Die DZ Bank hat Thyssenkrupp am 21. August von „Halten“ auf „Kaufen“ hochgestuft und den fairen Wert von 11 auf 16 Euro angehoben. Nur einen Tag zuvor hatte die Bank of America ihr Kursziel von 19 auf 22 Euro erhöht. Beide Häuser begründen ihre Anhebung mit einer glaubwürdigeren Profitabilität durch die laufende Restrukturierung sowie mit den Fortschritten bei der strategischen Neuausrichtung des Konzerns.
Die Aktie notiert aktuell bei 14,59 Euro und damit knapp unter dem Schlusskurs vom Freitag von 14,67 Euro. Der jüngste Kursverlauf zeigt, dass der Markt die positiven Analystenkommentare bereits teilweise vorweggenommen hat, denn binnen sieben Tagen legte das Papier um 7,3 Prozent zu.
Restrukturierung und Zahlen als Basis der Neubewertung
Grundlage der Kursziel-Anhebungen ist die Quartalsmitteilung vom 13. August. Thyssenkrupp hatte darin steigende Umsätze und ein höheres bereinigtes EBIT für das dritte Quartal 2025/2026 gemeldet. Parallel dazu stimmte die außerordentliche Hauptversammlung der Abspaltung von tk accelis zu – ein zentraler Baustein der Konzernumstrukturierung, den Bank of America explizit als Werttreiber nennt.
Auch das Stahlgeschäft rückt in den Fokus der Analysten: Bank of America verweist zusätzlich auf die Möglichkeit einer teilweisen Abspaltung dieses Segments als weiteren potenziellen Katalysator für die Bewertung.
Die Deutsche Bank Research bestätigte am 14. August ihre Einstufung „Buy“, während JPMorgan am selben Tag bei „Neutral“ blieb – ein Hinweis darauf, dass die Einschätzungen der Analystenhäuser trotz der positiven Nachrichtenlage nicht einheitlich ausfallen. Jefferies hatte bereits am 13. August seine „Buy“-Einstufung bestätigt.
Baustellen bleiben: Stahlwerk-Finanzierung und Tochter nucera
Nicht alle Nachrichten rund um den Konzern sind uneingeschränkt positiv. Medienberichten zufolge führt Thyssenkrupp fortgeschrittene Gespräche zur Anpassung der Finanzierung eines mit drei Milliarden Euro veranschlagten Projekts für ein grünes Stahlwerk. Das Vorhaben gilt als wichtiger Baustein der Transformation, die konkrete Ausgestaltung der Finanzierung ist aber offenbar noch nicht final geklärt.
Zudem musste die Tochtergesellschaft thyssenkrupp nucera Anfang der Woche ihre Prognose für das Geschäftsjahr 2026 senken, nachdem sie die Pläne für die SOEC-Stack-Produktion aufgegeben hatte. Der Vorgang betrifft direkt nur die Tochtergesellschaft, wirft aber ein Schlaglicht darauf, dass nicht alle Wachstumssegmente des Konzerns gleichermaßen liefern.
Was die Kursziel-Anhebungen für Anleger bedeuten
Mit einem Kursziel von 22 Euro sieht Bank of America noch erhebliches Potenzial über dem aktuellen Kursniveau von 14,59 Euro. Die DZ Bank liegt mit 16 Euro deutlich vorsichtiger, signalisiert aber ebenfalls Aufwärtspotenzial.
Die Spanne zwischen den Einschätzungen – von JPMorgans „Neutral“ bis zu den optimistischeren Kurszielen von DZ Bank und Bank of America – zeigt, dass die Restrukturierungsstory an der Börse noch nicht einheitlich eingepreist ist.
Für Anleger bleibt damit entscheidend, ob Thyssenkrupp die angekündigten Schritte – von der tk-accelis-Abspaltung bis zur Stahlwerk-Finanzierung – tatsächlich in der geplanten Form umsetzt.
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