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TKMS Aktie: Persischer Golf sorgt für Extra-Nachfrage

TKMS profitiert von Rüstungsboom am Golf und hebt Prognose erneut an. Der Aktienkurs übersprang erstmals seit Monaten die 100-Euro-Marke.

Die wichtigsten Punkte im Überblick

  • Kursrally nach Prognoseanhebung
  • Umsatz wächst um 19 Prozent
  • Kanada-Deal als Wachstumstreiber
  • Rüstungsbranche profitiert mit

Ein Krieg im Nahen Osten, ein Sprung über die 100-Euro-Marke: Der Marineschiffbauer TKMS profitiert derzeit von einer Nachfragewelle, die sich niemand so recht ausgemalt hatte. Der Iran-Krieg treibt Anrainerstaaten des Persischen Golfs zu neuen Aufträgen, etwa bei der Minenräumung — und das spült zusätzliches Geschäft in die Kieler Bücher.

Am Mittwoch schoss die Aktie zeitweise um mehr als 15 Prozent nach oben und knackte erstmals seit Februar die Marke von 100 Euro, bevor sie sich knapp darunter einpendelte. Auslöser war die zweite Prognoseanhebung binnen eines Geschäftsjahres: Statt 2 bis 5 Prozent Umsatzwachstum peilt TKMS nun 10 bis 12 Prozent an. Die operative Marge soll auf bis zu 6,5 Prozent steigen, nach zuvor über 6 Prozent in Aussicht gestellten Werten.

Starkes Quartal, dünnerer Auftragseingang

In den ersten neun Monaten des Geschäftsjahres 2025/26 legte der Umsatz um 19 Prozent auf knapp 1,9 Milliarden Euro zu. Das bereinigte Ebit kletterte von 98 auf 110 Millionen Euro — im Segment Submarines, dem größten Teil des Orderbuchs, wuchs es laut Konzernchef Oliver Burkhardt sogar um 300 Prozent.

Der Auftragseingang fiel dagegen von 8,6 auf 3,6 Milliarden Euro, allerdings hatte TKMS im Vorjahr von zwei Großaufträgen profitiert. Der Auftragsbestand liegt weiterhin bei rund 20 Milliarden Euro — genug, um die Werften nach Einschätzung von Marktbeobachtern für rund acht Jahre auszulasten.

Kanada und Indien als nächste Etappen

Burkhardt sprach von einer außergewöhnlich starken Nachfrage: „Alle haben Geld, aber keine Zeit mehr.“ Nach Quartalsende unterschrieb TKMS den größten Überwasser-Auftrag der Firmengeschichte — vier Fregatten für die deutsche Marine, mit Option auf vier weitere. Dieser Vertrag wird erst im vierten Quartal als Auftragseingang verbucht.

Zusätzliche Fantasie liefert das kanadische U-Boot-Programm: TKMS gilt als bevorzugter Bieter für bis zu zwölf Boote mit einem Volumen von über 15 Milliarden Euro allein für die Schiffe. Burkhardt hofft, den Vertrag bis Jahresende abzuschließen. Weitere Großaufträge werden aus Indien, Brasilien und Deutschland erwartet.

Bernstein-Analyst Adrien Rabier bezeichnete die Zahlen als „sehr stark“ und hält es für möglich, dass TKMS die mittelfristigen Ziele im nächsten Quartal erneut anhebt. Auffällig sei zudem, dass der frühere Hinweis auf eine Wachstumsbeschleunigung in der zweiten Jahreshälfte aus der mittelfristigen Prognose gestrichen wurde — ein Signal, das manche Analysten als Hinweis auf noch höhere Wachstumserwartungen des Managements deuten.

Die Rally strahlte auch auf die übrige Rüstungsbranche aus: Rheinmetall, RENK, HENSOLDT und Vincorion legten am Mittwoch zwischen ein und gut zwei Prozent zu. Für TKMS selbst bleibt der Kalenderjahreswechsel die nächste Bewährungsprobe — dann soll sich zeigen, ob der Kanada-Deal tatsächlich unterschriftsreif wird.

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