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Thyssenkrupp Aktie: Niedrigwasser gegen Aufwärtstrend

Thyssenkrupp kämpft mit sinkenden Rheinpegeln, während die Tochter Nucera in Brasilien eine neue Anlage einweiht. Die Aktie zeigt sich trotz Logistikproblemen im Aufwärtstrend.

Die wichtigsten Punkte im Überblick

  • Niedrigwasser stoppt Binnenschifffahrt
  • Nucera weiht Anlage in Brasilien ein
  • Aktie notiert über 200-Tage-Linie
  • Quartalszahlen im August als Prüfstein

Ein sinkender Rhein-Pegel trifft auf einen steigenden Aktienkurs. Bei Thyssenkrupp prallen gerade zwei Entwicklungen aufeinander, die kaum gegensätzlicher sein könnten. Während die Tochter Nucera im Ausland neue Anlagen einweiht, kämpft der Heimatstandort Duisburg mit einem massiven Logistikproblem.

Die Aktie hat seit Jahresbeginn um 28,10 Prozent zugelegt. Am Mittwoch schloss sie bei 11,88 Euro, ein Minus von 2,34 Prozent zum Vortag. Der Abstand zum 52-Wochen-Hoch von 13,24 Euro wuchs damit leicht auf gut zehn Prozent.

Zwei Nachrichten, ein Konzern

Auf der einen Seite steht ein handfester operativer Erfolg. Thyssenkrupp Nucera hat in Brasilien eine neue Chlor-Alkali-Elektrolyseanlage offiziell übergeben. Das Projekt unterstreicht die Position der Tochter bei energieeffizienten Elektrolyse-Verfahren, einem Wachstumsfeld für den Konzern.

Auf der anderen Seite spitzt sich die Lage am Rhein zu. Der Pegel in Duisburg-Ruhrort lag zuletzt bei 163 Zentimetern und steuert auf einen weiteren Tiefstand zu. Thyssenkrupp hat deshalb eine Task Force aktiviert und die eigene Schubschifffahrt vorerst eingestellt. Manche Schiffe lassen sich nur noch zu einem Drittel beladen.

Die entscheidende Frage: Frisst das Niedrigwasser die Marge?

Für die kommenden Monate zählt vor allem eine Frage: Kann Thyssenkrupp die Mehrkosten durch Schienentransporte und gedrosselte Binnenschifffahrt auffangen? Die Aktie hat sich seit ihrem 52-Wochen-Tief von 7,10 Euro im März um 67,28 Prozent erholt. Ob diese Erholung stark genug ist, eine witterungsbedingte Ergebnisdelle abzufedern, ohne dass der Aufwärtstrend kippt, bleibt offen.

Was für steigende Kurse spricht

Die operative Dynamik bei den Zukunftstechnologien liefert Argumente für Optimisten. Die erfolgreiche Anlagen-Inbetriebnahme in Brasilien zeigt: Nucera liefert. Auch charttechnisch steht die Aktie gut da. Sie notiert 18,14 Prozent über ihrem 200-Tage-Durchschnitt von 10,06 Euro und damit klar im mittelfristigen Aufwärtstrend.

Der RSI liegt bei 53,8 Punkten, also im neutralen Bereich. Weder überkauft noch überverkauft — Raum für weitere Bewegung nach oben bleibt. Lässt der Verkaufsdruck nach, könnte das Vertrauen in die langfristige Strategie die kurzfristigen Logistiksorgen überlagern.

Was gegen die Aktie spricht

Das größte Risiko bleibt die Dauer der Niedrigwasserperiode. Fallen die Pegel weiter, drohen Produktionsdrosselungen in der Stahlsparte. Die Schiene allein kann den Ausfall der Binnenschifffahrt nicht vollständig kompensieren.

Hinzu kommt Unruhe auf Führungsebene. Die Ernennung von Harald Espenhahn zum neuen Chef der Tochter Rasselstein sorgt für Diskussionen. Medienberichten zufolge wird seine berufliche Vergangenheit mit einem schweren Unglücksfall in Italien in Verbindung gebracht. Solche Personalien könnten das ESG-Profil des Konzerns belasten und institutionelle Investoren in einer ohnehin unsicheren Phase zur Zurückhaltung bewegen.

Entscheidung an der 50-Tage-Linie

Der 50-Tage-Durchschnitt bei 11,38 Euro markiert derzeit die wichtigste Marke. Verteidigt die Aktie dieses Niveau, bleibt ein erneuter Angriff auf das Jahreshoch von 13,24 Euro ein realistisches Szenario. Rutscht der Kurs darunter, wächst das Risiko eines Rückfalls Richtung 10 Euro — dort verläuft der 200-Tage-Durchschnitt als nächste Auffanglinie.

Der nächste konkrete Prüfstein kommt im August. Dann legt Thyssenkrupp seinen Quartalsbericht vor, und der Markt erwartet klare Aussagen dazu, wie stark die Logistikprobleme am Rhein das operative Ergebnis tatsächlich belastet haben.

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Diskussion zu Thyssenkrupp

Eduard Altmann

Eduard Altmann ist Finanzexperte mit über 25 Jahren Erfahrung an den globalen Finanzmärkten. Als Analyst und Autor beim VNR Verlag für die Deutsche Wirtschaft spezialisiert er sich auf Aktienmärkte, Gold, Silber, Rohstoffe und den Euro.

Altmann ist überzeugter Verfechter des Value-Investing und identifiziert unterbewertete Unternehmen mit hohem Wachstumspotenzial. Sein Börsendienst "Megatrend-Depot" vermittelt praxisnahe Strategien erfolgreicher Value-Investoren. Mit seinem Motto "Manage dein Vermögen selbst" inspiriert er Anleger zur eigenverantwortlichen Vermögensverwaltung.

Seine Analysen basieren auf der fortschrittlichen Gann-Strategie, die präzise Vorhersagen für Rohstoffmärkte ermöglicht. Diese technische Analysemethode kombiniert historische Daten mit Zyklusanalysen und macht seine Marktprognosen besonders treffsicher.

Durch zahlreiche Publikationen und verständliche Erklärungen komplexer Finanzthemen unterstützt Altmann sowohl Einsteiger als auch erfahrene Investoren bei fundierten Anlageentscheidungen. Seine Arbeit verbindet theoretische Expertise mit praktischen Empfehlungen für den strategischen Vermögensaufbau.