Volle Auftragsbücher in der Marine, schwache Nachfrage bei Stahl und Auto: Thyssenkrupp liefert ein gemischtes Halbjahr. Der Konzern profitiert von U-Booten, muss aber die Umsatzprognose senken. Der nächste Impuls könnte aus Kanada kommen.
Die Aktie spiegelt diese Ambivalenz. Der Schlusskurs lag am Dienstag bei 9,94 Euro. Auf Wochensicht verlor der Titel 10,77 Prozent, bleibt über einen Monat aber 18,45 Prozent im Plus.
Marine Systems zieht die Aufträge hoch
Im jüngsten Quartal stieg der Auftragseingang um 32 Prozent auf 10,6 Milliarden Euro. Den Schub lieferte vor allem Marine Systems mit Großaufträgen und zusätzlicher Nachfrage nach Marineelektronik.
Besonders wichtig war die Erweiterung des Norwegen-Auftrags um zwei U-Boote der Klasse 212CD. Damit wächst der Marinebereich weiter in eine Rolle hinein, die für den Konzernumbau zentral wird.
Beim Umsatz sieht das Bild schwächer aus. Die Erlöse fielen von 8,6 auf 8,4 Milliarden Euro. Steel Europe litt unter niedrigeren Preisen, Automotive Technology unter geringeren Kundenabrufen.
APEX stabilisiert das Ergebnis
Operativ kam Thyssenkrupp dennoch voran. Das bereinigte EBIT verbesserte sich deutlich, gestützt durch Effekte aus dem APEX-Performanceprogramm. Der Konzern bestätigte seine Ziele für bereinigtes EBIT, Free Cashflow vor M&A und Nettoergebnis.
Auch beim Mittelabfluss zeigt sich Entlastung. Der Free Cashflow vor M&A lag bei minus 327 Millionen Euro, nach minus 569 Millionen Euro im Vorjahr. Das bleibt negativ, fällt aber deutlich weniger schwer aus.
Die Bilanz gibt dem Umbau weiter Spielraum. Die Netto-Finanzaktiva lagen bei 2,8 Milliarden Euro, die verfügbare Liquidität bei 4,6 Milliarden Euro.
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Der Haken liegt beim Ausblick. Thyssenkrupp senkte die Umsatzprognose für das laufende Jahr, weil Stahl und Auto schwächer laufen. Beim Free Cashflow vor M&A rechnet der Konzern weiter mit einem Minus von bis zu 600 Millionen Euro.
Unterm Strich stand ein Fehlbetrag von 11 Millionen Euro. Ein Jahr zuvor hatte Thyssenkrupp noch 167 Millionen Euro verdient. Damals half ein Nachsteuergewinn von rund 270 Millionen Euro aus dem Verkauf von Electrical Steel India.
Kanada wird zum nächsten Test
Für TKMS nähert sich eine wichtige Entscheidung. Chef Oliver Burkhard rechnet damit, dass Kanada noch im ersten Halbjahr über sein U-Boot-Programm entscheidet. Thyssenkrupp konkurriert dort mit Hanwha Ocean um bis zu zwölf Boote.
Der mögliche Auftrag hätte Gewicht. Branchenkreise schätzen den Wert auf mehr als zehn Milliarden US-Dollar. Die Vergabe wird zwischen Mai und Juni 2026 erwartet.
Der Konzernumbau läuft derweil weiter. Thyssenkrupp meldete den Verkauf von Automation Engineering an Agile Robots als abgeschlossen. Bei HKM bereitet das Management die neue Gesellschafterstruktur vor.
CEO Miguel López hält am Umbau zur Finanzholding fest. Das Eigenkapital lag zum Stichtag bei 10,3 Milliarden Euro, die Eigenkapitalquote bei 36 Prozent.
Bis zur erwarteten Kanada-Entscheidung bleibt TKMS der sichtbarste Kurstreiber. Ohne Rückenwind aus diesem Projekt muss Thyssenkrupp die Schwäche in Stahl und Auto über APEX und den Holding-Umbau abfedern.
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