Starke Aufträge, schwache Kurse. Bei TKMS klaffen operative Erfolge und die Reaktion an der Börse gerade weit auseinander. Der Kieler Schiffbauer sicherte sich innerhalb weniger Stunden zwei historische Großprojekte. Dennoch rutscht das Papier im XETRA-Handel um 3,91 Prozent auf 85,90 Euro ab. Ein klassischer Fall von Gewinnmitnahmen.
Historischer Auftrag der Deutschen Marine
Der Haushaltsausschuss des Bundestags hat am Mittwochabend grünes Licht gegeben. Die Deutsche Marine erhält vier neue Fregatten des Typs MEKO A-200 DEU. Dieses erste Paket bringt ein Auftragsvolumen von rund 6,3 Milliarden Euro.
Zusätzlich existiert eine Option für vier weitere Schiffe. Zieht der Bund diese, fließen weitere 5,3 Milliarden Euro nach Kiel. TKMS-Chef Oliver Burkhard spricht vom größten Überwasser-Auftrag der Unternehmensgeschichte. Die erste Auslieferung planen die Beteiligten für Dezember 2029.
Parallel dazu feiert der Konzern einen massiven Erfolg in Nordamerika. Die kanadische Regierung wählte TKMS als bevorzugten Bieter für ihr neues U-Boot-Programm aus. Der Konzern stach dabei den südkoreanischen Konkurrenten Hanwha Ocean aus.
Kanada will bis zu zwölf konventionelle Einheiten kaufen. Premierminister Mark Carney taxiert das mögliche Gesamtvolumen des Projekts auf bis zu 100 Milliarden US-Dollar.
Warum die Aktie fällt
Die Nachrichtenlage ist exzellent. Die Folge: Investoren machen Kasse. Marktbeobachter werten den Kursrutsch als typisches „Sell-on-the-News“-Muster. Die Aktie hatte die Aufträge bereits vorab eingepreist. Allein in den vergangenen 30 Tagen kletterte der Kurs um 15,15 Prozent. Seit Jahresbeginn steht ein Zuwachs von 24,04 Prozent in den Büchern.
Dazu kommt ein zeitlicher Faktor. Der kanadische Erfolg sichert TKMS vorerst nur den Status als bevorzugter Bieter. Ein rechtsverbindlicher Vertrag fehlt noch. Die finalen Verhandlungen könnten sich bis Ende 2027 hinziehen. Die ersten Schiffe für Kanada sollen frühestens 2033 vom Stapel laufen.
Volle Auftragsbücher
Trotz des aktuellen Rücksetzers notiert die Aktie gut neun Prozent über ihrem 50-Tage-Durchschnitt. Der Relative-Stärke-Index liegt bei 55,9. Das signalisiert eine neutrale charttechnische Bewertung ohne Überverkauf.
Fundamental steht das Unternehmen robust da. Bereits Ende März wies TKMS einen Rekord-Auftragsbestand von rund 20,6 Milliarden Euro aus. Dieser Wert wird durch die neuen Verträge massiv ansteigen. Das hat direkte Folgen für die Produktion. Am Standort Wismar rechnet der Konzern durch die neuen Projekte mit dem Aufbau von bis zu 1.500 neuen Arbeitsplätzen.
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