Der Nahost-Konflikt spült Geld in die Kassen der großen Ölkonzerne. Während Anleger nervös auf die Eskalation reagieren, profitiert TotalEnergies von explodierenden Energiepreisen. Der Ölpreis der Sorte Brent schoss am Montag um 8,7 Prozent auf 79,22 Dollar je Barrel – zeitweise wurden sogar über 80 Dollar erreicht. Die Aktie des französischen Energieriesen legte in diesem Umfeld um 3,7 Prozent zu, während der breite Markt unter Druck stand.
Straße von Hormus als Brandbeschleuniger
Die Sperrung der Straße von Hormus durch den Iran wirkt wie ein Katalysator für die Ölpreise. Rund ein Fünftel des weltweit gehandelten Öls passiert täglich diese Meerenge – jede Störung treibt die Notierungen nach oben. Der Markt preist mögliche Angebotsausfälle sofort ein, noch bevor tatsächlich Lieferungen ausbleiben. TotalEnergies profitiert dabei doppelt: Das Unternehmen verfügt über langfristige Lieferverträge und kann gleichzeitig von den gestiegenen Spotmarktpreisen profitieren.
Für Anleger besonders interessant ist die üppige Dividendenpolitik des Konzerns. Allerdings sollten deutsche Investoren bedenken, dass neben der französischen Quellensteuer auch die heimische Abgeltungssteuer die Netto-Rendite schmälert. Strategisch punktet TotalEnergies mit zwei Standbeinen: Während die hohen Cashflows aktuell vor allem aus dem klassischen Öl- und Gasgeschäft stammen, investiert der Konzern parallel massiv in erneuerbare Energien wie Solar- und Windprojekte.
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Wie lange hält die Rally?
Die Rallye bei Ölaktien dürfte nach Einschätzung von Analysten begrenzt sein. Hohe Preise rufen neues Angebot auf den Plan, insbesondere aus dem flexiblen US-Schieferölsektor. Auch die OPEC kann Förderentscheidungen jederzeit anpassen, wenn die Preise politisch zu heiß laufen. Goldman Sachs warnt zudem vor einem möglichen Preisanstieg bei europäischem Erdgas auf bis zu 62 Euro je Megawattstunde, sollte die Straße von Hormus für einen Monat komplett gesperrt bleiben.
Die aktuelle Notierung liegt nahe am Mehrjahreshoch – die Bewertung ist deutlich weniger günstig als noch vor wenigen Monaten. Ölaktien sind klassisch zyklisch: Sie steigen schnell, korrigieren aber ebenso zügig, sobald sich die geopolitische Lage entspannt. Wer die Rallye mitgenommen hat, sollte Teilgewinne sichern. Denn auch wenn die Fundamentaldaten kurzfristig stimmen – der Ölmarkt belohnt kühlen Kopf und bestraft Gier zuverlässig.
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