Ausgangslage
TKMS hat mit der Vorlage der Neun-Monats-Zahlen zum Geschäftsjahr 2025/26 Mitte August die eigene Prognose kräftig angehoben: Statt 2 bis 5 Prozent Umsatzwachstum stellt der Werftenkonzern nun 10 bis 12 Prozent in Aussicht, die bereinigte EBIT-Marge soll bis auf 6,5 Prozent steigen.
Der Auftragsbestand kletterte per Ende Juni auf einen Rekordwert von 20,1 Milliarden Euro. Hinzu kam der bislang größte Überwasser-Auftrag der Unternehmensgeschichte: ein Vertrag über vier Fregatten plus Option auf vier weitere für die Deutsche Marine, unterzeichnet nach Quartalsende.
Die Aktie hat auf diese Nachrichtenflut nur verhalten reagiert. Der Kurs notiert bei 84,80 Euro und liegt damit rund 22 Prozent unter dem 52-Wochen-Hoch von 108,80 Euro. Seit der Hochstufung durch Bernstein auf ein Kursziel von 125 Euro vor rund einem Monat hat das Papier sogar 18,3 Prozent verloren.
Die Frage, vor der Anleger jetzt stehen, lautet damit nicht mehr, ob TKMS wächst – das ist mit den vorliegenden Zahlen belegt –, sondern ob und wann sich dieses Wachstum in einer nachhaltigen Kurserholung niederschlägt.
Die entscheidende Frage
Im Zentrum steht ein einziger, noch offener Vertrag: das kanadische U-Boot-Programm. TKMS gilt als bevorzugter Bieter für bis zu zwölf U-Boote vom Typ 212CD, das Auftragsvolumen wird allein für die Boote auf über 15 Milliarden Euro taxiert.
Kanadas Premierminister Mark Carney hatte die Vergabe im Juli vor dem NATO-Gipfel in Ankara angekündigt, Bundeskanzler Friedrich Merz begrüßte die Entscheidung als strategisches Projekt, das Kanada, Deutschland und Norwegen langfristig verbindet.
Der finale Vertragsabschluss steht jedoch noch aus – Konzernchef Oliver Burkhardt rechnet nach eigenen Angaben mit einer Unterzeichnung bis Ende des Kalenderjahres 2026. Ob dieser Termin gehalten wird, dürfte der wichtigste Einzelfaktor für die Kursentwicklung in den kommenden Monaten sein.
Bullisches Szenario
Kommt der kanadische Auftrag wie von Burkhardt in Aussicht gestellt zustande, würde sich der ohnehin schon rekordhohe Auftragsbestand von 20,1 Milliarden Euro nochmals erheblich ausweiten.
Analysten sehen darin bereits jetzt konservative Ausweisungspraxis: Ein Analysehaus rechnet bei breiterer Definition der Auftragsbasis mit einem tatsächlichen Bestand von rund 64 Milliarden Euro und kalkuliert für das laufende Jahr mit 2,42 Milliarden Euro Umsatz und 158,4 Millionen Euro EBIT.
Bernstein-Analyst Adrien Rabier begründete seine Hochstufung Mitte August unter anderem damit, dass die jüngste Auftragswelle im Marktkonsens noch nicht abgebildet sei und ein EBIT-Zielupdate im kommenden Quartal erwarte.
Sollte sich dies bestätigen, verbunden mit weiteren Programmen in Indien und Brasilien, wäre die Werftauslastung bis in die 2040er Jahre praktisch gesichert – ein Argument für eine Neubewertung der Aktie nach oben.
Bärisches Szenario
Dagegen steht ein handfestes Risiko: Der Kanada-Deal ist noch nicht unterschrieben. Bei einem Auftragsvolumen dieser Größenordnung und einer internationalen Beschaffungsentscheidung können sich Vertragsverhandlungen verzögern oder politisch neu bewertet werden – ein fixer Termin existiert bislang nicht, nur eine Zielmarke des Managements.
Gleichzeitig zeigt die Kursentwicklung der vergangenen Wochen, dass der Markt trotz Rekordzahlen skeptisch bleibt: Die Aktie fiel seit der Bernstein-Hochstufung deutlich zurück, was auf Zweifel hindeutet, ob TKMS die enorm gewachsene Auftragslage operativ und personell in vergleichbarem Tempo abarbeiten kann.
Die Marge lag im Neunmonatszeitraum bei 5,8 Prozent – spürbar unter dem mittelfristigen Zielkorridor von über 7 Prozent. Bleibt die Umsetzung hinter den Ausbauplänen zurück, könnte sich das aktuelle Kursniveau als vorgezogene Euphorie erweisen.
Ausblick
Solange TKMS seine operative Umsetzung im Zeitplan hält und der kanadische Vertrag wie in Aussicht gestellt bis Jahresende zustande kommt, bleibt das Wachstumsnarrativ intakt – die angehobene Guidance von 10 bis 12 Prozent Umsatzplus und die avisierte Marge von bis zu 6,5 Prozent liefern dafür die Messlatte.
Kippt diese Erwartung, etwa durch eine Verzögerung der kanadischen Entscheidung oder enttäuschende Margenfortschritte in den kommenden Quartalsberichten, dürfte der Kurs seine Konsolidierung fortsetzen, wie sie sich mit dem Rückgang seit der Bernstein-Hochstufung bereits andeutet.
Der nächste konkrete Prüfstein ist damit weniger ein Kalenderdatum als ein Ereignis: die Unterzeichnung des kanadischen U-Boot-Vertrags, für die das Management selbst das laufende Jahr als Zielmarke ausgegeben hat.
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