Der Wasserstoff-Spezialist ThyssenKrupp Nucera hat seine finanziellen Erwartungen für das laufende Geschäftsjahr 2025/2026 deutlich nach unten korrigiert. Hintergrund ist die Entscheidung, die Pläne für eine eigene Serienfertigung von Hochtemperatur-Elektrolyseuren (SOEC) aufzugeben.
Das Unternehmen reagiert damit auf ein Marktumfeld, in dem der Aufbau eigener Produktionskapazitäten für diese Technologie derzeit kein wirtschaftlich attraktives Modell darstellt.
Deutliche Belastungen durch Strategieanpassung
Die Abkehr von der SOEC-Massenproduktion führt im vierten Quartal zu einem einmaligen negativen Effekt auf das operative Ergebnis (EBIT) in Höhe von rund 30 Millionen Euro. Dieser resultiert maßgeblich aus notwendigen Abschreibungen.
Infolgedessen weitete das Management die Prognose für den operativen Konzernverlust aus: Erwartet wird nun ein EBIT zwischen minus 105 Millionen und minus 75 Millionen Euro. Zuvor lag der Zielkorridor bei einem Minus von 30 Millionen bis 80 Millionen Euro.
Parallel dazu passte das Unternehmen seine Umsatz- und Auftragserwartungen an. Der Konzernumsatz wird nun in einer Spanne von 450 Millionen bis 500 Millionen Euro gesehen, nachdem zuvor bis zu 550 Millionen Euro für möglich gehalten wurden. Auch beim Auftragseingang rechnet die Unternehmensführung mit einer vorsichtigeren Entwicklung und beziffert diesen auf 550 Millionen bis 670 Millionen Euro.
Kontrastreiches Bild bei den Geschäftszahlen
Trotz der Anpassungen bei der Jahresprognose zeigen die Zahlen für die ersten neun Monate des Geschäftsjahres eine dynamische Entwicklung im Neugeschäft. Der Auftragseingang verdoppelte sich nahezu auf 471 Millionen Euro, was einem Plus von 96 Prozent im Vergleich zum Vorjahreszeitraum entspricht.
Maßgeblich hierfür war unter anderem ein Großauftrag über einen 300-Megawatt-Elektrolyseur in Südeuropa. Dennoch sank der Konzernumsatz in diesem Zeitraum von 663 Millionen Euro auf 354 Millionen Euro.
Im laufenden Tagesgeschäft zeigt sich die Aktie stabilisiert und notiert bei 7,85 Euro, was einem Zuwachs von 1,29 Prozent entspricht. Das Papier bewegt sich damit weiterhin mit einem Abstand von rund 13,4 Prozent über seinem 52-Wochen-Tief von 6,92 Euro, verbucht jedoch seit Jahresbeginn ein Minus von 11,75 Prozent.
Stabilität im Bereich Chlor-Alkali
Während das Segment für grünen Wasserstoff (gH2) mit hohen Verlusten und einer schwächeren Umsatzentwicklung kämpft, erweist sich das klassische Chlor-Alkali-Geschäft als stabiler Anker. In diesem Bereich konnten im dritten Quartal sowohl der Auftragseingang als auch der Umsatz gesteigert werden. Das operative Ergebnis im Chlor-Alkali-Segment legte um 14 Prozent auf 15 Millionen Euro zu.
Um die künftige Rentabilität zu sichern, hatte das Unternehmen bereits im Mai einen Einstellungsstopp in Hochkostenländern verhängt. Durch den nun beschlossenen Stopp der SOEC-Serienfertigung erwartet ThyssenKrupp Nucera ab dem kommenden Geschäftsjahr 2026/27 Einsparungen beim EBIT in Höhe von etwa 10 Millionen Euro jährlich. Die Nettofinanzposition des Konzerns wird zum Ende des dritten Quartals mit 627 Millionen Euro als weiterhin komfortabel bezeichnet.
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