Thyssenkrupp schließt einen Produktionsstandort in den USA — und die Aktie läuft trotzdem. Die Kombination aus operativer Straffung und besser als erwartetem Quartalsergebnis treibt den Kurs seit Wochen nach oben.
Werk in Indiana macht dicht
Das Unternehmen hat am 26. Mai 2026 bestätigt: Der Standort in Terre Haute, Indiana, wird geschlossen. Die Tochtergesellschaft Thyssenkrupp Presta North America betreibt das Werk. Bis zum 31. März 2027 soll die Abwicklung abgeschlossen sein.
Rund 230 Mitarbeiter verlieren ihren Job. Die Fahrwerkstechnik, die bisher in Indiana produziert wird, wandert komplett nach Hamilton, Ohio — zu Thyssenkrupp Bilstein of America. COO Viktor Molnar nennt die Konsolidierung einen notwendigen Schritt, um die US-Strukturen zu vereinfachen und die Marktposition langfristig zu sichern.
Aktie mit starkem Lauf
Der Kurs hat sich zuletzt deutlich erholt. Mit 11,46 Euro liegt die Aktie rund 28 Prozent über dem Stand vor einem Monat — und fast 60 Prozent über dem 52-Wochen-Tief von 7,15 Euro aus dem März. Vom Jahreshoch bei 13,24 Euro trennen den Titel noch knapp 14 Prozent.
Der RSI liegt bei 88,7. Das deutet auf eine technisch überkaufte Situation hin — kurzfristige Gegenbewegungen sind bei solchen Werten keine Seltenheit.
Analysten sehen noch Potenzial
Das zweite Quartal des Geschäftsjahres 2025/2026 lieferte Rückenwind: Auftragseingang und bereinigtes EBIT lagen über dem Vorjahresniveau. Die Analysten haben ihre Einschätzungen aktualisiert:
- Deutsche Bank: „Buy“, Kursziel 14,50 Euro
- Jefferies: „Buy“, Kursziel 13,00 Euro
- JPMorgan: „Neutral“, Kursziel 11,80 Euro
- DZ Bank: „Halten“, fairer Wert 11,00 Euro
Das Meinungsbild ist gespalten. Deutsche Bank und Jefferies sehen beim aktuellen Kurs noch Aufwärtspotenzial. JPMorgan und DZ Bank sehen die Aktie hingegen bereits fair bewertet oder leicht überteuert.
Parallel dazu hat Vermögensverwalter Amundi seinen Stimmrechtsanteil leicht auf 4,69 Prozent gesenkt — zuvor hielt er 5,10 Prozent.
Ob das Performanceprogramm „APEX“ den erhofften Turnaround liefert, wird sich spätestens mit den nächsten Quartalszahlen zeigen. Klar ist: Die Werksschließung in Indiana ist ein konkreter Schritt — kein symbolischer.
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