Nach Angaben aus dem Unternehmen rechnet der Konzern noch in diesem Jahr mit dem Zuschlag für sechs U-Boote aus Indien. Der Auftrag soll ein Volumen von rund 8 Milliarden Euro erreichen. Vorstandschef Burkhard erklärte, TKMS verfüge über ausreichende Fertigungskapazitäten für das Projekt. Zusätzlich prüft das Unternehmen eine Kooperation mit dem spanischen Werftkonzern Navantia, um das Geschäft gemeinsam zu stemmen.
Der mögliche Indien-Deal reiht sich in eine ganze Serie internationaler Rüstungsprojekte ein, die derzeit bei TKMS zusammenlaufen. Besonders schwer wiegt die Entwicklung in Kanada: Dort hat sich TKMS im Rennen um ein U-Boot-Programm gegen den südkoreanischen Wettbewerber Hanwha Ocean durchgesetzt und ist inzwischen bevorzugter Anbieter für bis zu zwölf U-Boote des Typs 212CD. Das sogenannte Canadian Patrol Submarine Project soll die vier Boote der Victoria-Klasse ersetzen, von denen aktuell nur eines seetauglich ist. Die Lebenszykluskosten des Programms werden auf bis zu 100 Milliarden kanadische Dollar veranschlagt, umgerechnet rund 70 Milliarden US-Dollar. Die ersten vier Boote sollen bis 2034 ausgeliefert werden, das erste bereits 2033. Die eigentlichen Vertragsverhandlungen sollen bis Ende 2027 abgeschlossen sein, das reine Auftragsvolumen für TKMS wird auf rund 12 Milliarden Euro geschätzt.
Fregatten-Programm für die deutsche Marine bereits genehmigt
Neben den U-Boot-Projekten trägt auch das Überwassergeschäft von TKMS zum vollen Auftragsbuch bei. Für vier Fregatten des Typs MEKO A-200 DEU hat der Bundestag Anfang Juli die Lieferung eines Zulieferpakets von Saab im Volumen von 8,7 Milliarden schwedischen Kronen genehmigt. Damit ist ein weiterer Baustein für das deutsche Marineprogramm gesichert, während gleichzeitig die internationalen U-Boot-Aufträge aus Indien und Kanada in der Pipeline stehen.
Die Fülle an Großprojekten unterstreicht, wie stark die europäische und internationale Nachfrage nach Marinerüstung derzeit ausfällt. Für TKMS bedeutet das parallel laufende Verhandlungen auf mehreren Kontinenten – von Kanada über Indien bis zu bereits bestehenden Programmen wie den brasilianischen Tamandaré-Korvetten oder polnischen Küstenschutzschiffen.
Aktie konsolidiert nach starker Rally
An der Börse hat die Nachrichtenlage die TKMS-Aktie zuletzt nicht mehr merklich angetrieben. Der Titel schloss am Freitag bei 81,00 Euro und legte damit um 0,75 Prozent zu. Seit Jahresbeginn steht ein Plus von 22,36 Prozent zu Buche – ein Beleg dafür, wie stark der Rüstungswert 2026 bislang gelaufen ist. Zum Rekordhoch von 106,58 Euro aus dem Oktober 2025 fehlen der Aktie jedoch weiterhin 24,00 Prozent, nachdem sie sich zwischenzeitlich deutlich von diesem Niveau entfernt hatte.
Analysten bleiben trotz der Kursdelle mehrheitlich zuversichtlich. Die Deutsche Bank sieht ein Kursziel von bis zu 110 Euro, während Bernstein eine neutrale Haltung einnimmt. Eine Analyse von n-tv bezifferte Mitte Juli die Renditechance der Aktie auf 34 Prozent, ohne dass darüber weitere Details zu Zeitraum oder Methodik vorlagen. Die hohe annualisierte Volatilität von rund 83 Prozent auf 30-Tage-Basis zeigt zugleich, wie schwankungsanfällig der Titel in den vergangenen Wochen war.
Für Anleger dürfte der 13. August ein wichtiges Datum werden: An diesem Tag legt TKMS seinen nächsten Quartalsbericht vor. Dann wird sich zeigen, wie sich das prall gefüllte Auftragsbuch – von Indien über Kanada bis zu den deutschen Fregattenprogrammen – bereits in den Geschäftszahlen niederschlägt und ob die milliardenschweren Projekte auch operativ Fahrt aufnehmen.
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