Sechs Milliarden Euro für vier Kriegsschiffe. Trotzdem gibt die Thyssenkrupp-Aktie in der vergangenen Woche nach. Der Widerspruch zwischen Rekordauftrag und Kursverlauf zeigt: Anleger bewerten Rüstungsgeschäfte inzwischen genauer als früher.
Bundestag billigt Milliardenauftrag für vier Fregatten
Der Haushaltsausschuss des Bundestags genehmigte am 8. Juli die Beschaffung von vier U-Jagd-Fregatten. Der Typ heißt MEKO A-200 DEU. Das Auftragsvolumen liegt bei rund 6,3 Milliarden Euro.
Der Bund bestellt die Schiffe direkt über einen sogenannten Festabruf. Der Auftrag ersetzt das zuvor gestoppte Projekt F126. Hinzu kommt eine Option auf vier weitere Fregatten im Wert von rund 5,3 Milliarden Euro.
Für diese Option braucht der Bund noch eine separate parlamentarische Freigabe. Berlin knüpft den Auftrag zudem an Bedingungen. TKMS muss bevorzugt Werftstandorte und Subunternehmer einbeziehen, die durch die Absage von F126 Aufträge verloren hatten.
Diese Vorgabe gilt auch für die Option auf die zusätzlichen vier Schiffe. Genau hier vermuten Analysten einen Grund für die verhaltene Kursreaktion. Der Auftrag bringt zwar Umsatz, aber auch zusätzliche Auflagen bei der Umsetzung.
Zweite Rüstungsnachricht binnen weniger Tage
Der Fregattenauftrag ist bereits die zweite positive Nachricht für die Marinesparte innerhalb weniger Tage. Am 6. Juli kürte Kanada TKMS zum bevorzugten Lieferanten für sein U-Boot-Programm CPSP. Das Projekt umfasst bis zu zwölf U-Boote des Typs 212CD.
Diese Nachricht trieb die Aktie zuvor auf ein neues Jahreshoch. Nur wenige Tage später folgte der deutsche Fregattenauftrag. Zwei Milliardendeals in einer Woche – und trotzdem kein anhaltender Kursschub.
Kursverlauf: Erholung mit Bremsspuren
Die Thyssenkrupp-Aktie schloss am Freitag bei 11,50 Euro, ein Plus von 1,72 Prozent zum Vortag. Auf Wochensicht steht dennoch ein Minus von 3,85 Prozent zu Buche. Analysten werten das als Gewinnmitnahmen nach den positiven Nachrichten aus Berlin und Kanada.
Der Rückgang wirkt allerdings nur auf den ersten Blick alarmierend. Über längere Zeiträume zeigt der Kurs ein deutlich freundlicheres Bild.
Auf Monatssicht legte die Aktie um 9,58 Prozent zu, seit Jahresbeginn um 18,90 Prozent. Auf Zwölfmonatssicht bleibt noch ein Plus von 4,88 Prozent.
Die Erholungsbewegung reicht dabei weit zurück. Vom 52-Wochen-Tief bei 7,10 Euro, markiert am 30. März, hat sich die Aktie kräftig erholt. Der Abstand zu diesem Tiefpunkt liegt inzwischen bei knapp 62 Prozent.
Zum 52-Wochen-Hoch von 13,24 Euro aus dem Oktober fehlen dagegen noch gut 13 Prozent. Der Kurs notiert klar über dem 50-Tage-Durchschnitt von 11,00 Euro und über dem 200-Tage-Durchschnitt von 9,96 Euro. Der RSI von 54,7 zeigt noch keine überkaufte Marktlage an.
Marinesparte wird zum Wachstumstreiber
Die Marinesparte notiert inzwischen eigenständig an der Börse. Thyssenkrupp bleibt dort aber als Großaktionär beteiligt. Während das klassische Stahlgeschäft weiter mit strukturellen Problemen kämpft, liefert die Marine mit Großaufträgen aus Deutschland und Kanada positive Impulse für die Bewertung des Gesamtkonzerns.
Die widersprüchliche Kursreaktion zeigt aber auch etwas anderes. Der Markt achtet nicht mehr nur auf das reine Auftragsvolumen. Umsetzungsrisiken und politische Auflagen fließen zunehmend in die Bewertung von Rüstungsgeschäften ein.
In den kommenden Wochen bleibt entscheidend, ob der Bund die Option auf die vier weiteren Fregatten zieht. Ebenso wichtig wird, wie konkret sich das kanadische U-Boot-Programm weiterentwickelt.
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