TKMS baut sein internationales Geschäft weiter aus. Nach der Übergabe des letzten U-Boots der Dolphin-Klasse an die israelische Marine am Montag rückt nun der Auftragsbestand des Kieler Werftkonzerns in den Fokus: Unter Einbeziehung der nach Bilanzstichtag vereinbarten vier MEKO A-200 DEU-Fregatten im Volumen von 6,3 Milliarden Euro steigt er auf über 25 Milliarden Euro. Zum Neun-Monats-Stichtag hatte TKMS noch 20,1 Milliarden Euro an offenen Aufträgen in den Büchern.
Zwei neue Großprojekte in Aussicht
Neben dem bestätigten Fregatten-Auftrag zeichnen sich weitere Milliardengeschäfte ab. TKMS gilt Medienberichten zufolge als bevorzugter Bieter für ein kanadisches Programm über bis zu zwölf U-Boote.
Parallel dazu führt der Konzern nach Medienberichten finale Vertragsverhandlungen mit Indien über den Bau von sechs U-Booten. Beide Projekte sind noch nicht unterzeichnet, würden den Auftragsbestand im Erfolgsfall aber deutlich über das bisherige Niveau hinausheben.
Mit Israel geht ein Kapitel der Unternehmensgeschichte zu Ende: Die Dolphin-Klasse ist mit der jüngsten Übergabe komplett ausgeliefert. TKMS kündigte zugleich an, die Zusammenarbeit mit der Nachfolgeklasse „Dakar“ fortzusetzen – ein Hinweis darauf, dass die Kundenbeziehung über das abgeschlossene Programm hinaus Bestand hat.
Kooperationsnetz wächst weiter
Die internationale Vernetzung des Werftkonzerns nimmt zusätzlich Fahrt auf. Vor gut einer Woche unterzeichnete TKMS mit dem italienischen Konzern Fincantieri eine Absichtserklärung zur Vertiefung der U-Boot- und Unterwasserkooperation, ein fester Rahmen soll bis Jahresende stehen.
Bereits Ende Juli hatte TKMS mit dem spanischen Rüstungskonzern Navantia eine zweite Absichtserklärung geschlossen – ebenfalls mit dem Ziel, bis Ende 2026 einen verbindlichen Kooperationsrahmen zu vereinbaren. Diese Partnerschaften folgen einem erkennbaren Muster: TKMS positioniert sich als europäischer Konsolidierungspartner im U-Boot-Segment, statt einzelne Aufträge isoliert zu verfolgen.
Finanziell steht der Konzern auf solidem Fundament. Vor rund einem Monat hatte TKMS seine Jahresprognose angehoben, der Konzernumsatz war in den ersten neun Monaten um 19 Prozent gestiegen, das bereinigte EBIT um 13 Prozent.
Für das laufende Geschäftsjahr peilt der Vorstand nun eine Umsatzsteigerung von 10 bis 12 Prozent sowie eine bereinigte EBIT-Marge von bis zu 6,5 Prozent an. Die Mittelfristziele von mehr als 7 Prozent EBIT-Marge bekräftigte das Unternehmen ebenfalls.
Kurs bleibt trotz operativer Stärke unter Druck
Trotz der positiven operativen Nachrichtenlage kommt die Aktie nicht recht vom Fleck. Seit der Prognoseanhebung vor rund einem Monat hat das Papier 11,9 Prozent verloren, aktuell notiert es bei 84,90 Euro und damit 1,8 Prozent niedriger als am Vortag. Der Titel liegt damit rund 2,6 Prozent unter seinem 50-Tage-Durchschnitt von 87,19 Euro, bewegt sich aber weiterhin oberhalb der 200-Tage-Linie.
Die Diskrepanz zwischen operativer Dynamik und Kursentwicklung lässt sich auch mit der allgemeinen Stimmung im Rüstungssektor erklären. Medienberichte über Lieferverzögerungen und Qualitätsprobleme bei deutschen Rüstungsherstellern sorgen sektorweit für Unruhe und belasten offenbar auch TKMS, obwohl das Unternehmen von solchen Problemen bislang nicht betroffen ist. Seit Jahresbeginn steht für die Aktie trotz der jüngsten Schwäche noch ein Plus von 28 Prozent.
Personell hat sich der Vorstand im Mai verbreitert: Dr. Andreas Görgen trat zum 15. Mai als neues Vorstandsmitglied und Chief Operations Officer der TKMS Group an. Angesichts der Vielzahl paralleler Großprojekte – von den laufenden Verhandlungen mit Indien bis zum möglichen Kanada-Zuschlag – dürfte die operative Führungsstruktur in den kommenden Monaten zusätzliches Gewicht erhalten.
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