Während ein anderes deutsches Fregatten-Vorhaben im Sommer 2026 an Kostensteigerungen zerbrach, treibt TKMS sein eigenes Bauprogramm für die deutsche Marine planmäßig voran. Der schwedische Rüstungskonzern Saab hat einen Vertrag mit TKMS unterzeichnet, um vier Fregatten vom Typ MEKO A-200 DEU mit Gefechtssystemen und Sensorik auszustatten. Der Auftragswert liegt bei 8,7 Milliarden schwedischen Kronen, umgerechnet rund 800 Millionen Euro.
Sea Giraffe und 9LV-System für vier Fregatten
Saab liefert für die vier Schiffe das Gefechtsführungssystem 9LV, die Radare Sea Giraffe 4A und 1X sowie passive Sensoren und Composite-Überbauten. Die Auslieferungen sind für den Zeitraum 2029 bis 2032 geplant. Der Vertrag enthält zudem eine Option auf weitere Fregatten, sollte die Bundeswehr ihren Bedarf ausweiten. Der deutsche Bundestag hat die Beschaffung der vier Schiffe mit dieser Option bereits gebilligt.
Saab-Chef Micael Johansson erklärte, der Auftrag stärke die Fähigkeiten der Fregatten in der Luftabwehr, der U-Boot-Bekämpfung und der Überwasserkriegsführung. Für Saab bedeutet der Zuschlag eine Fortsetzung der Zusammenarbeit mit der deutschen Marine, für TKMS die Bestätigung, dass sein MEKO-A-200-Programm trotz eines schwierigen Rüstungsumfelds Substanz hat.
Kontrast zum gescheiterten Fregatten-Projekt
Der Auftrag fällt in eine Phase, in der die deutsche Marinebeschaffung nicht überall reibungslos läuft. Verteidigungsminister Boris Pistorius stoppte im Juni 2026 den Bau von sechs Fregatten des Typs F126 durch die Werft Damen, nachdem sich Kosten und Zeitplan des mit rund 10 Milliarden Euro veranschlagten Vorhabens deutlich verschlechtert hatten. Der niederländische Radarlieferant Thales war an diesem separaten Programm beteiligt, das mit dem TKMS-Auftrag nichts zu tun hat. Der Fehlschlag zeigt jedoch, wie störanfällig Großprojekte der Marine derzeit sein können – ein Umstand, der die termingerechte Fortführung des MEKO-A-200-Programms für TKMS umso wichtiger macht.
Parallel dazu reformiert die Bundeswehr ihre Beschaffungsregeln und will den Markt stärker für neue Anbieter öffnen. Das Verteidigungsbudget soll bis 2030 auf jährlich 183 Milliarden Euro steigen, mit zusätzlichem Fokus auf Drohnen, Software und Weltraumtechnik. Aktien etablierter Rüstungskonzerne wie Rheinmetall, Renk und Hensoldt gerieten in diesem Zuge zuletzt unter Druck, während Verteidigungs-Startups frisches Kapital einsammelten.
Kursreaktion bleibt verhalten
An der Börse zeigte die TKMS-Aktie am Donnerstag nur eine leichte Bewegung. Der Kurs notierte bei 81,10 Euro und gab im Tagesverlauf um 0,37 Prozent nach. Seit Jahresbeginn steht dennoch ein Plus von 17,11 Prozent zu Buche, was die grundsätzlich positive Einschätzung des Titels im laufenden Jahr unterstreicht. Zum 52-Wochen-Hoch vom 20. Oktober 2025 bei 106,58 Euro fehlen der Aktie aktuell knapp ein Viertel, konkret 23,91 Prozent – ein Abstand, der zeigt, dass Anleger die jüngsten Auftragsmeldungen bislang nicht zu einer neuen Kursrally nutzen, sondern die Aktie in einer breiteren Konsolidierung sehen.
Der Saab-Vertrag liefert dennoch ein handfestes Signal für die operative Substanz des MEKO-A-200-Programms: Mit fest terminierten Lieferungen bis 2032 und einer Option auf weitere Schiffe bleibt die Auftragspipeline für TKMS auf Jahre gefüllt, während andere Marineprojekte in Deutschland zeigen, wie schnell sich Zeitpläne und Budgets verschieben können.
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