Sieben Tage Kursrally, dann eine Analystenkritik, die genau diese Rally infrage stellt. Bei Tilray klaffen Marktreaktion und fundamentale Warnzeichen aktuell weit auseinander.
Die Aktie des Cannabis- und Getränkekonzerns schloss am Dienstag bei 6,39 kanadischen Dollar, ein Plus von 0,79 Prozent zum Vortag. Über sieben Handelstage summiert sich der Anstieg auf 15,34 Prozent. Parallel dazu veröffentlichte der Finanzdienst Motley Fool eine Analyse, die Zweifel an der Nachhaltigkeit des Wachstums weckt.
Rekordumsatz mit Fragezeichen
Tilray meldete für das Geschäftsjahr 2026 einen Nettoumsatz von 915,5 Millionen US-Dollar. Das entspricht einem Plus von 11 Prozent gegenüber dem Vorjahr. Auf den ersten Blick ein solides Ergebnis.
Die Analyse von Motley Fool sieht hinter den Zahlen jedoch strukturelle Probleme. Der Konzern verbrannte binnen zwölf Monaten 69 Millionen US-Dollar im operativen Geschäft. Die Investitionstätigkeit, zu der auch Zukäufe zählen, kostete weitere 56 Millionen US-Dollar.
Besonders kritisch sehen die Analysten das Getränkesegment. Dort wuchs der Umsatz um 19 Prozent auf 241 Millionen US-Dollar. Ein Großteil dieses Wachstums stammt laut der Analyse aus Übernahmen, nicht aus organischem Geschäft. Das mache es schwer, die tatsächliche Wachstumskraft des Konzerns einzuschätzen.
Verwässerung als Dauerthema
Der anhaltende Cash-Verbrauch hat bereits sichtbare Folgen. Tilray gab im Geschäftsjahr 2026 neue Aktien im Wert von 158,0 Millionen US-Dollar aus, nach Abzug von Kosten. Die durchschnittliche Aktienzahl stieg dadurch um 26 Prozent auf 111,8 Millionen Stück.
Im vierten Quartal beschleunigte sich dieser Trend sogar. Die Aktienzahl kletterte dort um 18 Prozent auf 115,5 Millionen. Motley Fool warnt: Solange der Cash-Verbrauch anhält, dürften weitere Kapitalerhöhungen folgen. Für bestehende Aktionäre bedeutet das eine fortlaufende Verwässerung ihrer Anteile.
Bilanz zeigt auch Fortschritte
Nicht alle Daten zeichnen ein negatives Bild. Tilray beendete das Jahr mit 234,6 Millionen US-Dollar an Cash, gesperrten Mitteln und marktgängigen Wertpapieren. Die Nettoverschuldung lag bei unter einer Million US-Dollar, verglichen mit rund 14 Millionen US-Dollar im Vorjahr.
Finanzchef Carl Merton verwies auf einen Schuldenabbau von rund 60 Millionen US-Dollar während und nach dem Geschäftsjahr. Dazu zählen Rückzahlungen ebenso wie nicht zahlungswirksame Umwandlungen von Wandelanleihen.
Auch operativ gab es Lichtblicke. Der Umsatz im vierten Quartal stieg um 25 Prozent auf 281,7 Millionen US-Dollar, verglichen mit 224,5 Millionen US-Dollar im Vorjahresquartal. Alle vier Geschäftssegmente legten zu. Das Getränkegeschäft wuchs dabei um 61 Prozent auf 105,6 Millionen US-Dollar, davon 51,1 Millionen US-Dollar allein durch die Marke BrewDog.
Ausblick bleibt umstritten
Das Management zeigt sich für das Geschäftsjahr 2027 zuversichtlich. Tilray erwartet ein bereinigtes EBITDA zwischen 68 und 75 Millionen US-Dollar. Als Treiber nennt der Konzern Margenausweitung, operative Effizienz und die Integration zugekaufter Unternehmen.
Die Analysten von Motley Fool bleiben skeptisch. Ihr Fazit: Es gebe keinen überzeugenden Grund zur Annahme, dass sich am grundlegenden Muster etwas ändert. Investoren zeigten sich von der teuren Wachstumsstrategie bislang unbeeindruckt.
Der Widerspruch zwischen Rekordumsatz und anhaltendem Cash-Abfluss dürfte das zentrale Thema für Tilray-Investoren bleiben. Wie der Konzern seine Diversifizierung in Getränke, Hospitality und Wellness künftig finanziert, ohne die Aktionäre weiter zu verwässern, ist damit noch nicht geklärt.
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