Die historische Neuausrichtung von Thyssenkrupp gerät ins Stocken. Während die Rüstungs- und Wasserstofftöchter mit neuen Großaufträgen glänzen, droht der entscheidende Verkauf der Stahlsparte an den indischen Konzern Jindal Steel zu scheitern. Zwei gewaltige finanzielle Hürden blockieren derzeit die Verhandlungen.
Pensionslasten und Energiekosten blockieren
Als massiver Stolperstein erweisen sich die historischen Pensionsverpflichtungen. Diese belaufen sich auf rund 2,4 Milliarden Euro und belasten die Stahlsparte schwer. Zusätzlich schrecken die anhaltend hohen europäischen Energiekosten den potenziellen Käufer ab. Jindal äußert konkrete Bedenken an der langfristigen Planbarkeit der Betriebskosten. Auch die Frage, wer die enormen Investitionen für den Umbau zur grünen Stahlproduktion trägt, ist weiterhin völlig ungeklärt.
Diese festgefahrene Situation treibt Anleger aus dem Wert. Am Freitag rutschte das Papier um 6,21 Prozent ab und markierte bei exakt 7,46 Euro ein neues 52-Wochen-Tief. Auf Monatssicht hat sich der Verlust der Aktie damit auf knapp 31 Prozent summiert.
Rüstung und Wasserstoff als Gegengewicht
Abseits der Stahlkrise liefert der Konzern handfeste Erfolge. Die Rüstungstochter Thyssenkrupp Marine Systems (TKMS) expandiert im Pazifikraum und baut gemeinsam mit ST Engineering ein neues Servicezentrum in Singapur auf. Da der Auftragsbestand der Sparte inzwischen 20 Milliarden Euro übersteigt, hob das Management die Umsatzprognose für das kommende Geschäftsjahr an.
Parallel dazu sicherte sich die Wasserstofftochter Nucera einen Großauftrag über 300 Megawatt Elektrolyse-Kapazität in Spanien. Das dreistellige Millionenvolumen dieses Projekts führte ebenfalls zu einer angehobenen Auftragsprognose.
Trotz dieser Lichtblicke steht die Konzernführung unter extremem Zugzwang. Platzt der Deal mit Jindal endgültig, muss Thyssenkrupp alternative Wege finden, um die milliardenschwere Transformation der Stahlsparte aus eigener Kraft zu finanzieren. Eine offizielle Entscheidung über den Fortgang oder Abbruch der Gespräche hat das Management für den kommenden Monat angekündigt.
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