TotalEnergies versucht die angespannte Lage in der Belegschaft mit einer finanziellen Sonderzahlung zu beruhigen, stößt bei den Arbeitnehmervertretern jedoch auf scharfe Ablehnung. Der französische Energiekonzern kündigte gestern eine außerordentliche Prämie von 1.000 Euro für die Beschäftigten an, bevor in zwei Monaten die obligatorischen Verhandlungen über die Entgelte beginnen.
Die Gewerkschaft CGT wies das Angebot umgehend als gezieltes Manöver zurück und hält an ihrem Streikaufruf für den 8. Oktober an allen Konzernstandorten fest.
Gewerkschaft kritisiert Konzernangebot
Die Gewerkschaftsführung bezeichnete die angekündigte Sonderzahlung als grobe Manipulation, mit der der bevorstehende Arbeitskampf vorab geschwächt werden solle. Angesichts der allgemeinen Teuerung fordern die Arbeitnehmervertreter dauerhafte Anpassungen der Grundgehälter statt einmaliger Zahlungen.
Der für den 8. Oktober anberaumte Streiktag fällt zudem in eine Phase spürbarer sozialer Unruhe in Frankreich, in der auch die Belastung der Verbraucher durch hohe Energiepreise den öffentlichen Diskurs beherrscht.
Preisgrenzen im Heimatmarkt
Um die Verbraucherpreise zu dämpfen, wendet der Konzern an seinen Tankstellen bereits seit dem 22. Juli einen Preisdeckel an. Für die Benzinsorten SP95-E10 und SP98 liegt die Obergrenze bei 1,99 Euro je Liter, während für Diesel maximal 2,25 Euro je Liter fällig werden.
Diese Maßnahme federt Preisspitzen ab, verdeutlicht zugleich aber den Spagat des Managements zwischen politischer Erwartungshaltung, Kundenbindung und betriebswirtschaftlichen Erträgen in der heimischen Raffinerie- und Vertriebssparte.
Milliardenprojekte in Südamerika
Während im Heimatmarkt Auseinandersetzungen über Löhne und Margen drohen, treibt Vorstandschef Patrick Pouyanné die internationale Förderstrategie mit hohem Mitteleinsatz voran.
Vor wenigen Tagen stellte der Konzern weitreichende Ausbaupläne in Argentinien vor, die über die kommenden Jahre ein Gesamtvolumen von rund zehn Milliarden US-Dollar erreichen sollen. Neben dem Offshore-Projekt Alberdi in Feuerland stehen vor allem Vorhaben im Schieferbecken Vaca Muerta im Fokus, um die Gas- und Ölproduktion mittelfristig deutlich auszubauen.
Aktie behauptet Jahresgewinne
Am Aktienmarkt zeigten sich die Anleger von den Streikdrohungen der französischen Gewerkschaften zunächst unbeeindruckt. Das Papier von TotalEnergies beendete den Freitagshandel bei 75,19 Euro mit einem leichten Aufschlag von 0,3 Prozent.
Mit einem Plus von 33 Prozent seit Jahresbeginn behauptet der Energietitel einen soliden Aufwärtstrend, auch wenn ein längerer Stillstand französischer Anlagen die operative Auslastung im vierten Quartal belasten könnte.
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