TKMS hat gerade sein bislang stärkstes Quartal vorgelegt – und trotzdem bröckelt die Marge. Genau dieser Widerspruch treibt die Aktie des Kieler Marineschiffbauers seit Tagen zwischen Rekordhoch und Korrektur hin und her. Anleger fragen sich, ob das Wachstum die hohe Bewertung noch rechtfertigt.
Die Aktie notiert aktuell bei 97,20 Euro und legt am Mittwoch um 1,0 Prozent zu. Zum Rekordhoch von 108,80 Euro vom 14. August fehlen noch rund 11 Prozent. Seit Jahresbeginn steht dennoch ein Plus von 47 Prozent zu Buche.
Wachstum ja, Marge nein
Der Kurssprung auf über 107 Euro Anfang der Woche kam nicht aus dem Nichts. TKMS legte Quartalszahlen vor, die Analysten übertrafen, und hob zum wiederholten Mal die Jahresprognose an.
In den ersten neun Monaten stieg der Konzernumsatz um 19 Prozent auf 1,9 Milliarden Euro. Der Rüstungskonzern profitiert von einer sehr hohen Auslastung seiner Werften.
Am stärksten wuchs die Tochter Atlas Electronics, deren Umsatz um 28 Prozent auf 612 Millionen Euro kletterte. Das Segment Oberflächenschiffe legte um 11 Prozent auf 408 Millionen Euro zu. Im größten Bereich, dem Bau von U-Booten, stieg der Umsatz dagegen nur moderat auf rund eine Milliarde Euro.
Trotz des höheren Ergebnisses sank die EBIT-Marge von 6,1 auf 5,8 Prozent. Der Rückgang nährt Zweifel, ob das Umsatzwachstum tatsächlich in höhere Gewinne mündet. Marktbeobachter richten den Blick deshalb zunehmend auf die Profitabilität statt auf die reine Wachstumsstory.
Bewertung wird zum Streitpunkt
Operativ läuft es bei TKMS gut. Umsatz und Ergebnis steigen, die Prognose wandert nach oben, und der Auftragsbestand sichert die kommenden Jahre ab. Diese positive Entwicklung steckt allerdings schon zu einem großen Teil im Kurs.
Ein Marktbeobachter bezeichnete den Anstieg bis auf 107 Euro als übertrieben. Die anschließende Korrektur auf rund 97 Euro zeige, dass Anleger wieder stärker auf die Bewertung achten.
Charttechnisch gilt die Aktie inzwischen als überkauft. Als Widerstand gilt die Marke von 100 Euro, weitere Verkäufe werden zwischen 110 und 115 Euro erwartet. Als möglicher Einstiegsbereich gelten dagegen 85 bis 90 Euro.
Fundamental sprechen steigende Umsätze, angehobene Prognosen und der Rekordauftragsbestand für die Aktie. Mit einem Kurs-Gewinn-Verhältnis von über 50 gilt die Bewertung aber als ambitioniert.
Roadshow in London im Blick
Am heutigen Mittwoch richtet sich die Aufmerksamkeit zusätzlich auf eine Roadshow in London. Investoren erhoffen sich davon neue Signale zur internationalen Wahrnehmung von TKMS und möglichen weiteren institutionellen Käufern.
Institutionelles Interesse aus dem Ausland gilt als wichtiger Treiber der jüngsten Rally. Ein positives Echo aus London könnte deshalb zum Katalysator für die weitere Kursentwicklung werden.
Fällt die Reaktion auf die Roadshow positiv aus, hat die Aktie Spielraum in Richtung des alten Rekordhochs. Bleibt sie aus, dürfte der Widerstand bei 100 Euro vorerst bestehen bleiben.
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