Konzernchef Oliver Burkhard rechnet bis Ende 2026 mit einem Vertrag über sechs U-Boote aus Indien, wie er der FAZ sagte. Der Auftragswert soll bei rund 8 Milliarden Euro liegen. Es wäre der nächste große Baustein nach dem Kanada-Geschäft, das TKMS zuvor über zwölf U-Boote im Volumen von 12 Milliarden Euro an Land gezogen hatte.
Burkhard weist Zweifel an Kapazitäten zurück
Nach dem Kanada-Zuschlag waren an den Märkten Sorgen aufgekommen, ob TKMS die schiere Menge an Aufträgen überhaupt abarbeiten kann. Burkhard widersprach dieser Lesart im FAZ-Interview deutlich: „Natürlich schaffen wir das“, sagte er laut Reuters. Als Kapazitätspuffer verweist der TKMS-Chef auf die Werft in Wismar mit einer Fläche von 550.000 Quadratmetern sowie auf eine mögliche Kooperation mit dem spanischen Werftkonzern Navantia. Belastet hatte den Kurs zusätzlich der Ausstieg des Bundes aus einem Teil des F126-Fregattenprogramms, der laut Berichterstattung das Vertrauen mancher Investoren erschüttert hatte – der Titel war nach dem Kanada-Deal von 93 Euro auf unter 80 Euro zurückgefallen.
Am Aktienmarkt notiert TKMS aktuell bei 80,70 Euro und legt am Freitag um 0,75 Prozent zu. Zum 52-Wochen-Hoch von 106,58 Euro, aufgestellt am 20. Oktober 2025, fehlen dem Papier noch 24,28 Prozent. Seit Jahresbeginn steht dennoch ein Plus von 21,90 Prozent zu Buche – die jüngste Konsolidierung hat den langfristigen Aufwärtstrend also nicht gebrochen.
Saab liefert Kampfsysteme für neue Fregatten
Parallel zur Indien-Debatte hat TKMS einen weiteren Auftrag vergeben statt erhalten: Der schwedische Rüstungskonzern Saab bekommt den Zuschlag für Kampfsysteme, Sensoren und Verbundstrukturen für vier MEKO A-200 DEU-Fregatten der Deutschen Marine. Der Auftragswert beläuft sich auf 8,7 Milliarden schwedische Kronen. Ausgeliefert werden soll zwischen 2029 und 2032, TKMS hält sich zudem eine Option auf weitere Fregatten offen. Die Produktion soll in Deutschland stattfinden, Saab-Vorstandschef Micael Johansson betonte laut Berichterstattung die verbesserten Fähigkeiten der Schiffe in der Luft-, U-Boot- und Überwasserabwehr.
Rückenwind aus der Industrie und der Sicherheitspolitik
Das Marktumfeld für den Rüstungs- und Schiffbausektor bleibt günstig. Der Auftragsbestand der deutschen Industrie kletterte im Mai 2026 um 1,7 Prozent zum Vormonat – der stärkste Anstieg seit September 2021 – und liegt 9,5 Prozent über dem Vorjahreswert, wie das Statistische Bundesamt mitteilte. Die Reichweite der Aufträge erreichte mit 8,9 Monaten einen Rekordwert seit 2015, wobei Experten laut Berichterstattung vor zu viel Euphorie warnen, da Lieferengpässe und Standortbedingungen weiterhin Risiken bergen.
Auch sicherheitspolitisch bleibt der Rückenwind für die Branche bestehen. Beim deutsch-französischen Ministerrat in Brühl bekräftigten Bundeskanzler Merz und Präsident Macron ihr Sicherheitsbündnis, wie das Handelsblatt berichtete. Zwar ist das gemeinsame Kampfjet-Projekt FCAS gescheitert, neue Initiativen wie eine Raketenabwehr-Allianz mit der Ukraine und ein Frühwarnsystem sollen die europäische Verteidigungskooperation dennoch vertiefen. Für TKMS bleibt damit sowohl auf nationaler als auch auf internationaler Ebene ein Umfeld bestehen, das kontinuierliche Auftragsvergaben begünstigt – der erwartete Indien-Deal wäre der nächste Test, ob der Konzern das selbst gesteckte Wachstumstempo tatsächlich halten kann.
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