Thyssenkrupp hat im dritten Geschäftsquartal 2025/2026 Umsatz und bereinigtes EBIT gesteigert und blickt zuversichtlicher auf das Gesamtjahr. Der Konzern hob am 13. August die Untergrenze seiner Ergebnisprognose deutlich an: Statt mindestens 500 Millionen Euro bereinigtem EBIT erwartet das Management nun 600 bis 900 Millionen Euro. Auch die Bandbreite für das Nettoergebnis wurde nach oben verengt.
Marine Systems und Nucera mit gegenläufigen Signalen
Die Werftsparte Thyssenkrupp Marine Systems (TKMS) lieferte am 12. August ebenfalls positive Nachrichten: Nach neun Monaten des laufenden Geschäftsjahres erhöhte die Sparte ihre Prognose und rechnet mit deutlich stärkerem Wachstum als bislang angenommen. TKMS zählt damit neben dem Stahlgeschäft zu den Wachstumstreibern innerhalb des Konzerns.
Gegenläufig entwickelt sich die Wasserstofftochter Thyssenkrupp Nucera. Am selben Tag teilte das Unternehmen mit, die Serienfertigung der Hochtemperatur-Elektrolyse (SOEC) einzustellen.
Der Schritt kostet im vierten Quartal rund 30 Millionen Euro durch Wertberichtigungen auf die Pilotanlage und aufgelaufene Entwicklungskosten. Nucera verschärfte daraufhin seine EBIT-Prognose für das laufende Geschäftsjahr auf minus 105 bis minus 75 Millionen Euro, nach zuvor minus 80 bis minus 30 Millionen Euro.
Auch die Umsatzerwartung sank, das Segment Grüner Wasserstoff dürfte nun nur noch 100 bis 130 Millionen Euro statt bis zu 170 Millionen Euro erlösen. Immerhin stellt Nucera für das Geschäftsjahr 2026/27 positive Effekte von 10 Millionen Euro beim EBIT und 20 Millionen Euro beim Cashflow durch die Neuausrichtung in Aussicht.
Für Anleger zeigt sich damit ein zweigeteiltes Bild: Während das Kerngeschäft mit Stahl und Marine solide läuft, muss sich die Wasserstoffsparte von einer teuren Fehlinvestition trennen. Der Konzern insgesamt profitiert davon, dass die operative Breite Rückschläge in Randbereichen abfedern kann.
Kurs nahe Jahreshoch, Bewertung spiegelt Restrukturierungsstory
Die Aktie schloss am Freitag bei 14,67 Euro, ein Minus von 1,2 Prozent auf Tagesbasis. Auf Wochensicht steht dennoch ein Plus von 7,9 Prozent zu Buche, über 30 Tage summiert sich der Anstieg auf 22 Prozent.
Seit Jahresbeginn hat sich das Papier um 57 Prozent verteuert. Zum 52-Wochen-Hoch von 15,18 Euro, erreicht am 28. August, fehlen nur noch 3,4 Prozent – ein Zeichen, wie nah der Kurs am bisherigen Jahreshöchststand notiert.
Die Marktkapitalisierung liegt bei 9,18 Milliarden Euro. Mit einem RSI von 68,6 nähert sich die Aktie einer technisch überkauften Zone, was angesichts der jüngsten Kursdynamik nicht überrascht.
Blick nach vorn: Capital Markets Day und weitere Termine
Für Ende September ist ein Kapitalmarkttag der Stahlsparte Thyssenkrupp Steel Europe angesetzt, bei dem Investoren voraussichtlich mehr Details zur strategischen Ausrichtung erhalten dürften. Die im Oktober bevorstehende Börsennotierung der abgespaltenen TK Accelis Group bleibt ein weiterer Fixpunkt für das laufende Geschäftsjahr, ebenso wie die vollständigen Zahlen zum dritten Quartal, die die angehobene Guidance untermauern sollen.
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