davon, aber er ist sicherlich nicht gut bei der Fed und auch nicht gut im Bauen von Gebäuden.“ Die Deutlichkeit von Powells Gegenschlag überrascht Beobachter. Der Fed-Historiker Peter Conti-Brown nennt es „einen Tiefpunkt in Trumps Präsidentschaft und der Geschichte des Zentralbankwesens in Amerika.“

Märkte zwischen Unsicherheit und Hoffnung

Die unmittelbare Marktreaktion fiel verhalten, aber eindeutig aus: US-Aktienfutures verloren 0,5 Prozent, der Dollar gab gegenüber allen wichtigen Währungen um etwa 0,2 Prozent nach. Gold schoss auf ein Rekordhoch von über 4.600 Dollar je Unze – Anleger suchen Sicherheit. Der Dollar-Index brach seine fünftägige Gewinnsträhne und fiel auf 98,899 Punkte. Gegenüber dem Yen rutschte der Greenback unter die kritische Marke von 158, was Interventionsängste dämpfte.

„Diese offene Kriegsführung zwischen der Fed und der US-Regierung ist kein gutes Zeichen für den Dollar“, kommentiert Ray Attrill, Devisenstratege bei der National Australia Bank. Dennoch bleibt die Implikation für die Zinspolitik unklar. Während einige Analysten spekulieren, die Fed könnte unter Druck aggressiver senken, preisen Zinsfutures weiterhin nur zwei Zinssenkungen für 2026 ein.

Politische Konsequenzen nehmen Fahrt auf

Der republikanische Senator Thom Tillis, Mitglied des Bankenausschusses, der Fed-Nominierungen prüft, kündigte an, jeden Trump-Kandidaten für die Notenbank abzulehnen, „bis diese rechtliche Angelegenheit vollständig geklärt ist.“ Die Unabhängigkeit und Glaubwürdigkeit des Justizministeriums stehe auf dem Spiel. Powells Amtszeit als Fed-Chef endet im Mai, doch er ist nicht verpflichtet, seinen Sitz im Fed-Board aufzugeben – dieser läuft bis Januar 2028. Ein Verbleib würde Trump eine zusätzliche Ernennungsmöglichkeit bis fast zum Ende seiner Amtszeit verwehren.

Karl Schamotta, Chefmarktstratege bei Corpay in Toronto, warnt vor „unbeabsichtigten Konsequenzen, die direkt Trumps erklärten Zielen widersprechen.“ Tatsächlich könnte die Eskalation Powells Position paradoxerweise stärken: Mehrere Analysten sehen erhöhte Chancen, dass er aus Trotz im Amt bleibt.

Iran-Krise verschärft geopolitische Risiken

Während Washington seine eigene Zentralbank attackiert, wachsen die geopolitischen Spannungen. Mehr als 500 Menschen sind nach Angaben der Menschenrechtsgruppe HRANA bei den seit dem 28. Dezember andauernden Protesten im Iran ums Leben gekommen – darunter 490 Demonstranten und 48 Sicherheitskräfte. Über 10.600 Personen wurden verhaftet.

Trump erwägt laut Wall Street Journal militärische Optionen, Cyberwaffen und verschärfte Sanktionen. „Das Militär schaut sich das an, und wir prüfen einige sehr starke Optionen“, sagte Trump an Bord der Air Force One. Der iranische Parlamentssprecher Mohammad Baqer Qalibaf konterte: „Im Falle eines Angriffs auf den Iran werden die besetzten Gebiete (Israel) sowie alle US-Stützpunkte und Schiffe unsere legitimen Ziele sein.“

Israel versetzt sich bereits in erhöhte Alarmbereitschaft. Die Erinnerung an den zwölftägigen Krieg im Juni 2025 ist frisch – damals griff die USA iranische Atomanlagen an, worauf Teheran Israel und eine US-Basis in Katar mit Raketen beschoss. Brent-Rohöl hielt sich trotz jüngster Gewinne bei 62,90 Dollar je Barrel, was die Nervosität der Energiemärkte widerspiegelt.

Australiens überraschende Wirtschaftsstärke

Fernab der Krisenherde überrascht Australien mit robustem Konsumwachstum. Die Haushaltsausgaben stiegen im November um 1,0 Prozent auf 79,4 Milliarden australische Dollar – nach einem revidierten Plus von 1,4 Prozent im Oktober. Das Jahreswachstum beschleunigte sich auf 6,3 Prozent, den höchsten Stand seit September 2023.

„Die unbestreitbare Stärke des privaten Konsums wird bei der RBA sämtliche Alarmglocken auslösen“, warnt Abhijit Surya, Senior-Ökonom bei Capital Economics. Die Reserve Bank of Australia senkte die Zinsen 2025 dreimal auf 3,6 Prozent, doch Märkte preisen mittlerweile eine 76-prozentige Wahrscheinlichkeit für eine Zinserhöhung im Mai ein. Die Inflation liegt mit 3,4 Prozent weiterhin über dem Zielband von 2 bis 3 Prozent.

Großbritanniens Arbeitsmarkt schwächelt

Kontrast dazu in Großbritannien: Der Stellenmarkt kühlte im Dezember den 39. Monat in Folge ab. Die Umfrage der Recruitment and Employment Confederation zeigt jedoch eine Beschleunigung bei den Einstiegsgehältern – ein Warnsignal für die Bank of England, die über weitere Zinssenkungen nachdenkt. Arbeitgeber beklagen, die von Finanzministerin Rachel Reeves verhängte Lohnsteuererhöhung dämpfe die Einstellungsbereitschaft.

„Nach einer langen Phase steigender Kostenbelastungen und erhöhter globaler Unsicherheit setzen viele Firmen weiterhin beim Recruiting aus“, erklärt Jon Holt, Chef von KPMG UK. Investoren erwarten ein bis zwei weitere Zinssenkungen um jeweils 0,25 Prozentpunkte in 2026.

Kommende Bewährungsproben

Die Märkte stehen vor einer entscheidenden Woche: Am Dienstag werden US-Inflationsdaten für Dezember veröffentlicht – eine der letzten wichtigen Kennzahlen vor der nächsten Fed-Sitzung Ende Januar. Chinas Handelszahlen und der Beginn der US-Berichtssaison mit JPMorgan Chase und BNY liefern weitere Impulse. Nicht zuletzt könnte der Supreme Court bis Mittwoch über die Rechtmäßigkeit von Trumps Notzöllen entscheiden.

Standard Chartered-Analysten sehen wenig Spielraum für weitere Zinssenkungen: „Die US-Inflation liegt weiterhin über dem Fed-Ziel von 2,0 Prozent. Der Arbeitsmarkt verschlechtert sich nicht weiter – das sollte tendenziell Aufwärtsdruck auf US-Staatsanleiherenditen und den Dollar ausüben.“ Doch kann die Fed überhaupt noch unabhängig agieren, wenn die Regierung ihren Chef mit Strafverfolgung bedroht? Diese Frage dürfte Investoren noch Monate beschäftigen.

Eduard Altmann

Eduard Altmann ist Finanzexperte mit über 25 Jahren Erfahrung an den globalen Finanzmärkten. Als Analyst und Autor beim VNR Verlag für die Deutsche Wirtschaft spezialisiert er sich auf Aktienmärkte, Gold, Silber, Rohstoffe und den Euro.

Altmann ist überzeugter Verfechter des Value-Investing und identifiziert unterbewertete Unternehmen mit hohem Wachstumspotenzial. Sein Börsendienst "Megatrend-Depot" vermittelt praxisnahe Strategien erfolgreicher Value-Investoren. Mit seinem Motto "Manage dein Vermögen selbst" inspiriert er Anleger zur eigenverantwortlichen Vermögensverwaltung.

Seine Analysen basieren auf der fortschrittlichen Gann-Strategie, die präzise Vorhersagen für Rohstoffmärkte ermöglicht. Diese technische Analysemethode kombiniert historische Daten mit Zyklusanalysen und macht seine Marktprognosen besonders treffsicher.

Durch zahlreiche Publikationen und verständliche Erklärungen komplexer Finanzthemen unterstützt Altmann sowohl Einsteiger als auch erfahrene Investoren bei fundierten Anlageentscheidungen. Seine Arbeit verbindet theoretische Expertise mit praktischen Empfehlungen für den strategischen Vermögensaufbau.