TKMS und der italienische Werftkonzern Fincantieri bauen ihre U-Boot-Allianz aus. Ein neuer Rahmenvertrag soll die Zusammenarbeit auf eine breitere vertragliche Basis stellen und künftige Aufträge erleichtern. Für Anleger ist das Signal wichtig: Der Kieler Rüstungskonzern sichert sich damit langfristig Zugang zu einem der größten europäischen U-Boot-Programme und stärkt seine Position im internationalen Marinegeschäft.
Parallel treibt TKMS ein zweites Großprojekt voran: die neue Fregattenklasse F127 für die Deutsche Marine. Das Design ist laut Unternehmensangaben so weit fortgeschritten, dass die erste Übergabe Mitte der 2030er Jahre erfolgen könnte, sofern der Vertrag zeitnah unterzeichnet wird.
TKMS-Chef Oliver Burkhard bestätigte den Fortschritt des Projekts. Die Fregatte soll zur Abwehr ballistischer Raketen oberhalb der Atmosphäre ausgelegt werden, rund 90 Prozent der Wertschöpfung sollen in Deutschland anfallen. Ein Vertrag ist bislang jedoch nicht vergeben.
Rüstungspolitisches Umfeld begünstigt Werften
Der Rückenwind für TKMS speist sich auch aus einem veränderten sicherheitspolitischen Klima. Die Deutsche Marine testete am 2. September im Nordatlantik erfolgreich die israelische ballistische Rakete LORA, hergestellt von IAI.
Marineinspekteur Vizeadmiral Jan Christian Kaack sprach von einem historischen Moment für die Streitkräfte. Das System soll künftig als Ergänzung zum Marschflugkörper Taurus dienen, dessen Nachfolger Taurus NEO ab 2029 produziert werden soll.
Diese Entwicklungen fallen in eine Phase, in der Deutschland seine Rüstungsexporte deutlich ausweitet. Im ersten Halbjahr 2026 exportierte die Bundesrepublik Rüstungsgüter im Wert von fast 800 Millionen Euro nach Israel – ein Rekordwert, verglichen mit 260 Millionen Euro im gesamten Jahr 2025. Die größte Einzellieferung war das U-Boot INS Drakon, gebaut in Kiel und im Wert von 550 Millionen Euro.
Der Anstieg geht auf eine teilweise Aufhebung von Exportbeschränkungen durch Bundeskanzler Merz im November 2025 zurück. Für TKMS als Bauwerft solcher U-Boote unterstreicht das die strategische Bedeutung des Marinegeschäfts über nationale Aufträge hinaus.
Kurs bleibt trotz Nachrichtenlage unter Druck
Trotz der positiven Auftrags- und Kooperationsmeldungen zeigt sich die Aktie am Markt zurückhaltend. Das Papier notiert bei 83,50 Euro und gibt am heutigen Freitag leicht um 0,2 Prozent nach.
Über die vergangenen 30 Tage hat der Kurs 5,4 Prozent verloren und liegt damit rund 23 Prozent unter dem 52-Wochen-Hoch von 108,80 Euro, das im August markiert wurde. Seit Jahresbeginn steht dennoch ein Plus von 26 Prozent zu Buche.
Die Diskrepanz zwischen operativen Fortschritten – neuer Rahmenvertrag mit Fincantieri, Fortschritte bei der F127, wachsendes Exportgeschäft – und der schwächelnden Kursentwicklung deutet darauf hin, dass Anleger nach der starken Rally des ersten Halbjahres Gewinne mitnehmen und die hohe Bewertung kritischer hinterfragen.
Für die kommenden Wochen dürfte entscheidend sein, ob der Rahmenvertrag mit Fincantieri und ein möglicher F127-Vertragsabschluss neue Impulse liefern, die den charttechnisch angeschlagenen Titel wieder stabilisieren können.
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