Thyssenkrupp macht Ernst mit seinem Konzernumbau. Der Aufsichtsrat hat die Abspaltung der Sparte Materials Services abgesegnet. Am 7. August 2026 müssen die Aktionäre noch zustimmen.
Das neue Unternehmen soll unter dem Namen tk accelis an die Börse gehen. Materials Services ist kein kleines Segment: Im Geschäftsjahr 2024/2025 erzielte die Sparte rund 11,4 Milliarden Euro Umsatz. Das entspricht 35 Prozent des Konzernumsatzes von 32,8 Milliarden Euro – mehr als das Stahlsegment Steel Europe beisteuerte.
Wie die Abspaltung funktioniert
Für je 20 Thyssenkrupp-Aktien erhalten Anleger künftig eine Aktie von tk accelis. Die bisherigen Thyssenkrupp-Aktionäre behalten daran einen Anteil von 49 Prozent. Eine eigene Notiz in Frankfurt ist noch für dieses Jahr geplant.
CEO Miguel López verfolgt damit sein erklärtes Ziel: Thyssenkrupp soll zur Finanzholding werden. Die einzelnen Sparten sollen flexibler agieren und ihre Marktchancen eigenständig nutzen können.
EU-Regeln stützen das Stahlgeschäft
Während der Konzern seine Struktur neu ordnet, bekommt das verbleibende Stahlgeschäft Rückenwind aus Brüssel. Die EU-Kommission legte am 17. Juli eine Reform des Emissionshandels vor. Sie gibt der Stahlindustrie mehr Zeit für die Umstellung auf wasserstoffbasierte Produktion – kostenlose CO₂-Zertifikate sollen länger fließen als ursprünglich geplant.
Dazu kommen schärfere Importregeln, die seit dem 1. Juli 2026 gelten. Die zollfreien Einfuhrquoten für Stahl sanken um 47 Prozent auf jährlich 18,3 Millionen Tonnen. Wer diese Quote überschreitet, zahlt einen Schutzzoll von 50 Prozent – doppelt so viel wie zuvor.
Diese Maßnahmen sollen europäische Hersteller vor Billigimporten schützen. Sie sollen zudem die Preise am Heimatmarkt stabilisieren.
JPMorgan reagierte prompt: Die US-Bank hob ihr Kursziel für Thyssenkrupp am 18. Juli von 11,80 auf 12,80 Euro an. Die Einstufung bleibt bei „Neutral“, die Analysten erwarten aber positive Effekte auf die Gewinne der europäischen Stahlbranche im zweiten Halbjahr 2026.
Die Aktie zieht mit
Der Markt honoriert die Entwicklung. Die Aktie schloss am Freitag bei 11,82 Euro, seit Jahresbeginn steht ein Plus von 27,45 Prozent zu Buche. Vom 52-Wochen-Hoch bei 13,24 Euro trennen das Papier noch knapp 11 Prozent.
Der 7. August wird zur nächsten wichtigen Marke. Stimmen die Aktionäre der Abspaltung zu, dürfte tk accelis noch in diesem Jahr eigenständig an der Frankfurter Börse notieren.
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