TKMS hat mit der Anhebung der Jahresprognose am vergangenen Freitag für Schlagzeilen gesorgt – doch ein Detail aus den Zahlen zu den ersten neun Monaten des Geschäftsjahres 2025/26 verdient einen zweiten Blick: Der Auftragsbestand ist zum Ende Juni auf 20,1 Milliarden Euro gesunken, nach 20,6 Milliarden Euro im Vorquartal. Für einen Schiffbauer, dessen Aktie seit Jahresbeginn um 59 Prozent zugelegt hat, ist das eine bemerkenswerte Randnotiz.
Wachstum trotz sinkendem Orderbestand
Der Rückgang des Backlogs mag zunächst irritieren, passt aber zum operativen Bild: TKMS setzte in den ersten neun Monaten 1.890 Millionen Euro um, ein Plus von 19 Prozent gegenüber 1.587 Millionen Euro im Vorjahreszeitraum. Das bereinigte EBIT stieg um 13 Prozent auf 110 Millionen Euro.
Der Konzern arbeitet also seinen prall gefüllten Auftragsbestand schneller ab, als neue Bestellungen nachkommen – ein Muster, das bei wachsender Fertigungskapazität durchaus positiv zu werten ist, solange neue Großaufträge den Bestand stabilisieren.
Genau darauf verwies das Unternehmen in seiner Mitteilung: Es stützte die verbesserte Perspektive ausdrücklich mit dem Verweis auf neue Großaufträge. Die Führung erklärte gegenüber Journalisten zudem, die Nachfrage aus dem Nahen Osten habe sich nach dem Iran-Krieg erhöht, besonders bei Minenabwehrtechnik – ein Nachfrageimpuls, der über die reine Innenauslastung hinausgeht und den leicht gesunkenen Bestand relativieren dürfte.
Prognoseanhebung als Treiber der Rally
Die eigentliche Kernbotschaft aus der jüngsten Berichtssaison bleibt die zweite Anhebung der Jahresprognose binnen sechs Monaten: TKMS erwartet nun ein Umsatzwachstum von 10 bis 12 Prozent statt zuvor 2 bis 5 Prozent sowie eine bereinigte EBIT-Marge von bis zu 6,5 Prozent statt zuvor über 6 Prozent.
Als Treiber nannte das Unternehmen die höhere Nachfrage nach Überwasserschiffen wie Fregatten sowie nach Sensor- und Minenräumtechnik. Reuters berichtete, die Aktie sei am Tag der Anhebung zeitweise um bis zu 15,7 Prozent gestiegen, einen Tag später notierte sie laut Reuters noch immer 8,5 Prozent im Plus.
Charttechnisch überhitzt, fundamental gestützt
Die Kursreaktion der vergangenen Tage hat die Aktie tief in überkauftes Terrain getrieben. Der Relative-Stärke-Index von 74,9 signalisiert eine deutliche Überhitzung, und der Kurs notiert mit einem Abstand von 28 Prozent klar über seinem 200-Tage-Durchschnitt von 81,77 Euro.
Zum Handelsschluss am Freitag stand die Aktie bei 105,00 Euro, nach einem Plus von 1,9 Prozent auf Tagesbasis und einem Zuwachs von 22 Prozent binnen einer Woche. Zum 52-Wochen-Hoch von 108,80 Euro, erreicht am 14. August, fehlen ihr nur noch 3,5 Prozent.
Für Anleger bleibt die Kombination aus operativer Dynamik und technischer Überhitzung die zentrale Abwägung: Der leicht rückläufige Auftragsbestand ist angesichts der beschleunigten Umsatzentwicklung kein Alarmsignal, doch nach der jüngsten Kursrallye dürfte die Luft für kurzfristig neue Höchststände dünner werden.
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