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Thyssenkrupp Aktie: EU halbiert Stahlimportquoten ab Juli

Verschärfte EU-Stahlimportquoten und die Wiederinbetriebnahme eines Warmwalzwerks stärken Thyssenkrupp, während ein Governance-Konflikt die Stahlsparte belastet.

Die wichtigsten Punkte im Überblick

  • EU senkt Stahlimportquoten drastisch
  • Warmbandwerk 4 startet Probebetrieb
  • Auftragseingang steigt um 32 Prozent
  • Streit um Stahlsparten-Zukunft eskaliert

Für Thyssenkrupp verdichten sich im Juni 2026 gleich mehrere Entwicklungen auf einmal. Neue EU-Importregeln stärken die Wettbewerbsposition im Heimatmarkt, ein havariertes Warmwalzwerk läuft wieder an — und intern schwelt ein Governance-Streit über die Zukunft der Stahlsparte.

EU halbiert Stahlimportquoten

Ab 1. Juli greifen verschärfte europäische Schutzmaßnahmen gegen globale Stahlüberkapazitäten. Die zollfreie Importmenge sinkt auf 18,3 Millionen Tonnen jährlich — eine Reduktion von knapp 47 Prozent gegenüber dem bisherigen Niveau. Volumen darüber hinaus wird mit 50 Prozent Zoll belegt, dem Doppelten des bisherigen Satzes.

Das Europäische Parlament verabschiedete die Verordnung am 19. Mai. Die formelle Ratszustimmung steht noch aus, gilt aber als gesichert: Parlament und Rat haben sich im Trilogverfahren bereits geeinigt. Die bisherigen Schutzmaßnahmen laufen am 30. Juni aus, die neue Regelung greift nahtlos.

Für Thyssenkrupp, das seit Jahren für stärkeren Schutz gegen chinesische Überkapazitäten lobbyiert, ist das ein struktureller Rückenwind. Nicht alle Segmente profitieren jedoch gleichermaßen. Thyssenkrupp Electrical Steel, einer von nur noch zwei europäischen Herstellern von kornorientiertem Elektroband für Transformatoren und Windkraftanlagen, fällt aus den neuen Quotenkürzungen heraus. Der Konzern hat deshalb bei der EU-Kommission eine separate Schutzmaßnahmen-Untersuchung beantragt — Brüssel hat dem Antrag inzwischen stattgegeben.

Der Druck auf dieses Segment ist erheblich. Am Standort Isbergues in Frankreich stoppt die Produktion von Juni bis September vollständig, rund 600 Beschäftigte sind betroffen. Asiatische Anbieter decken mittlerweile mehr als die Hälfte des EU-Marktvolumens ab, teils deutlich unter europäischen Produktionskosten.

Warmbandwerk 4 wieder im Probebetrieb

Parallel dazu hat Thyssenkrupp Steel einen wichtigen operativen Meilenstein erreicht. Das Warmbandwerk 4 in Duisburg nimmt nach einer Verpuffung mit anschließendem Brand vom Oktober 2025 den Probebetrieb wieder auf. Damals wurden Öfen und Teile der Dachkonstruktion beschädigt. Im Zuge der Instandsetzung wurden technische Optimierungen umgesetzt, die Anlagenverfügbarkeit und Prozessstabilität verbessern sollen. Die zugehörige Stranggießanlage war bereits Mitte Dezember wieder in Betrieb gegangen.

Das Werk produziert warmgewalzte Flachprodukte für Automobilindustrie, Maschinenbau, Bauwesen und Energiebranche — darunter hochfeste Premiumstähle.

Governance-Streit bremst Stahlumbau

Fundamental läuft es besser. Der Auftragseingang im zweiten Quartal des Geschäftsjahres 2025/2026 sprang auf 10,6 Milliarden Euro, ein Plus von 32 Prozent gegenüber dem Vorjahr, getrieben durch Großaufträge bei Marine Systems. Das bereinigte EBIT kletterte auf 198 Millionen Euro — nach 19 Millionen Euro im Vorjahreszeitraum. Die Jahresprognose bekräftigt der Konzern: bereinigtes EBIT zwischen 500 und 900 Millionen Euro.

Die Aktie schloss am Freitag bei 11,37 Euro, verlor auf Tagesbasis 3,28 Prozent — steht auf Jahressicht aber noch mit gut 17 Prozent im Plus.

Intern aber hakt es. Der Aufsichtsrat soll im Juni über die Zukunft der Sparte Materials Services entscheiden. Das Management drängt auf eine Umwandlung in eine Kommanditgesellschaft auf Aktien, die Thyssenkrupp operative Kontrolle auch bei einem Minderheitsanteil sichern würde. Die IG Metall widerspricht: Eine KGaA höhle die Mitbestimmungsrechte der Beschäftigten faktisch aus. Stellvertretender Aufsichtsratsvorsitzender Jürgen Kerner fordert direkte Gespräche mit Vorstandschef Miguel López — just nachdem Verhandlungen mit dem potenziellen Partner Jindal Steel International pausiert wurden. Ohne externen Investor drängt die Belegschaft darauf, dass der Konzern die Restrukturierung aus eigener Kraft vorantreibt. Wie der Aufsichtsrat in dieser Frage entscheidet, dürfte den Kurs der Stahlsparte auf Monate hinaus prägen.

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