ThyssenKrupp Nucera beendet eine unruhige Handelswoche. Am Freitag ging das Papier bei 7,54 Euro aus dem Markt. Zuvor fiel der Kurs Ende Juni auf ein neues Jahrestief von 6,92 Euro. Seitdem erholt sich der Wert leicht.
Das wahre Drama spielt sich jedoch abseits des Parketts ab. In der kommenden Woche stimmt der Bundestag über das neue Kraftwerksgesetz ab. Dieses Regelwerk definiert den Rahmen für die deutsche Wasserstoff-Infrastruktur. Es entscheidet direkt über die künftigen Aufträge des Elektrolyse-Spezialisten.
Blockiert der Staat Milliarden-Investitionen?
Die Regierung will den Bau wasserstofffähiger Gaskraftwerke massiv fördern. Branchenvertreter warnen indes vor zu engen Vorgaben. Die zentrale Frage für Aktionäre: Lösen die neuen Bedingungen den Investitionsstau bei industriellen Großprojekten auf?
Das Ziel: Energieversorger brauchen wirtschaftlich attraktive Förderungen. Nur unter diesen Bedingungen bestellen sie großskalierte Elektrolyseure bei ThyssenKrupp Nucera.
Bullisches Szenario: Politischer Rückenwind stützt den Kurs
Für eine weitere Erholung spricht die jüngste Stabilisierung. Die Aktie hat sich knapp neun Prozent vom Tief abgesetzt. Ein RSI-Wert von 43,7 zeigt an, dass der Wert noch nicht überkauft ist. Verabschiedet Berlin das Gesetz ohne drastische Verschärfungen, dürfte das Vertrauen in den deutschen Markt zurückkehren.
Ein verlässlicher Rahmen hilft ThyssenKrupp Nucera massiv. Das Unternehmen muss seine aktuelle Bewertung von rund 921 Millionen Euro mit neuen Projekten untermauern. Positive Signale kommen auch aus dem Mutterkonzern. Die Marinesparte TKMS sicherte sich kürzlich gute Aussichten bei einem kanadischen U-Boot-Projekt. Solche Nachrichten stärken die Schlagkraft des gesamten Verbunds.
Bärisches Szenario: Skepsis der Industrie und schwacher Chart
Zögern die potenziellen Großkunden, droht dem Wasserstoff-Spezialisten ein mageres Jahr. Am heutigen Samstag kritisierte RWE-Chef Markus Krebber mögliche Preisobergrenzen im Gesetzentwurf scharf. Solche Hürden schrecken Investoren ab. Halten sich Energieversorger in den kommenden Auktionen zurück, platzt der erhoffte Auftragsboom.
Auch die Charttechnik liefert weiter Warnsignale. Seit Jahresbeginn hat die Aktie über 15 Prozent an Wert verloren. Der Abstand zum 200-Tage-Durchschnitt von 8,64 Euro bleibt deutlich zweistellig. Gelingt keine schnelle Rückkehr über diese langfristige Trendlinie, drohen weitere Verluste. Die aktuelle Erholung wäre dann nur eine kurze Pause im intakten Abwärtstrend.
Ausblick: Die 8-Euro-Marke im Visier
Die Abstimmung im Parlament lenkt in den kommenden Tagen den Kurs. Verteidigt die Aktie ihr jüngstes Tief, winkt ein Angriff auf den 50-Tage-Durchschnitt. Dieser verläuft aktuell bei 8,11 Euro. Ein Sprung über diesen Widerstand könnte die Stimmung am Markt kurzfristig drehen.
Fällt das Gesetz bei der Energiewirtschaft durch, droht ein schneller Rückfall unter die Marke von sieben Euro. Unabhängig von Berlin steht der nächste Stichtag bereits fest. Am 12. August öffnet ThyssenKrupp Nucera die Bücher für das abgelaufene Quartal. Spätestens dann fordert der Markt harte Zahlen zum aktuellen Auftragsbestand.
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