Für Thyssenkrupp-Aktionäre war der vergangene Freitag ein Stichtag: Auf einer außerordentlichen Hauptversammlung stimmten sie über die Abspaltung der Werkstoffhandelssparte tk accelis ab. Die Aktie schloss den Handelstag bei 12,54 Euro, nur 5,92 Prozent unter ihrem 52-Wochen-Hoch von 13,34 Euro, das der Titel Anfang Oktober erreicht hatte. Auf Jahressicht steht seit Jahresbeginn ein Plus von 35,27 Prozent zu Buche – ein Beleg dafür, wie stark die Umbaupläne des Konzerns die Erwartungen der Anleger inzwischen prägen.
Accelis-Zeitplan bleibt auf Kurs
Der Fahrplan für die Ausgliederung steht bereits seit Anfang August fest: Für je 20 Thyssenkrupp-Aktien sollen Anteilseigner künftig eine Aktie der neuen Gesellschaft erhalten, während der Mutterkonzern zunächst 51 Prozent an tk accelis hält. Die Eintragung ins Handelsregister ist bis Ende August geplant, rechtswirksam soll die Abspaltung Ende Oktober werden. Die neue Einheit bringt Substanz mit: Rund 15.500 Beschäftigte an mehr als 400 Standorten erwirtschafteten zuletzt einen Umsatz von 11,4 Milliarden Euro. Im zweiten Geschäftsquartal sprang das bereinigte Ergebnis von tk accelis nach Medienberichten um 179 Prozent nach oben – ein Signal, dass die Sparte operativ in guter Verfassung in die Eigenständigkeit startet.
Nucera rutscht in die roten Zahlen
Während die Materialhandelssparte Rückenwind zeigt, belastet die Wasserstofftochter Thyssenkrupp Nucera die Konzernbilanz. Im dritten Geschäftsquartal 2025/26 sank der Umsatz auf 145 Millionen Euro, nach 184 Millionen Euro im Vorjahresquartal. Auf Neun-Monats-Basis drehte das Konzern-EBIT von plus 4 Millionen Euro im Vorjahreszeitraum auf minus 69 Millionen Euro. Laut der Ad-hoc-Mitteilung des Unternehmens gehen die höheren Kosten auf Neubauprojekte sowie auf die Auflösung eines Vertrags für ein US-Projekt im Segment gH2 zurück. Immerhin: Die Umsatzentwicklung lag oberhalb der bisherigen Erwartungen des Managements, auch wenn der Ergebnisrückgang deutlich ausfiel.
Für Anleger, die auf die Kursentwicklung der Thyssenkrupp-Aktie schauen, ist die Nucera-Entwicklung ein Erinnerungsposten: Der Konzernumbau verläuft nicht in allen Sparten gleich reibungslos. Während tk accelis mit starkem Wachstum in die Selbstständigkeit entlassen wird, zeigt die Wasserstofftochter, dass junge Zukunftsgeschäfte noch mit Anlaufkosten und Projektrisiken kämpfen.
Zwischenbericht am 13. August im Blick
Der nächste Termin mit Marktrelevanz steht bereits fest: Am 13. August veröffentlicht Thyssenkrupp den Zwischenbericht für die ersten neun Monate des Geschäftsjahres 2025/2026. Ab 11:00 Uhr erläutern Vorstandsvorsitzender Miguel Ángel López Borrego und Finanzvorstand Dr. Axel Hamann die Zahlen in einer Analysten-Telefonkonferenz. Nach den Nucera-Belastungen und dem laufenden Umbau der Werkstoffhandelssparte dürfte dieser Termin zeigen, wie sich die einzelnen Konzernbereiche im dritten Quartal tatsächlich entwickelt haben – und wie belastbar die positive Kursentwicklung der vergangenen Monate fundamental unterlegt ist.
Analystenseite bleibt konstruktiv
Ende Juli hatte die Deutsche Bank ihr Kursziel für Thyssenkrupp von 14,50 auf 16 Euro angehoben und die Einstufung auf „Buy“ belassen. Der zuständige Analyst bewertete die geplante Abspaltung von tk accelis damals als eine Art Sachdividende für die Aktionäre und sah über das erhöhte Kursziel hinaus noch zusätzliches Aufwärtspotenzial von rund zwei Euro. Die jüngste Kursentwicklung – ein Plus von 8,61 Prozent binnen 30 Tagen – deutet darauf hin, dass der Markt diese Einschätzung zumindest teilweise nachvollzieht. Ob sich der positive Trend nach dem Zwischenbericht fortsetzt, dürfte maßgeblich davon abhängen, wie deutlich die Nucera-Belastungen das Konzernergebnis am 13. August tatsächlich drücken.
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