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Symbolbild, KI-generiert

TKMS Aktie: 6,3-Milliarden-Fregattenvertrag verbucht

TKMS steigert Umsatz und EBIT, hebt die Jahresziele an und meldet mehr Aufträge. Negativ bleibt der freie Cashflow von minus 204 Millionen Euro.

Die wichtigsten Punkte im Überblick

  • Auftragsbestand übersteigt 25 Milliarden Euro
  • Umsatz wächst im Neunmonatszeitraum um 19 Prozent
  • Jahresprognose für Umsatz und EBIT angehoben
  • Kanada und Indien verhandeln U-Boot-Programme

Wer nur auf den Kurs schaut, sieht derzeit eine Enttäuschung: Von 84,70 Euro am Mittwoch ging es auf 83,10 Euro, ein Minus von 1,9 Prozent an einem einzelnen Tag, und über sieben Handelstage summiert sich das Minus auf 8,9 Prozent. Wer aber auf die Substanz schaut, sieht ein Unternehmen, dessen Auftragsbücher förmlich überlaufen. Für mich ist genau diese Diskrepanz die eigentliche Geschichte der TKMS-Aktie im Spätsommer.

Der Auftragsbestand wächst schneller als der Kurs fällt

Der Vertrag über vier Fregatten des Typs MEKO A-200 DEU für die Deutsche Marine, mit Option auf vier weitere, ist nach Unternehmensangaben der größte Überwasser-Auftrag der Firmengeschichte. Rund 6,3 Milliarden Euro Volumen, verbucht im laufenden vierten Quartal, ließen den Auftragsbestand nach dem Bilanzstichtag auf über 25 Milliarden Euro klettern.

Zum Vergleich: Zum 30. Juni lag dieser Wert noch bei 20,1 Milliarden Euro, selbst das war bereits ein Rekord. Wer sich fragt, ob TKMS ein zyklisches Rüstungsgeschäft mit Auf und Ab betreibt oder einen strukturellen Nachfrageschub reitet, findet hier eine klare Antwort.

Dazu kommen zwei Großprojekte, die noch nicht final unterschrieben sind, aber weit gediehen sind. In Kanada hat Premierminister Mark Carney TKMS im Juli als bevorzugten Bieter für bis zu zwölf U-Boote vom Typ 212CD benannt, ein Programm mit einem Auftragswert von über 15 Milliarden Euro plus vierzig Jahre Instandhaltung.

Das TKMS-Management rechnet mit einer finalen Entscheidung bis Ende 2026, die kanadische Seite selbst nennt Ende 2027 – ein Unterschied, den Anleger im Blick behalten sollten, denn er zeigt, wie unsicher der genaue Zeitpunkt noch ist.

In Indien läuft parallel die finale Verhandlungsphase für Project 75(I), sechs U-Boote mit Option auf drei weitere, Auftragswert rund 8 Milliarden Euro. Finanzministerium und Sicherheitsrat haben laut Medienberichten bereits grünes Licht gegeben, die Freigabe durch das Sicherheitskabinett unter Premierminister Modi steht aus.

Die Zahlen bestätigen, was der Auftragsbestand verspricht

Für mich ist entscheidend, dass sich die operative Story nicht nur in Ankündigungen erschöpft. Im Neun-Monats-Bericht zum 30. Juni wies TKMS einen Umsatz von 1.890 Millionen Euro aus, ein Plus von 19 Prozent gegenüber dem Vorjahreszeitraum. Das bereinigte EBIT kletterte um 13 Prozent auf 110 Millionen Euro.

Das Management erhöhte daraufhin die Jahresprognose kräftig: Statt 2 bis 5 Prozent Umsatzwachstum werden nun 10 bis 12 Prozent erwartet, die bereinigte EBIT-Marge soll bis 6,5 Prozent erreichen statt zuvor über 6 Prozent. Die Mittelfristziele – rund 10 Prozent Wachstum pro Jahr, eine Marge über 7 Prozent – blieben unverändert bestätigt.

Ein Wermutstropfen bleibt der Free Cashflow: Mit minus 204 Millionen Euro liegt er deutlich unter dem Vorjahreswert von plus 631 Millionen Euro. Das Unternehmen begründet dies mit erwarteten Auszahlungen im Rahmen der Vertragserfüllung – nachvollziehbar bei einem derart wachsenden Auftragsbestand, aber ein Punkt, den optimistische Leser nicht ausblenden sollten. Wachstum dieser Größenordnung frisst Kapital, bevor es Kasse bringt.

Warum der Kurs trotzdem nicht mitzieht

Vor gut drei Wochen hatte Bernstein Research sein Kursziel von 76 auf 125 Euro angehoben und die Einstufung auf Outperform hochgestuft – eine der deutlichsten Reaktionen auf die Quartalszahlen.

Seither hat die Aktie rund 20 Prozent verloren. Das wirkt paradox, lässt sich aber einordnen: Nach dem kräftigen Anstieg seit Jahresbeginn von 26 Prozent und einem 52-Wochen-Hoch von 108,80 Euro im August war eine Konsolidierung überfällig.

Der RSI von 39,3 signalisiert, dass die Aktie eher überverkauft als überkauft ist, und der Kurs liegt nur knapp unter dem 200-Tage-Durchschnitt von 83,58 Euro – kein Bruch einer langfristigen Trendlinie, sondern eine Verschnaufpause nach einem sehr dynamischen Lauf.

Unterm Strich überwiegen für mich die operativen Argumente die kurzfristige Kursschwäche. Ein Auftragsbestand von über 25 Milliarden Euro, zwei potenzielle Milliardenprogramme in Kanada und Indien sowie eine erhöhte Jahresprognose sprechen für eine Firma, die strukturell wächst – nicht für eine, deren Story sich erschöpft hätte. Der schwache Cashflow und die Unsicherheit über den genauen Zeitpunkt der kanadischen Entscheidung bleiben die Punkte, die diese These relativieren.

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