Die kanadische Regierung hat TKMS als bevorzugten Bieter für das „Canadian Patrol Submarine Project“ ausgewählt. Das Programm sieht die Lieferung von bis zu zwölf U-Booten des Typs 212CD vor und gilt als der größte Einzelauftrag in der Geschichte des Konzerns.
Verhandlungen in finaler Phase
Konzernchef Oliver Burkhard hatte bereits am 18. August mitgeteilt, dass die Gespräche mit Kanada über Bau und langfristigen Lebenszyklus-Support der neuen Flotte in die entscheidende Phase eingetreten seien.
Der Support-Zeitraum soll sich über 30 bis 40 Jahre erstrecken – eine Dimension, die TKMS über Jahrzehnte hinweg planbare Erlöse sichern würde. Mit der Wahl zum bevorzugten Bieter ist ein zentraler Meilenstein erreicht, auch wenn der endgültige Vertragsabschluss noch aussteht.
Der Zuschlag reiht sich in eine Serie positiver Nachrichten ein. Erst vor rund zwei Wochen hatte das Management die Prognose für das laufende Geschäftsjahr angehoben und erwartet nun eine bereinigte EBIT-Marge von bis zu 6,5 Prozent, nachdem zuvor lediglich von über 6,0 Prozent die Rede war.
Für die ersten neun Monate des Geschäftsjahres 2025/26 meldete TKMS einen Rekord-Auftragsbestand von 20,1 Milliarden Euro. Rechnet man ein Fregattenprogramm über vier Schiffe des Typs MEKO A-200 DEU ein, soll der Bestand auf über 25 Milliarden Euro steigen.
Aktie unter Druck trotz operativer Stärke
Trotz der operativen Fortschritte hat sich die Aktie zuletzt schwächer entwickelt. Nach den Quartalszahlen vor rund zwei Wochen verlor das Papier etwa 6,5 Prozent, am Freitag schloss es bei 90,10 Euro, ein Minus von 1,2 Prozent auf Tagessicht und von 3,0 Prozent auf Wochensicht.
Auf Monatssicht steht dennoch ein Plus von 13 Prozent zu Buche, seit Jahresbeginn summiert sich der Gewinn auf 36 Prozent. Vom 52-Wochen-Hoch bei 108,80 Euro, erreicht am 14. August, notiert die Aktie derzeit 17 Prozent entfernt – ein Abstand, der die jüngste Konsolidierung nach der starken Rally seit dem Jahrestief Ende November widerspiegelt.
Die Analysten von Metzler hatten am 26. August das Kursziel auf 115,00 Euro angehoben und die Einstufung „Buy“ bestätigt – ein Votum, das noch vor Bekanntwerden des kanadischen Zuschlags erfolgte und die grundsätzliche Wachstumsstory des Konzerns unterstreicht.
Kooperation als strategischer Unterbau
Der mögliche Kanada-Deal fügt sich in eine breitere Expansionsstrategie. Ende Juli hatten TKMS und der spanische Schiffbauer Navantia eine Vereinbarung zum Ausbau ihrer Partnerschaft im U-Boot-Sektor unterzeichnet, mit dem Ziel, bis Jahresende 2026 einen gemeinsamen Kooperationsrahmen zu etablieren. Solche Allianzen sollen die internationale Wettbewerbsfähigkeit bei Großaufträgen wie dem kanadischen Programm stärken.
Für Anleger bleibt die Kombination aus Rekord-Auftragsbestand, angehobener Margenprognose und dem potenziell milliardenschweren Kanada-Geschäft der zentrale Werttreiber. Die kurzfristige Kursschwäche seit den Neun-Monats-Zahlen steht damit im Kontrast zu einer operativ deutlich verbesserten Ausgangslage.
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