Kanada hat sich im Rennen um ein milliardenschweres U-Boot-Programm für den deutschen Rüstungskonzern TKMS entschieden. Wie die kanadische Zeitung Globe and Mail berichtete, kürte Ottawa das Unternehmen zum bevorzugten Bieter für das U-Boot-Vorhaben CPSP und ließ damit den südkoreanischen Wettbewerber Hanwha Ocean das Nachsehen.
Kanada setzt auf deutsche U-Boot-Technik
Der Auftrag umfasst zwölf U-Boote des Typs 212CD und soll ein Volumen von rund 62 Milliarden Euro erreichen. Damit würde Kanada zu einem der größten Einzelkunden in der Geschichte des Kieler Werftkonzerns.
Im Gegenzug wirbt TKMS mit erheblichen wirtschaftlichen Effekten für den Auftraggeber: Der Konzern beziffert die insgesamt angestoßene wirtschaftliche Aktivität auf rund 167 Milliarden kanadische Dollar, davon sollen gut 86 Milliarden direkt als wirtschaftliche Wirkung in Kanada anfallen. Zusätzlich stellt TKMS die Schaffung von bis zu 650.000 Arbeitsplätzen in Aussicht. Wie der NDR bereits im Juli berichtete, entstehen allein in Kiel und Wismar durch den Auftrag bis zu 1.500 neue Arbeitsplätze auf deutscher Seite.
Privatanleger schichten kräftig in den Rüstungswert um
Der Zuschlag trifft auf ein Depotpublikum, das TKMS bereits vor der Entscheidung stark favorisierte. Eine Auswertung des Handelsblatts auf Basis von Daten des Brokers Flatex zeigt, dass TKMS im Juli unter rund 450.000 ausgewerteten deutschen Depots die höchsten Nettozuflüsse aller Einzeltitel verzeichnete – ein Plus von 48,3 Prozent. Die gesamte Rüstungsbranche kam im selben Zeitraum auf ein Zuflusswachstum von 7,8 Prozent, TKMS lag damit deutlich über dem Branchenschnitt. Der Rüstungssektor bleibt damit ein zentraler Anziehungspunkt für Privatanleger, während andere Einzeltitel im selben Monat Nettoabflüsse verzeichneten.
Parallel zum Kanada-Geschäft steht ein weiteres Milliardenprojekt der deutschen Marine auf der Kippe. Laut einem Bericht des Spiegel erwägt Verteidigungsminister Pistorius den Ausstieg aus dem Fregattenprojekt F126, in das bereits mehr als 2,3 Milliarden Euro geflossen sind. Als Ersatz sind acht Fregatten der Meko-200-Klasse von TKMS im Gespräch, das Gesamtpaket würde sich auf rund 12 Milliarden Euro belaufen. Sollte dieses Szenario Realität werden, würde TKMS gleich an zwei Fronten – U-Boote für Kanada und Fregatten für die eigene Marine – von einem massiven Umbau der westlichen Beschaffungspläne profitieren.
Kursverlauf spiegelt starken Lauf mit Verschnaufpause
An der Börse hat die Aktie diese Entwicklung längst vorwegnehmen müssen. Sie notiert aktuell bei 86,90 Euro und gibt am heutigen Donnerstag um 1,59 Prozent nach. Seit Jahresbeginn steht dennoch ein Plus von 31,27 Prozent, zum 52-Wochen-Hoch aus Mitte Oktober fehlen dem Titel weiterhin 18,47 Prozent. Der jüngste Rücksetzer zeigt, dass ein Teil der guten Nachrichten aus Kanada und vom Privatanlegerlager bereits in den Kurs eingepreist war – substanzielle Auftragsgewinne allein reichen derzeit nicht mehr aus, um neue Höchststände zu erzwingen.
Für Anleger bleibt TKMS damit ein Titel mit zwei Gesichtern: Auf der einen Seite ein historisch großer Auftragszuwachs mit Kanada und mögliche weitere Milliardenaufträge aus dem eigenen Verteidigungsministerium, auf der anderen Seite eine Bewertung, die diese Perspektiven schon zu einem erheblichen Teil widerspiegelt. Wie belastbar der Kanada-Deal am Ende ist, dürfte sich erst zeigen, wenn aus dem bevorzugten Bieterstatus ein unterschriebener Vertrag wird.
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