Startseite » DAX » Thyssenkrupp Aktie: Salzgitter übernimmt HKM-Anteile

Thyssenkrupp Aktie: Salzgitter übernimmt HKM-Anteile

Thyssenkrupp profitiert von weniger chinesischer Stahlproduktion, höherer Marine-Nachfrage und besseren Aussichten für grünen Stahl.

Die wichtigsten Punkte im Überblick

  • China dämpft den internationalen Stahldruck
  • Aktie erreicht neues 52-Wochen-Hoch
  • TKMS steigert seine Umsatzprognose
  • EU genehmigt Duisburger Förderregeländerung

Es gibt Aktien, die steigen, weil eine Story stimmt. Und es gibt Aktien, die steigen, weil gleich mehrere Storys zufällig aufeinandertreffen. Thyssenkrupp ist gerade Letzteres – und genau das macht die Sache interessant für jeden, der über den nächsten Kurssprung hinausdenkt.

Am Mittwoch schätzte JPMorgan, dass die chinesische Stahlproduktion in einer Zehn-Tage-Periode annualisiert auf 909 Millionen Tonnen zurückgegangen ist, ein Minus von 7 Prozent. Für europäische Hersteller wie Thyssenkrupp, ArcelorMittal, Salzgitter, Voestalpine oder SSAB bedeutet weniger chinesischer Output vor allem eines: weniger Preisdruck von außen.

Die Aktie legte daraufhin am Donnerstag um 3,5 Prozent auf 14,89 Euro zu und kratzte damit am 52-Wochen-Hoch von 14,95 Euro, das sie am Freitag markierte. Wer sich fragt, wie ein Konzern binnen 30 Tagen um 25 Prozent zulegen kann, findet in diesem China-Effekt nur einen Baustein von mehreren.

Der eigentliche Umbau läuft im Hintergrund

Denn während sich der Blick vieler Anleger auf Kurscharts richtet, vollzieht sich bei Thyssenkrupp gerade eine strukturelle Verschiebung, die mehr über die Zukunft des Konzerns aussagt als jeder Tagesausschlag.

Am 7. August genehmigten die Aktionäre auf einer außerordentlichen Hauptversammlung die Verselbstständigung von tk accelis. Im Juli übernahm Salzgitter die Anteile an HKM, dem gemeinsamen Hüttenwerk, und integriert es in die eigene Dekarbonisierungsstrategie SALCOS. Thyssenkrupp wird kleinteiliger – und das ist offenbar gewollt.

Parallel dazu bekommt die Marinesparte TKMS ein ganz eigenes Momentum. Die Umsatzprognose für den Bereich wurde von zuvor 2 bis 5 Prozent auf 10 bis 12 Prozent angehoben, getrieben von steigender Nachfrage nach Rüstungsgütern.

Ein Milliardendeal über sechs U-Boote für die indische Marine steht Medienberichten zufolge kurz vor der Genehmigung. Wer also fragt, warum ein traditioneller Stahlkonzern plötzlich als Wachstumsstory gehandelt wird, bekommt hier eine Teilantwort: Es ist längst nicht mehr nur Stahl.

Grüner Stahl bekommt grünes Licht

Am 13. August meldete Thyssenkrupp zugleich robuste Quartalszahlen – das bereinigte EBIT stieg im dritten Geschäftsquartal um 18 Prozent auf 183 Millionen Euro, der Umsatz um 8 Prozent auf 8,8 Milliarden Euro. Die Jahresprognose für das bereinigte EBIT wurde in der Untergrenze von 500 auf mindestens 600 Millionen Euro angehoben, gestützt durch Stärke in Stahl und Marine.

Diese Anhebung liegt nun gut zwei Wochen zurück, seither hat die Aktie um 11,7 Prozent zugelegt – ein Beleg dafür, wie sehr der Markt die Kombination aus Prognoseanhebung und operativer Diversifikation goutiert.

Am selben Tag genehmigte die EU-Kommission eine Änderung der Förderregeln für das 3-Milliarden-Euro-Grünstahlprojekt in Duisburg. CFO Axel Hamann sprach davon, dass die Bundesregierung die Förderbescheide nun zügig anpassen könne. Für einen Konzern, der seit Jahren mit dem Spagat zwischen fossiler Vergangenheit und grüner Zukunft ringt, ist das ein handfestes Signal: Die Transformation bekommt einen verlässlicheren Finanzierungsrahmen.

Wenn Analysten reihenweise nachziehen

Dass institutionelle Beobachter diese Gemengelage goutieren, zeigte sich Mitte des Monats deutlich. Die DZ Bank hob ihre Einstufung am 21. August von Hold auf Buy und das Kursziel von 11 auf 16 Euro. Bank of America erhöhte tags zuvor ihr Kursziel von 19 auf 22 Euro bei bestätigter Kaufempfehlung.

Citigroup-Analyst Ephrem Ravi zog nach und hob sein Kursziel deutlich auf 20 Euro an – er beschrieb das Unternehmen als reich an Kurstreibern, reich an Finanzmitteln und mit Nachholbedarf bei der Bewertung.

Bleibt die Frage, ob diese Gemengelage – China-Entlastung, Marine-Boom, Grünstahl-Fördergeld und ein Konzern, der sich in Teile zerlegt, um jeden einzelnen sichtbarer zu machen – tatsächlich eine neue Ära einläutet oder nur ein günstiges Zusammentreffen mehrerer Zyklen ist. Der RSI von 71,7 signalisiert jedenfalls, dass der Markt diese Frage im Moment sehr optimistisch beantwortet.

Anzeige

Thyssenkrupp-Aktie: Kaufen oder verkaufen?! Neue Thyssenkrupp-Analyse vom 28. August liefert die Antwort:

Die neusten Thyssenkrupp-Zahlen sprechen eine klare Sprache: Dringender Handlungsbedarf für Thyssenkrupp-Aktionäre. Lohnt sich ein Einstieg oder sollten Sie lieber verkaufen? In der aktuellen Gratis-Analyse vom 28. August erfahren Sie was jetzt zu tun ist.

Thyssenkrupp: Kaufen oder verkaufen? Hier weiterlesen...

Diskussion zu Thyssenkrupp

Felix Baarz

Felix Baarz ist Wirtschaftsjournalist mit mehr als 15 Jahren Erfahrung in der Berichterstattung über internationale Finanzmärkte. Als gebürtiger Kölner begann er seine Laufbahn bei einer deutschen Fachpublikation, bevor er für sechs Jahre nach New York zog.

In New York berichtete er direkt aus dem Zentrum der globalen Finanzwelt über Entwicklungen an der Wall Street und wirtschaftspolitische Entscheidungen von internationaler Tragweite. Diese Zeit prägte seine analytische Herangehensweise an komplexe Wirtschaftsthemen.

Heute arbeitet Baarz als freier Journalist für führende deutschsprachige Wirtschafts- und Finanzmedien. Seine Schwerpunkte liegen auf der fundierten Analyse globaler Finanzmärkte und der verständlichen Aufbereitung wirtschaftspolitischer Zusammenhänge. Neben seiner schriftlichen Arbeit moderiert er Fachdiskussionen und nimmt an Expertenrunden teil.

Sein journalistischer Ansatz kombiniert tiefgreifende Recherche mit präziser Analyse, um Lesern Orientierung in einer sich wandelnden Wirtschaftswelt zu bieten.