TKMS-Chef Oliver Burkhard hat in Ottawa konkretisiert, wie eine strategische Partnerschaft mit der spanischen Navantia den kanadischen U-Boot-Großauftrag über bis zu zwölf Einheiten absichern soll.
Im Zentrum stehen Sondierungsgespräche über eine Lizenzfertigung von TKMS-Konstruktionen in spanischen Navantia-Werften. Das Ziel: internationale Lieferpläne beschleunigen und Kapazitätsengpässe abfedern, die bei der Wucht des laufenden Auftragsbooms drohen.
Kapazität als Nadelöhr
Die Idee dahinter ist naheliegend. TKMS sitzt derzeit auf einem Auftragsbestand von rund 20,1 Milliarden Euro, gespeist unter anderem aus dem deutschen MEKO-A-200-Fregattenprogramm und dem kanadischen U-Boot-Vorhaben. Wer in dieser Größenordnung liefern will, braucht mehr als eine Werft.
Eine Lizenzfertigung bei Navantia würde TKMS erlauben, Stückzahlen zu heben, ohne eigene Kapazitäten in Kiel oder Wismar über Gebühr zu strecken. Für Kanada wäre das ein Signal, dass die Zwölf-Boote-Dimension nicht am Flaschenhals Werftauslastung scheitert.
Burkhards Vorstoß fällt in eine Phase, in der TKMS operativ ohnehin liefert. Der Neun-Monats-Bericht zum Geschäftsjahr 2025/26 wies ein Umsatzplus von 19 Prozent auf 1,89 Milliarden Euro aus, das bereinigte EBIT kletterte auf 110 Millionen Euro nach 98 Millionen im Vorjahreszeitraum.
Das Unternehmen hob daraufhin seine Jahresprognose an: Das Umsatzwachstum soll nun 10 bis 12 Prozent statt der bisher avisierten 2 bis 5 Prozent erreichen, die bereinigte EBIT-Marge wurde auf 6,5 Prozent präzisiert.
Mutterkonzern ThyssenKrupp reagierte mit einer angehobenen Konzern-EBIT-Untergrenze von 600 statt zuvor 500 Millionen Euro für das Gesamtjahr – ausdrücklich getragen von der starken operativen Entwicklung der Tochter.
Konsolidierung nach dem Rekordhoch
Die Aktie hatte darauf zunächst mit einem Allzeithoch von 105,40 Euro reagiert, getragen von einem seit Ende Juli anhaltenden Aufwärtstrend von knapp 30 Prozent.
Seither konsolidiert das Papier: Am Dienstag schloss es bei 96,20 Euro, ein Minus von 3,3 Prozent auf Tagesbasis. Über die vergangenen sieben Handelstage ergibt sich damit praktisch Stillstand, während der 30-Tage-Blick mit einem Plus von 21 Prozent die zugrunde liegende Dynamik zeigt.
Seit Jahresbeginn steht ein Kursgewinn von 45 Prozent zu Buche. Zum 52-Wochen-Hoch von 108,80 Euro klafft aktuell eine Lücke von 12 Prozent, während das Papier gegenüber dem 52-Wochen-Tief von 56,75 Euro um 70 Prozent zugelegt hat.
Dass ThyssenKrupp im Rahmen der jüngsten Quartalskonferenz zugleich klarstellte, trotz der laufenden Portfoliotransformation „ACES 2030“ keinen Verkauf der 51-prozentigen TKMS-Mehrheitsbeteiligung zu planen, dürfte Anleger zusätzlich beruhigt haben.
Die Rüstungstochter bleibt damit strategischer Kernbestandteil des Konzerns – ein Fakt, der die Navantia-Pläne aus einer Position der Stärke heraus erscheinen lässt, nicht als Verzweiflungstat gegen Lieferengpässe.
Was die Partnerschaft für Anleger bedeutet
Für die Bewertung des Kanada-Geschäfts ist die Kapazitätsfrage entscheidend. Ein Zwölf-Boote-Auftrag lässt sich kaum allein aus deutschen Werften stemmen, wenn parallel das MEKO-Programm mit rund 5 Milliarden Euro für die ersten vier Fregatten läuft.
Gelingt die Lizenzfertigung mit Navantia, würde TKMS glaubhaft machen, dass der Auftragsberg auch abgearbeitet werden kann – nicht nur eingebucht. Das wäre der nächste Prüfstein für eine Aktie, die nach dem Rekordhoch nun zeigen muss, ob operative Substanz den nächsten Schub trägt.
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