Vor gut drei Wochen zog TKMS sein Interesse am Kauf der Kieler Werft German Naval Yards Kiel (GNYK) zurück. Medienberichten zufolge kam zwischen den Parteien kein Einvernehmen zustande, woraufhin der Marineschiffbauer die Gespräche beendete. Für Wettbewerber Rheinmetall öffnete sich damit ein neues Kapitel: Der Konzern prüft seitdem eigene Schritte rund um die Werfttransaktion in Kiel.
Auftragspipeline bleibt trotz Rückzug gefüllt
Der geplatzte Deal wirkt wie ein Dämpfer für die heimischen Expansionspläne von TKMS. International läuft das Geschäft dagegen weiter. Medienberichten zufolge erteilte TKMS dem schwedischen Rüstungskonzern Saab einen Auftrag über 8,7 Milliarden schwedische Kronen zur Ausrüstung neuer Fregatten.
Parallel dazu erwartete TKMS laut Reuters einen indischen U-Boot-Auftrag noch bis zum Jahresende. Beide Vorgänge zeigen, dass der Rückzug aus Kiel eher eine strategische Einzelentscheidung war als ein Signal für nachlassende Nachfrage nach Marineschiffbau-Kapazitäten des Unternehmens.
Analysten driften bei der Bewertung auseinander
Bei den Analystenhäusern zeigt sich zuletzt ein deutlich gespaltenes Bild. Deutsche Bank Research beließ TKMS am 24. Juli auf „Buy“ und nannte ein Kursziel von 110 Euro. Nur zwei Tage zuvor, am 22. Juli, hatte Bernstein Research die Einstufung „Market-Perform“ bestätigt – mit einem Kursziel von lediglich 76 Euro.
Die Spanne zwischen den beiden Häusern fällt damit ungewöhnlich breit aus und spiegelt die Unsicherheit wider, wie stark sich die operative Dynamik des Unternehmens tatsächlich in nachhaltiger Profitabilität niederschlägt.
Kurs gibt nach Rekordhoch nach
Diese Uneinigkeit passt zum aktuellen Kursbild. Am Montag schloss die Aktie bei 86,20 Euro, ein Rückgang von 2,05 Prozent gegenüber dem Vortag. Der Rücksetzer reiht sich in eine Konsolidierung nach dem Rekordhoch von Ende Oktober ein, bleibt aber im größeren Zeitrahmen moderat: Seit Jahresbeginn steht für das Papier weiterhin ein Plus von 30,21 Prozent zu Buche.
Anleger wägen damit zwei Signale gegeneinander ab – auf der einen Seite der strategische Rückzug aus dem Kieler Werftgeschäft und die vorsichtigere Bernstein-Einschätzung, auf der anderen Seite die anhaltend hohe internationale Auftragsnachfrage, die Deutsche Bank Research zu ihrem deutlich optimistischeren Kursziel bewegt.
Für die kommenden Wochen dürfte entscheidend sein, ob sich der in Aussicht gestellte indische U-Boot-Auftrag konkretisiert. Ein solcher Zuschlag würde die Wachstumsstory untermauern, auf die sich die optimistischeren Analystenstimmen stützen, und könnte die Bewertungslücke zwischen den Häusern verringern.
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