Thyssenkrupp steht kurz vor einer wichtigen Marke. Am 14. August erreichte die Aktie 13,85 Euro und damit den höchsten Stand seit fünf Jahren. Zum Wochenschluss notierte das Papier bei 13,79 Euro, nur 1,5 Prozent unter dem 52-Wochen-Hoch von 14,00 Euro.
Zwei Baustellen treiben den Kurs: die Marinesparte TKMS und der geplante Umbau der Stahlsparte. Beide Themen könnten in den kommenden Wochen für neue Impulse sorgen.
TKMS beflügelt die Konzernmutter
Die Aktien der Marinetochter TKMS legten zuletzt zeitweise zweistellig zu. Auslöser war eine Kaufempfehlung der Investmentbank Bernstein. Der Kurs erreichte damit das höchste Niveau seit dem Börsengang im Oktober 2025.
Thyssenkrupp hält weiterhin einen erheblichen Anteil an TKMS. Die Kursstärke der Rüstungssparte strahlt deshalb direkt auf die Konzernmutter aus.
Den eigentlichen Auslöser für die Kursrally lieferte aber der Bericht zum dritten Geschäftsquartal am 13. August. Die Stammaktie legte danach 4,6 Prozent zu und erreichte ein neues Hoch seit 2018. Jefferies-Analyst Tommaso Castello sieht darin ein klares Signal: Die Kostenmaßnahmen des Konzerns tragen im schwierigen Umfeld erste Früchte.
Stahlsparte: Ziel wirft Fragen auf
Neben TKMS rückt nun die zweite große Umbau-Baustelle in den Fokus. Thyssenkrupp will an seiner Stahlsparte Steel Europe künftig nur noch eine Minderheit halten. Ende September ist ein Kapitalmarkttag geplant, der als nächster wichtiger Meilenstein im Konzernumbau gilt.
Bei den operativen Zielen gibt es bereits Diskussionsstoff. Der Konzern hat für das Geschäftsjahr ein operatives Ergebnis von 350 bis 400 Millionen Euro angepeilt. Nach neun Monaten stehen bereits 373 Millionen Euro zu Buche – die Sparte liegt also schon jetzt im oberen Zielbereich.
JPMorgan-Analyst Dominic O’Kane stellt deshalb eine berechtigte Frage: Ist das Jahresziel einfach vorsichtig kalkuliert? Oder deutet es auf Probleme zum Jahresende hin? Eine klare Antwort liefert der Konzern bislang nicht.
Ein weiterer Punkt spricht für die operative Stabilität: Trotz niedriger Pegelstände auf wichtigen Wasserstraßen konnte Thyssenkrupp die Produktion nach eigenen Angaben aufrechterhalten. Logistische Probleme haben den Turnaround damit bislang nicht ausgebremst.
Charttechnik zeigt Stärke – und Risiko
Der Aufwärtstrend bleibt intakt. Der Kurs liegt 18 Prozent über dem 50-Tage-Durchschnitt und sogar 35 Prozent über der 200-Tage-Linie. Mit einem RSI von 71,5 nähert sich die Aktie allerdings einer überkauften Zone – kurzfristige Rücksetzer sind daher nicht ausgeschlossen.
Sollte Thyssenkrupp die Marke von 14 Euro nachhaltig überwinden, wäre das ein weiteres Kaufsignal. Der Kapitalmarkttag von Steel Europe Ende September dürfte dabei zusätzliche Impulse liefern, sobald konkrete Details zur Neuordnung der Stahlsparte bekannt werden. Auch TKMS bleibt ein wichtiger Kurstreiber, solange die Marinesparte von positiven Analystenkommentaren profitiert.
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