Rekordaufträge, wachsender Umsatz — und trotzdem fällt die Aktie. Bei TKMS klaffen operative Stärke und Investorenstimmung gerade deutlich auseinander. Ab dem 22. Juni will das Management auf einer Roadshow durch London, Baden-Baden und Mailand gegensteuern.
Starke Bücher, schwacher Cashflow
Die Halbjahreszahlen des Marineschiffbauers zeigen ein gemischtes Bild. Der Umsatz stieg im ersten Halbjahr 2025/26 um zehn Prozent auf 1,17 Milliarden Euro. Das bereinigte operative Ergebnis legte um 14 Prozent auf 60 Millionen Euro zu — die EBIT-Marge verbesserte sich auf 5,1 Prozent.
Der Auftragsbestand erreichte zum 31. März einen Rekord von 20,6 Milliarden Euro. Das entspricht einer Planungssicherheit von mehr als neun Jahren.
Problematisch ist der freie Cashflow: Er fiel auf minus 72 Millionen Euro. Das Management erklärt das mit geplanten Projektabflüssen und fehlenden Kundenanzahlungen — im Vorjahr hatten genau diese Faktoren noch einen hohen positiven Cashflow erzeugt. Die Roadshow wird zeigen müssen, ob Investoren diese Erklärung akzeptieren.
Großprojekte als Wachstumshebel
TKMS ging im Oktober 2025 aus der Abspaltung von thyssenkrupp hervor. Das Unternehmen ist weltweit führend bei nicht-nuklearen U-Booten und liefert über seine Tochter Atlas Electronics Systeme für die Seekriegsführung.
Aktuell baut TKMS zwei weitere U-Boote der Klasse 212CD für Norwegen. In Kanada und Indien laufen Verhandlungen über Großprojekte, die bis zu 18 weitere U-Boote umfassen könnten. Gelingt einer dieser Abschlüsse, würde das den ohnehin schon rekordhohen Auftragsbestand weiter ausdehnen.
Margenziele und Kursperspektive
Für 2025/26 bestätigt der Vorstand eine bereinigte EBIT-Marge von über sechs Prozent bei einem Umsatzwachstum von zwei bis fünf Prozent. Mittelfristig will das Management die Marge auf über sieben Prozent treiben — durch lukrativere Vertragskonditionen und bessere Ressourcenauslastung.
Die Aktie notiert bei 71,10 Euro und hat in den vergangenen sieben Tagen rund 7,4 Prozent verloren. Vom Jahreshoch bei 102,90 Euro ist der Kurs fast 31 Prozent entfernt. Der RSI liegt bei 37,6 — technisch nähert sich das Papier überverkauftem Terrain.
Die Roadshow ab dem 22. Juni ist damit mehr als ein Pflichttermin. Das Management muss erklären, wie der Rekordauftragsbestand künftig in stabilen Cashflow mündet — und wann.
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