Thyssenkrupp arbeitet an einem weiteren Baustein der Neuordnung seiner Stahlsparte: Der Ausstieg aus dem Gemeinschaftsunternehmen HKM mit Salzgitter gilt als nächster Meilenstein der Restrukturierung von Steel Europe. Details zur künftigen Struktur der Sparte will der Konzern im September auf einem Kapitalmarkttag in London vorstellen.
Der Schritt fügt sich in eine Reihe von Maßnahmen, mit denen Thyssenkrupp die margenschwache Stahlsparte verkleinern und wettbewerbsfähiger machen will. Im Dezember hatte der Konzern mit der IG Metall einen Sanierungstarifvertrag unterzeichnet, der bis Ende September 2030 läuft und den Abbau von rund 11.000 der etwa 26.000 Stellen in der Sparte vorsieht.
Verhandlungen über einen möglichen Verkauf der Stahlsparte an Jindal Steel International hatte Thyssenkrupp Anfang Mai pausiert – zur Begründung verwies der Konzern auf verbesserte Rahmenbedingungen für europäische Stahlhersteller und Fortschritte bei der eigenen Sanierung.
Konzernzahlen mit gemischtem Bild
Vor gut drei Wochen hatte Thyssenkrupp seine Jahresprognose angehoben: Das bereinigte EBIT für das laufende Geschäftsjahr soll nun zwischen 600 und 900 Millionen Euro liegen, zuvor waren 500 bis 900 Millionen Euro angepeilt. Auch die Nettoergebnis-Prognose wurde nach oben korrigiert, auf minus 700 bis minus 400 Millionen Euro. Die Aktie legte seither um 6,4 Prozent zu.
Hinter der Anhebung stehen positive Beiträge aus Stahlgeschäft, Marinesparte und Materialhandel sowie erste Einsparungen aus dem laufenden Effizienzprogramm. Im dritten Quartal des Geschäftsjahres stieg das bereinigte EBIT um 18 Prozent auf 183 Millionen Euro, der Umsatz kletterte um 8 Prozent auf 8,8 Milliarden Euro. Unter dem Strich stand ein positives Nettoergebnis von 34 Millionen Euro.
Nicht alle Segmente tragen diesen Aufschwung mit. Bei Automotive Technology sank der Umsatz um 3 Prozent auf 1,7 Milliarden Euro, das bereinigte EBIT brach um 38 Prozent auf 38 Millionen Euro ein – belastet auch durch die im März abgeschlossene Dekonsolidierung der Automation Engineering.
Noch deutlicher fiel der Rückgang bei Decarbon Technologies aus: Der Umsatz sackte um 19 Prozent auf 694 Millionen Euro ab, weil Kunden Investitionsentscheidungen hinauszögern.
Abspaltung von tk accelis nimmt Formen an
Parallel treibt Thyssenkrupp die Verselbstständigung seiner Wasserstoff- und Anlagenbausparte tk accelis voran. Eine außerordentliche Hauptversammlung hatte die Abspaltung Anfang August mit einer Zustimmung von 99,99 Prozent genehmigt.
Ein Finanzierungsrahmen von 1,7 Milliarden Euro steht bereit, die Notierung im Prime Standard der Frankfurter Börse ist für 2026 geplant. Thyssenkrupp behält dabei 51 Prozent an der neuen Einheit, 49 Prozent gehen an die eigenen Aktionäre. Die Eintragung ins Handelsregister soll Ende Oktober erfolgen.
Für Anleger bündeln sich damit gleich mehrere Baustellen und Chancen: eine Stahlsparte im Umbau, ein schwächelndes Automobilgeschäft und eine bevorstehende Abspaltung, die den Konzern strukturell verändern wird. Der Kapitalmarkttag in London im September dürfte zeigen, wie belastbar die neue Struktur von Steel Europe tatsächlich ist – und ob die Sanierungsschritte ausreichen, um die Sparte dauerhaft profitabel zu machen.
Die Aktie notierte zuletzt bei 14,19 Euro und damit 6,5 Prozent unter ihrem 52-Wochen-Hoch von 15,18 Euro, das Ende August erreicht wurde. Seit Jahresbeginn steht ein Plus von 52 Prozent zu Buche – ein Beleg dafür, dass der Markt die eingeleiteten Restrukturierungsschritte bislang honoriert, auch wenn einzelne Segmente noch mit Gegenwind kämpfen.
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