Ein Rückzug eines institutionellen Großinvestors, ein stockender Milliarden-Deal und ein Nettoverlust im ersten Quartal — bei Thyssenkrupp häufen sich die Belastungsfaktoren. Die Aktie notiert auf einem neuen 52-Wochen-Tief und hat seit Oktober 2025 mehr als 41 Prozent an Wert verloren.
Amundi-Rückzug verstärkt das Misstrauen
Den stärksten Kursimpuls der vergangenen Wochen löste keine operative Nachricht aus, sondern eine Pflichtmitteilung. Amundi S.A. meldete Mitte März zwei Stimmrechtsveränderungen: Die zugerechnete Beteiligung sank innerhalb eines Tages von 5,22 auf 4,92 Prozent. Die Aktie verlor daraufhin zeitweise rund zehn Prozent.
Institutionelle Investoren werteten den Schritt als Signal — in einem ohnehin belasteten Stahlsektor verstärkt ein solcher Rückzug das Misstrauen gegenüber der Transformationsstrategie erheblich.
Operative Realität: Besser als es scheint, schlechter als erhofft
Im ersten Quartal 2025/26 erzielte Thyssenkrupp 7,2 Milliarden Euro Umsatz und ein bereinigtes EBIT von 211 Millionen Euro. Das klingt solide — bis man die Restrukturierungskosten bei Steel Europe betrachtet. Allein diese Position schlug mit 401 Millionen Euro zu Buche und drückte das Konzernergebnis in einen Nettoverlust von 334 Millionen Euro.
Parallel dazu stockt der geplante Verkauf von Thyssenkrupp Steel Europe an Jindal Steel & Power. Berichte zufolge fordert Jindal zusätzliche Kostensenkungen. Die IG Metall knüpft ihre Zustimmung an gesicherte Arbeitnehmerinteressen. Wie weit die Verhandlungen tatsächlich gediehen sind, bleibt unklar — die Due Diligence läuft noch.
Etwas konkreter ist die Lage bei der Handelstochter Materials Services. Mit 11,4 Milliarden Euro Jahresumsatz und über 15.000 Beschäftigten ist die Sparte kein Randposten. Eine Verselbstständigung im Herbst 2026 — ob per Börsengang, Abspaltung oder Verkauf — gilt nur dann als realistisch, wenn die Einheit im laufenden Quartal eine verbesserte Performance zeigt. Die Frist dafür läuft Ende März ab.
TKMS als Gegengewicht
Inmitten dieser Belastungen sticht ein Konzernteil heraus. Die Rüstungstochter Thyssenkrupp Marine Systems, seit Oktober 2025 eigenständig börsennotiert, hat seitdem rund 50 Prozent zugelegt. Mit einem Auftragsbestand von 18,7 Milliarden Euro, laufenden U-Boot- und Fregatten-Programmen sowie einer Bewerbung um bis zu zwölf kanadische U-Boote ist TKMS der am höchsten bewertete Teil des Konzerns. Thyssenkrupp hält noch 51 Prozent der Anteile.
Ergänzt wird das Bild durch ein operatives Signal in Richtung Dekarbonisierung: Ab 2026 beliefert Thyssenkrupp die BMW Group mit bluemint® recycled, einem CO₂-reduzierten Stahl, der erstmals die strengen O5-Oberflächenstandards für sichtbare Fahrzeugteile erfüllt.
Halbjahresbericht als nächster Prüfstein
Am 12. Mai 2026 legt Thyssenkrupp den Halbjahresbericht vor. Dann dürfte sich zeigen, ob der Jindal-Deal noch zu retten ist, welchen Weg Materials Services einschlägt und wie weit der geplante HKM-Transfer an Salzgitter zum 1. Juni vorangeschritten ist. Solange diese drei Fragen offen bleiben, fehlt der Aktie der Katalysator für eine nachhaltige Erholung.
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